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Konsum ergrünt nur langsam

Grüne Produkte gehen in Deutschland immer häufiger über den Warentisch. Der Umsatz mit den nachhaltigen Produkten in den Konsumbereichen Wohnen, Mobilität und Ernährung ist 2015 um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, geht aus einer Untersuchung des Umweltbundesamtes hervor. Dennoch stagnieren die CO2-Emissionen, die der private Konsum verursacht, auf hohem Niveau.

BildDer Absatz von "grünen" Produkten nimmt zu – dennoch sinken die Umweltbelastungen durch den privaten Konsum insgesamt nicht. (Foto: Velkro/Flickr)

2014 verursachte der Konsum der Bundesbürger CO2-Emissionen in Höhe von 7,8 Tonnen pro Kopf. Das Wohnen hat daran den größten Anteil, weil auf Heizen, Warmwasser und den Stromverbrauch elektrischer Geräte fast 40 Prozent der CO2-Emissionen der privaten Haushalte entfallen. Der Grund: Drei Viertel der Haushalte heizen mit Gas oder Öl, zudem wird Strom noch immer mehrheitlich aus CO2-intensiven und nicht erneuerbaren Energiequellen wie Kohle und Erdgas bezogen. Allerdings verzeichnete die Behörde beim Strombezug eine positive Marktentwicklung, da der Marktanteil von Ökostromtarifen auf rund 20 Prozent angestiegen ist.

Umweltfreundliche Produkte finden sich bislang vor allem im Segment der Haushaltsgeräte. "Bei den Verbrauchern kommen vor allem die Produkte gut an, mit denen sie Geld sparen können – und das sind die energieeffizienten Geräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke, Geschirrspülmaschinen", sagt Michael Bilharz, Experte für nachhaltigen Konsum im Umweltbundesamt.

Schleppend ist der Absatz vor allem von grünen Produkten, die teurer sind als die konventionellen Angebote. Das gilt besonders für Öko-Textilien oder Bio-Lebensmittel. 8,6 Milliarden Euro Umsatz wurden 2015 mit Bio-Lebensmitteln erzielt, das entspricht einem Marktanteil von weniger als fünf Prozent. "Damit grüne Produkte stärker nachgefragt werden, muss der Preis stimmen", sagt UBA-Experte Bilharz. So sind Umweltbelastungen, die durch bestimmte Waren entstehen, in der Regel nicht in den Preisen enthalten – stattdessen werden die Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt. "Die Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen", fordert deshalb Bilharz.

Die Bundesregierung hat sich vor zwei Jahren vorgenommen, dass der Konsum nachhaltiger werden soll, und ein "nationales Programm für nachhaltigen Konsum" aufgelegt. Das soll Ressourcen schonen und die Umweltbelastungen verringern. Umwelt- und Verbraucherverbände sehen darin jedoch kaum mehr als Absichtserklärungen und warnen davor, die Verantwortung zu stark auf die Konsumenten abzuwälzen. "Verbraucher können die Welt nicht alleine retten", sagte Ingmar Streese vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Politik und Wirtschaft müssten Regeln setzen und ein Umfeld schaffen, in dem nachhaltiges Wirtschaften und Konsumieren möglich sei.

klimaretter.info/kir

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