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Wenn Mr. Klimaverhandlung weint

 

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DAS PORTRÄT: EINER VON 16.000

Heute: Yvo de Boer, 55, Niederlande,
Chef des UN-Klimasekretariats

 



"Die Augen der Welt blicken nach Kopenhagen." - "Die Stunde der Entscheidung ist gekommen.“ - "Wenn wir später zurückblicken, werden wir stolz sagen können: Dieses Werk ist uns in Kopenhagen gelungen." - Dies sind typische de-Boer-Sätze. Kurz vor Beginn des 15. UN-Klimagipfels in der dänischen Hauptstadt versucht der Chef des UN-Klimasekretariats, mit solchen Worten noch einmal Zuversicht und gute Laune zu verbreiten. Darin ist der Niederländer Meister: Als oberster Dienstherr der UNO in Sachen Klima versteht er es, den Verhandlungsprozess mit Worten zu beeinflussen.

Das heißt aber nicht, dass Yvo de Boer, 55, ein Gute-Laune-Onkel ist: "Ich sehe absolut keine Bewegung von Seiten der Industriestaaten", klingt der schneidende de Boer. "Ohne eine Änderung dieser Haltung werden die Verhandlungen platzen." Wenn Verhandlungen ins Stocken geraten, spricht de Boer solche Worte in Journalistenmikrofone und macht so auf geschickte Weise Druck.

Wenn es sein muss, lässt de Boer die diplomatische Zurückhaltung fallen

Oder 2008, als parallel zum Poznaner Klimagipfel in Brüssel die EU-Regierungschefs um Schlupflöcher beim Emissionshandel für Kraftwerke und Industrieanlagen feilschten: Da griff er die deutsche Bundesregierung, die sich so gern als internationalen Vorreiter präsentiert, direkt an: "Ich war sehr beeindruckt, dass sich Deutschland vorgenommen hat, die Kohlendioxidemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren", so de Boers in ein Lob verpackter Angriff, nun aber frage er sich, "wie dieses Ziel erreicht werden soll, wenn die Regierung 25 Kohlekraftwerke bauen lässt." Dass die Ausnahmen für besonders klimaschädliche Industrien am Ende nicht ganz so weitgehend waren wie von Lobbyisten gefordert, ist wohl auch dieser wohlgesetzten Provokation de Boers zu verdanken.

Über das Kyoto-Protokoll von 1997 sagt de Boer, es sei ein bisschen wie die Mondlandung - nur umgekehrt: "Ein großer Schritt für die handelnden Akteure, aber nur ein kleiner für die Menschheit." Derlei Vergleiche sind nichts Ungewöhnliches aus dem Mund des gelernten Sozialarbeiters. Kritiker wie Fans bescheinigen de Boer "manchmal eine sehr eigenwillige Linie" - jedenfalls ist er untypisch für die meist so stille Welt der Diplomatie. Dabei kennt er diese Welt von Kindesbeinen an: 1954 wurde er als Kind eines holländischen Diplomaten in Wien geboren – und mit seinem Vater wechselte er ständig den Wohnort.

Schon seit 1994 befasst sich der Niederländer mit Klimaschutz. Als Beamter im niederländischen Umweltministerium bestimmte er die europäische Position bei den Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll mit. Seit 2006 ist er Chef des UN-Klimasekretariats. Diese Institution sitzt im beschaulichen Bonn, ist aber direkt beim Generalsekretär der Vereinten Nationen angebunden, weshalb de Boer zu Kofi Annan einen kurzen Draht hatte. Zu dessen Nachfolger Ban Ki Moon hat er einen noch kürzeren - als vor zwei Jahren beim vorletzten Klimagipfel der mühsam ausgehandelte Kompromiss zur "Bali Road Map" zu scheitern drohte - dem Verhandlungs-Fahrplan für  Kopenhagen - da soll de Boer kurzerhand Ban Ki Moon angerufen haben. Der UN-Generalsekretär flog daraufhin ein zweites Mal auf der indonesischen Urlaubsinsel ein und beschwor die dort versammelten Regierungsdelegationen. Mit Erfolg.

Der Vorwurf der Parteilichkeit zugunsten der Industriestaaten trifft de Boer tief

Aber die wirkliche Bewährungsprobe steht de Boer nun in Kopenhagen bevor. Fast vier Jahre Arbeit hat er investiert. Und am Montag erklärte Mr. Klimakonferenz überraschend deutlich, was für ihn ein Scheitern dieser Arbeit bedeutet: "Kopenhagen wird nur dann ein Erfolg, wenn umfangreiche Maßnahmen vereinbart werden, die am Tag eins nach Ende dieses Gipfels in Kraft treten." Damit macht er wieder einmal Druck auf die Verhandler – die hatten zuletzt als Linie ausgegeben, in Kopenhagen nur eine Rahmenvereinbarung zu schließen und ein wirkliches Abkommen erst im Laufe des kommenden Jahres zu beschließen. Ohne ein Kopenhagen-Protokoll betrachtet er jedenfalls sich als gescheitert. Und das könnte ihn durchaus zum Rücktritt bewegen.

Dass am Klimaschutz wirklich sein Herz hängt, zeigte sich nicht zuletzt 2007 auf Bali. Als es damals am Ende der Konferenz Spitz auf Knopf stand und der überforderte Versammlungsleiter - Indonesiens Umweltminister Rachmat Witoelar - die Bitte der G-77-Staaten auf eine Sitzungsunterbrechung ignorierte, da warfen die der ganzen Veranstaltung und auch de Boer persönlich vor, parteiisch zugunsten der Industriestaaten zu sein. Das traf den Diplomaten so sehr, dass er auf offener Bühne in Tränen ausbrach. NICK REIMER

 

 

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