Mit Taucherbrille und Quietsche-Entchen
DAS PORTRÄT: EINER VON 100.000 (AUF DER DEMO)
Heute: Karl Deckers, 42, Sint Nicolas
Fotograf und Klimademonstrant
"Du kannst einfach demonstrieren oder du kannst es machen wie ich." Karl Deckers fällt auf in der Menge der Demonstranten. Er schaut durch seine Taucherbrille mit Schnorchel und trägt einen dunklen Schirm, auf dem gelbe Quietsche-Entchen aufgeklebt sind. Vor sich trägt er ein Schild, dass Schiffsreisen in das überschwemmte Belgien 2050 anpreist: "Buchen Sie jetzt!"
An seinem Schirm baumeln außerdem rund zwei Dutzend Schwarz-Weiß-Fotos. Bilder von Kindern - in Afrika, in Asien, in Amerika. "Sie können nicht hier bei der Demonstration sein, deshalb bringe ich die Bilder", sagt Deckers. Die Kinder seien diejenigen, die am schlimmsten vom Klimawandel betroffen sind. Deckers kennt Kinder. Seit 15 Jahren fotografiert er sie und reist dafür rund um die Welt. In 80 Ländern war er bereits, zwischendurch kehrt er nach Sint Nicolas zurück, in seine belgische Heimat.
Nun ist er nach Kopenhagen gekommen - ganz alleine, der Zug aus Belgien war schon voll. Elf Stunden Autofahrt hat er auf sich genommen, um hier sein zu können. Wen will er mit den Fotos erreichen will? Eigentlich geht es ihm um etwas anderes, sagt er: Um die Kinder. "Das Mindeste, was ich tun kann, ist für sie hier zu sein."

Karl Deckers ist nach Kopenhagen zur Großdemo gekommen. (Foto: C. Weimann)
Als Umweltaktivisten bezeichnet er sich nicht, er kämpfe für "Kinderrechte". Auf das Klimathema ist er zum ersten Mal vor fünf Jahren gestoßen. Damals war er in Pakistan und sah, dass die Menschen im Sommer kein Wasser für die Landwirtschaft hatten, weil die Gletscher bereits abgeschmolzen waren. Auf den Phillipinen sah es in diesem Jahr nicht besser aus: Dort hat er festgestellt, dass die Taifun-Zeit einen Monat länger gedauert hat. "Die Menschen kennen bereits die Folgen der globalen Erwärmung."
Vor einer Woche ist Deckers dann erstmals demonstrieren gegangen - in Brüssel bei der großen Demo für ein ambitioniertes Klimaabkommen. "Ich weiß, dass wir jetzt handeln müssen", sagt er. Demonstrieren ist für den Kinderfotografen also eine relativ neue Erfahrung. "Es ist Spaß, aber es ist notwendig." Immerhin hat er eine Gemeinsamkeit mit dem Fotografieren entdeckt: "Man muss kreativ sein." Und die Taucherbrille und die Quietsche-Entchen sagen: Er zumindest ist es.
FELIX WERDERMANN
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