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Kleine Kapseln mit großem Müllproblem

Fast zwei Milliarden der ökologisch umstrittenen Kaffeekapseln sind der Zeitung Die Welt zufolge 2013 in der Bundesrepublik durch Kaffeemaschinen gejagt worden. 1,7 Milliarden waren es noch im Jahr zuvor, was rund 10.000 Tonnen Kaffee entsprach, beim gesamten Absatz aber nur einen Marktanteil von 2,5 Prozent ausmachte. Den unübersehbaren Wachstumstrend aber will der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé für sich nutzen. Am Freitag nahm er die ersten Produktionslinien in seinem neuen Kaffeekapsel-Werk in Schwerin in Betrieb.

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Was so schön bunt daherkommt, hat nicht selten ein ökologisches Problem (Foto:
Andres Nieto Porras)

Geht alles glatt, könnten in diesem Jahr noch 300 Millionen weitere Kapseln den Betrieb verlassen. Im Endausbau sollen es jährlich bis zu zwei Milliarden Kapseln werden, die der Lebensmittelriese nicht mehr alle in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland absetzen will. Dann könnten – bei Investitionen von 220 Millionen Euro – 450 Menschen in dem Werk arbeiten, das vom Land Mecklenburg-Vorpommern mit 20 Millionen Euro gefördert wurde.

Bei den Kapseln kommen auf sechs Gramm Kaffee etwa drei Gramm Plastikmüll oder Aluminiumabfall. "Würde man die 2013 verbrauchte Menge an Kaffee in einzelnen Kapseln anstatt in 500-Gramm-Großverpackungen verkaufen, so entstünden mehr als 150.000 Tonnen zusätzlicher Plastikabfall", rechnete am Montag Thomas Fischer, Abfallexperte der Deutschen Umwelthilfe (DUH), vor. Besonders absurd sei es, wenn neben der Kaffee- auch noch eine Milchkapsel zur Zubereitung benötigt wird. Für Fischer ist die Materialbilanz solch kleiner Kaffee-Kapseln "verheerend", weil deutlich mehr Verpackungsmaterial für die gleiche Inhaltsmenge eingesetzt werden muss.

Nach Einschätzung der DUH belastet der Einsatz von Kaffee-Kapseln auch den Geldbeutel der Verbraucher. Selbst die günstigsten Kaffeekapsel-Varianten kosten 19 Cent pro Stück, bei etwa sechs Gramm Kaffee ergibt das einen Kilopreis von über 30 Euro. Das ist mehr als drei Mal so teuer wie Kaffee aus der Großverpackung. Fischer empfiehlt: "Wer als Kunde auf die Umwelt und den Geldbeutel achten möchte, sollte klassische Kaffee- oder Espressomaschinen benutzen." Die Zeitschrift Öko-Test bemängelte in ihrer Ausgabe vom Oktober 2013 auch, dass die meisten verwendeten Kapseln nicht recycelt werden, und empfahl die Verwendung von Mehrwegkapseln.

Der Deutsche Kaffeeverband dagegen behauptete im April dieses Jahres, zahlreiche Kaffeeunternehmen würden sich seit Jahren für Nachhaltigkeit im Kaffeesektor engagieren, bezog das aber auf "nachhaltige Kaffees, die ein Zertifikat oder Siegel tragen (einschließlich Bio-Kaffees)". Der Marktanteil dieser Produkte habe 2013 bei vier Prozent und somit auf dem Niveau von 2012 gelegen.

klimaretter.info/pie

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