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Sharing muss noch grün werden

Auf 110 Online-Plattformen gibt es derzeit in Deutschland Angebote zum sogenannten Peer-to-Peer-Sharing in den Bereichen Mobilität, Gebrauchsgegenstände, Übernachten, Kleidung, Medien und Ernährung. Bei dieser Form der Sharing Economy nutzen Privatpersonen Güter oder Dienste von anderen Privatpersonen, die online über Dritte vermittelt wurden. Etwa 80 Prozent der existierenden Sharing-Plattformen sind dabei kommerziell ausgerichtet, die restlichen 20 Prozent verstehen sich eher als soziale Initiative oder Netzwerk. Das ergab eine Studie dreier Forschungsinstitute aus Heidelberg und Berlin.

BildDas gemeinsame Nutzen von Konsumgütern kann positive Effekte für die Umwelt haben – allerdings nur, wenn sich die Konsummuster insgesamt ändern. (Foto: Mark Warner/​Flickr)

Die Untersuchung ist ein Ergebnis des dreijährigen Forschungsprojekts "Peer-Sharing" von Wissenschaftlern des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu). Die Forscher stellten fest, dass der Markt des Peer-to-Peer-Sharings durch globale digitale Vermittlungsplattformen wie Uber, Airbnb und Ebay dominiert wird. Für die Bereiche Bekleidung, Alltagsmobilität und Reiseunterkunft stellt die Studie erstmals auch eine Ökobilanz des Teilens auf.

Die neuen Konsumpraktiken hätten zwar einen positiven Umwelteffekt, dieser sei allerdings gering, bilanzieren die Experten. Notwendig sei, dass sich die Sharing-Angebote auf einen nachhaltigeren, "substitutiven" Konsumstil ausrichteten, um wirklich zu einer grünen Ökonomie beizutragen. "Zwar geben sich manche Anbieter einen grünen Anstrich, doch zeigen unsere Berechnungsergebnisse, dass Sharing keinesfalls automatisch ökologisch sinnvoll ist", sagte Sabrina Ludmann vom Ifeu. Erhöhe das Sharing den Konsum insgesamt oder verschiebe diesen hin zu nachteiligem Konsum wie etwa Flugreisen, blieben die Nachhaltigkeitseffekte auf der Strecke.

Die Forscher billigen dem Sharing dennoch ein großes Umwelt-Potenzial zu – sofern es zu einer Wandlung der Konsumkultur führt, indem zum Beispiel insgesamt weniger Kleidung gekauft oder das eigene Auto abgeschafft beziehungsweise kein neues angeschafft wird. Beim Apartment-Sharing gebe es einen Umweltnutzen nur dann, wenn alltäglich genutzter Wohnraum geteilt und dadurch intensiver genutzt wird, und nicht, wenn dafür eigens Ferienwohnungen eingerichtet werden. Die Herausforderung liege darin, gerade das kommerzielle Peer-to-Peer-Sharing in einen nachhaltigen Konsum einzubetten. Erst dann ließen sich die Potenziale wirklich erschließen.

klimaretter.info/jst

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