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Wenn der Netzbetreiber das Fernsehprogramm kennt

Forscher der Fachhochschule Münster konnten in einem Versuch anhand der Stromverbrauchsdaten nachvollziehen, welches Fernsehprogramm die Zuschauer sahen. Dass intelligente Stromnetze - die sogenannte Smartgrids - ein Datenschutzproblem darstellen können, war schon vorher bekannt, doch hiermit hatte wohl niemand gerechnet. Eine Abhilfe wäre möglich, erfordert aber die Kooperation der Stromanbieter.

Von Hanno Böck

Intelligente Stromnetze sollen dazu beitragen, beim Ausbau der erneuerbaren Energien den Stromverbrauch an die Stromerzeugung anzupassen. Ein Kernelement dieser "Stromnetz-Intelligenz" sind sogenannte intelligente Stromzähler: Der Verbrauch wird durch diese Geräte sekundengenau erfasst, was hilfreich ist um beispielsweise eine entsprechende Tarifstruktur anbieten zu können. Strom aus Windkraftwerken könnte beispielsweise günstiger angeboten werden - bläßt viel Wind, wird Wäschewaschen billiger. Der Verbraucher könnte sich darauf einstellen und so durch sein Nutzerverhalten Netzprobleme ausgleichen.


Sat 1 oder RTL? Ihr Stromzähler weiß Bescheid. (Foto: Christina Bobe)

Schon bisher war klar, dass die so gewonnenen Daten auch misbraucht werden können: Große Stromverbraucher wie Wasserheizungen, Kühlschränke oder Waschmaschinen haben ein sehr spezifisches Stromverbrauchsprofil, anhand der Verbrauchskurven läßt sich ablesen, welches elektrische Gerät gerade im Einsatz ist.

Die Bundesregierung hat daher das Forschungsprojekt DaPriM (Data Privacy Management) in's Leben gerufen, welches Datenschutzaspekte der intelligenten Stromnetze untersuchen sollte. Die an DaPriM beteiligten Wissenschaftler der Fachhochschule Münster konnten in einem Experiment unter anderem die Aktivität von Kühlschränken, Wasserkochern, Toastern, Kaffeemaschinen, Kochherden oder Fernsehern nachvollziehen - doch sie gingen noch weiter. Besonders helle oder besonders dunkle Stellen im Fernsehprogramm lassen Rückschlüsse zu, die exakt genug sind, um nachzuvollziehen, welcher Sender gerade läuft, berichtet heise online.

Hinweis auf einen "geklauten" Film

"So wäre beispielsweise eine (rechtlich als missbräuchlich anzusehende) Nutzung der Stromverbrauchsdaten zum Auffinden von Konsumenten urheberrechtlich geschützten Materials denkbar", schreiben die Autoren in ihrer Studie. Es könne nachträglich festgestellt werden, welche Haushalte beispielsweise einen Film abgespielt haben, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf DVD erschienen war, ein Verstoß gegen das Urheberrecht, der die Ermittlungsbehörden auf den Plan rufen kann.

In dem Versuch kam ein Gerät der Firma EasyMeter zum Einsatz, welches RWE seinen Kunden bereits teilweise anbietet. Dieser intelligente Stromzähler zeichnet den Stromverbrauch im Zwei-Sekunden-Takt auf. Der Stromzähler übertrug entgegen den Angaben des Herstellers die Daten unverschlüsselt über das Internet. Das bedeutet also, dass auch Mitarbeiter des entsprechenden Internetanbeiters die Möglichkeit hätten, die Daten illegal abzugreifen. "Diese Tatsache wiegt umso schwerer, da vertraglich zugesichert wird, dass die Übertragung verschlüsselt erfolgt", heißt es dazu in der Studie.


Das ist der alte Stromzehler, neuere - die intelligenten - gefährden die Privatsphäre. (Foto: Cisco Ripac/pixelio)

Als Abhilfe schlagen die Autoren vor, auf längere Zeitintervalle zu setzen, etwa auf Viertelstunden-Takte. Damit wären zwar auch Rückschlüsse auf den Verbrauch möglich, allerdings deutlich weniger als mit sekundengenauer Taktung. Weiterhin fordern sie, dass Daten verschlüsselt und signiert übertragen werden, sowie dass für die Daten bei den Stromkonzernen kurze Löschfristen vorgesehen sein müssten. Allerdings: Gegen eine missbräuchliche, also illegale Nutzung der Daten, hilft das freilich auch nicht.

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