"Es ist was faul im Staate Dänemark"
Kopenhagen und COP 15 sind Geschichte. Aber werden sie auch in die Geschichte eingehen? Ein Kommentar von Nick Reimer, Redaktionsleiter dieses Online-Magazins
COP 15 in Kopenhagen ist Geschichte, der neue Vertrag liegt auf dem Tisch. Doch was ist dieses Ergebnis wert?
Zunächst: Es ist absolut auf der Höhe der Zeit. Kann ja sein, dass einige kundige Wissenschaftler erschrecken, angesichts immer neuer, immer dramatischer werdender Erkenntnissen über die globale Erwärmung der Erde. Aber das Ergebnis von Kopenhagen zeigt, dass weder die demokratisch organisierte Politik noch die kapitalistisch organisierte Wirtschaft in der Lage sind, das Problem zu lösen.
Erinnern wir uns: Seit der Klimakonferenz 2005 in Montreal hat sich die Welt darüber gestritten, wie es weiter geht mit dem Klimaschutz nach 2012. Die Väter und Mütter des Kyoto-Protokolls hatten klug beschlossen, die erste Verpflichtungsperiode auf den Zeitraum 2008 bis 2013 zu begrenzen - um Fehler im System bearbeiten und Fehleinschätzungen beheben zu können.
Eine Erkenntnis aus der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls lautet: Die getroffenen Reduktionsverpflichtungen sind viel zu gering, um den Klimawandel zumindest zu bremsen. Die zweite: Ohne die größten Emittenten USA und China taugt das System nichts.
Zwei Jahre verhandelte die Welt dann noch, um 2007 auf Bali endlich zu beschließen: Wir beginnen jetzt mit Verhandlungen. Das Ziel war klar: Die Fehler im System zu beheben und Fehleinschätzungen zu korrigieren.
Das Ergebnis zeigt nun: Insgesamt fünf Jahre Verhandlungen erbringen ein Papier, das festlegt, dass in den nächsten Monaten und Jahren weiter verhandelt werden soll. Jeder weiß, dass die Erde diese Zeit nicht hat. Doch weil sich aber die Staatenführer von der (alten) Wirtschaft knebeln ließen, kann die nun weitermachen wie bisher. Und es ist nicht zu erkennen, dass sich daran in den nächsten Monaten oder Jahren etwas ändern wird.
Sichtbar wird dagegen, wie sich das Klima auf der Erde ändert. Bereits in fünf Jahren - so Al Gore hier auf der Klimakonferenz - wird die Arktis eisfrei sein. Dieses Menetekel wird aber immer noch nicht ausreichen, um dem Problemdruck ein angemessenes Handeln entgegen zu stellen. Denn wenn die Klimakonferenz etwas Gutes vorzuweisen hat, dann diese Erkenntnis: Es ist was faul im Staate Dänemark. Und um bei Hamlet zu bleiben, die Frage des Seins haben die Staatenführer und ihre Klimadiplomaten hier entschieden: Sie sind es nicht, die eine Lösung finden werden.
Und so stellen sie selbst durch ihr Nichthandeln die Systemfrage.
Nick Reimer ist Redaktionsleiter und Klimaretter-Beobachter in Kopenhagen
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