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Tropenholz und Leseratten

Auf der Buchmesse in Frankfurt tummeln sich derzeit Verlagsleute, Autoren und Leseratten. Die Umweltstiftung WWF hat Bücher und Verlage genauer unter die Lupe genommen. Ergebnis: Für Bestseller und Kinderbücher wird weiterhin oft Papier aus Tropenholz verwendet.

Von Ricarda Schuller

Tropenwälder adé? Die Umweltstiftung WWF hat sich auf der Frankfurter Buchmesse genauer angeschaut, aus welchem Holz Bestseller der Buchbranche gemacht sind. Das Ergebnis: Fast die Hälfte der 94 Titel auf den Spiegel-Bestseller-Listen der letzten Monate sind nicht auf nachhaltigem Papier mit dem Siegel Forest Stewardship Council (FSC) gedruckt.


Alles für den Bücherwurm: Die Frankfurter Buchmesse finde vom 6. bis 10. Oktober mit rund 7.000 Ausstellern aus 113 Ländern statt . (Foto: Frankfurt Messe)

Nicht auf FSC-Papier gedruckt bedeutet: Der Zellstoff für das Papier könnte aus illegal gefällten Tropenhölzer hergestellt werden. FSC-Papier stammt dagegen garantiert aus einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Insbesondere Zellstoff, der aus Südostasien, Indonesien oder Russland nach Deutschland geliefert wurde, stammt laut WWF Forst-Expertin Nina Griesshammer oft aus dem Raubbau der Wälder. "Da geht es aber nicht nur um die Nachhaltigkeit, sondern auch um menschenrechtliche Aspekte", sagt Grieshammer. "In diesen Ländern gibt es für die Holzfäller keine Arbeitsschutzbedingungen und die Löhne sind katastrophal niedrig." Dahei sei das Holz auch günstiger als nachhaltig gewonnenes Holz - ein Grund, warum wohl noch viele Verlage darauf setzen vermutet Grieshammer.

"Die Insel unter dem Meer" aus dem Suhrkamp-Verlag, das Sachbuch "Scheisskerle" aus dem Hoffmann und Kampe-Verlag, das Kinderbuch "ZOGG" aus dem Beltz-Verlag - irgendwie trifft es fast alle Verlage. Sie haben gemeinsam, dass im Impressum erst gar nicht angegeben ist, ob das verwendete Papier nachhaltig ist, also FSC- oder Recycling-Papier ist. "Der Leser hat keine Chance zu erkennen, woher das Papier stammt", sagt WWF Papier-Experte Johannes Zahnen. Zwar sei es möglich, dass das Papier in solchen Fällen nachhaltig sei, aber sehr unwahrscheinlich. "FSC-Papier ist nämlich auch ein Marketinginstrument der Verlage", sagt Zahnen. Bei dem Kinderbuch "ZOGG" ist der WWF-Experte recht sicher, dass das Holz für das Papier aus Raubbau stammt. "Dass das Buch in Singapur gedruckt wurde, ist ein Hinweis darauf", so Zahnen.


Auch Kinderbücher schneiden im Tropenholz-Test oft nicht gut ab. (Foto: WWF)

Bereits im vergangenen Jahr hatte der WWF in einer Studie Kinderbücher auf ihre Nachhaltigkeit hin untersucht und festgestellt: 19 von 51 Büchern enthalten Anteile von Tropenholz. Die Studie zeigte Wirkung. "Der Kosmos-Verlag, der in unserer Studie mit zwei Büchern schlecht weg kam, verwendet heute nur noch FSC-Papier", sagt Zahnen. Die Verlage Lingen, Oetinger sowie die deutschsprachige Sparte des Holtzbrinck-Verlages hätten zudem angekündigt 2011 komplett auf nachhaltiges Papier umzustellen.

Und auch in der Europäischen Union (EU) tut sich was: Anfang Juli hat das EU-Parlament einen Gesetzentwurf verabschiedet, der den Import von Holzprodukten aus illegaler Herkunft, also zum Beispiel aus Raubbau, stoppen soll. Wenn der EU-Rat noch im Oktober den Entwurf abnickt, könnte in zwei Jahren das Gesetz stehen. Leseratten können jedoch auch dann nicht davon ausgehen, dass ihre Bücher auf Tropenholzfreiem Papier gedruckt wurden: . "Wenn das Gesetz so kommt wie es jetzt geplant ist, würde es allerdings Druckerzeugnisse ausschließen", kritisiert Nina Griesshammer.


Raubbau im Tropenwald für Leseratten? Nur wo das FSC-Siegel zu finden ist, kann das ausgeschlossen werden. (Foto: WWF) 

Gesetzliche Schritte gegen den Raubbau von Tropenhölzern und das illegale Abholzen sind ein wichtiger Schritt Richtung Klimaschutz. Nach Angaben des WWF ist das Abholzen der Wälder für rund 20 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich - und übertrifft damit sogar den Verkehrssektor. Als "Lunge der Erde" leisten insbesondere die tropischen Regenwälder als Kohlenstoff-Senken einen enormen Beitrag zur Eindämmung des Kohlendioxid-Ausstoßes des Menschen.

Die Buchmesse in Frankfurt findet vom 6. bis 10. Oktober statt. Das diesjährige Gastland ist Argentinien. Mehr Informationen zur Messe hier

 

 

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