Ein überhaupt nicht zufriedener Minister

DAS PORTRÄT: EINER VON 16.000
Heute: Hasan Mahmud, 46, Staatsminister für Umwelt und Wald, von Bangladesch
"Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit dem Verhandlungsfortschritt. Die Industrieländer müssen mehr tun."
Es ist Samstag, 12. Dezember, Halbzeit auf der Klimakonferenz. Die dänische Präsidentschaft hat die Umweltminister der Welt nach Kopenhagen geladen, drei Tage eher als ursprünglich geplant. Bevor am Mittwoch offiziell das High-Level-Segment mit den Ministern auf der Klimakonferenz beginnt, soll es ab diesem Samstag einen Greenland Dialogue 'Informelle Gespräche' geben.
Und Hasan Mahmud, Umweltminister aus Bangladesh, macht seinem Ärger richtig Luft. "Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit dem Verhandlungsfortschritt! Einige Länder und einige Staaten-Gruppen versuchen hier Gewinn rauszuschlagen. Aber hier gibt es nichts zu gewinnen. Wenn wir nicht endlich handeln, gibt es nur zu verlieren. Und zwar für alle."
Der Umweltminister von 150 Millionen Menschen hat sich an diesem Samstag die Zeit genommen, um auf einer Pressekonferenz die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Gefährdung seines Landes darzulegen. 2002, 2003, 2004 und 2007 hatte das Land die bislang schlimmsten Fluten in seiner Geschichte zu verkraften. Über 36 Millionen Menschen leben in der Küstenzone, die wieder und wieder von Monsterwellen überrannt, von Super-Zyklonen zerstört wurde. "Die Welt soll wissen, wie das ist, wenn es einem das Haus, das Feld oder das Kind wegschwemmt", poltert Hasan Mahmud und redet sich in eine Rage, die man bei einem Minister eher nicht erwartet. Experten schätzen, dass Bangladesh in den kommenden Jahrzehnten 18 Prozent seines Territoriums verlieren könnte.
Das Medienecho ist mäßig. Gerade einmal ein Drittel der Journalisten sind gekommen, die zuvor an einer Pressekonferenz von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas teilgenommen hatten. Kamerateams waren überhaupt keine da. Dafür aber viele Journalisten aus Asien.
Jetzt steht Bangladeshs Umweltminister am wir-klimaretter.de Mikrofon und regt sich über den Verhandlungsstand auf. "Es ist schon lange unsere Position, den Industrieländern, 1,5 Grad maximalen Temperaturanstieg in den Vertrag zu schreiben", sagt Hasan Mahmud, "wir sind ja schon bei 0,8 Grad". Und obwohl sein Land nichts - buchstäblich nichts - zum Problem beigetragen habe, müsse es leiden.
46 Jahre ist Hasan Mahmud alt, in Chittagong, jener Provinz Bangladeshs mit der längsten Küstenlinie, hat er Chemie studiert, danach in Brüssel Umweltwissenschaften. Anfang des Jahrzehnts ging er als Lehrer in seine Heimat zurück, stellte sich dort 2008 zur Wahl - und gewann.
Nun ist er also als Staatsminister für Umwelt und Wald auf dem Parkett von Kopenhagen gelandet. Gleich wird er sich mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und den anderen Kollegen bei Konferenzpräsidentin Connie Heedgard treffen, es geht um ein "erstes atmosphärisches Kennenlernen". Und was sagen sie zu den Verhandlungspapieren, die am Freitag vorgelegt wurden?
Hasan Mahmud kraust die Stirn. "Wissen sie, Verhandlungsdetails können meine Leute in der Delegation viel besser kommentieren als ich. Fakt ist aber: Ich bin mit dem Verhandlungsstand überhaupt nicht zufrieden! Die Industrieländer müssen mehr tun." NICK REIMER
Mehr Porträts von Teilnehmer/innen finden Sie hier.
Die Schlagzeilen um 11 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Danke, lieber Fritz Vahrenholt! Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]
Meinungen: Kommentar
Keine Blackout-Angst Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde
Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]
Aktion des Monats In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr] | Durban 2011 Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen. [mehr] |
Neue Klimaretter-Serie
Die Gesetze der Energiewende
Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | In eigener Sache Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge
Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13




