Montag, 19. Juni 2017, 08:21 Uhr

Tütensucht geht zum Papier

Der Verbrauch von Plastiktüten ist in Deutschland um ein Drittel zurückgegangen. Das meldet der Handelsverband Deutschland (HDE) mit Verweis auf neue Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM). Demnach griffen die Bundesbürger 2016 nur noch 45 Mal pro Kopf und Jahr zur Plastiktüte, statt 68 Mal, wie noch 2015. Laut GVM entspricht das einem Rückgang von insgesamt zwei Milliarden Tüten auf nunmehr 3,6 Milliarden Stück.

BildPraktisch, aber gleich mehrfach schädlich: Erdöl wird bei der Produktion verbraucht, Emissionen entstehen, und dann landet die Plastiktüte in der Müllverbrennung oder müllt Landschaft und Weltmeere zu. (Foto: Surprise Pally/​Flickr)

Der HDE sieht den Rückgang als Erfolg für die "freiwillige Vereinbarung", die der Einzelhandel letztes Jahr mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) getroffen hat. Hendricks hatte ursprünglich eine gesetzliche Regelung im Auge gehabt und erreichen wollen, dass es künftig für fast alle Tüten eine Bezahlpflicht gibt. Der Einzelhandel stäubte sich – und handelte schließlich eine "Selbstverpflichtung" aus.

Diese sieht vor, dass nur rund 60 Prozent der Kunststofftragetaschen, die in Deutschland über den Ladentisch gehen, kostenpflichtig sind. Der Rest darf weiterhin gratis verteilt werden. Die dünnen Folienbeutel, in die Obst oder Gemüse verpackt werden, werden gar nicht mitgerechnet.

Ein Mindestpreis für die Tüten wurde auch nicht vereinbart. Der Kompromiss orientiert sich an den ohnehin geltenden EU-Vorgaben. Danach muss der Verbrauch bis Ende 2025 auf 40 Tüten pro Kopf und Jahr sinken.

Doch mit dem sinkenden Plastiktüten-Verbrauch tut sich nun ein neues Problem auf. Statt Kunststofftragetaschen bieten viele Händler und Supermärkte jetzt Papiertüten an. Die sind aber gar nicht so umweltfreundlich, wie viele meinen. Das Umweltbundesamt warnte kürzlich: "Auch Einwegtüten aus Papier schneiden in Ökobilanzen nicht besser ab als konventionelle Plastiktüten." Überhaupt sollten derart kurzlebige Produkte aus Abfallgesichtspunkten unabhängig vom Material vermieden werden. "Am besten für die Umwelt ist daher immer noch der wiederverwendbare Einkaufsbeutel, der möglichst lange benutzt wird", betont das Umweltbundesamt.

klimaretter.info/vk

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