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Textile Eintagsfliegen bleiben die Regel

Vor genau drei Jahren starben in Bangladesch mehr als 1.000 Textilarbeiter, weil eine baufällige Fabrik einstürzte. Gute Arbeitsbedingungen und Umweltfreundlichkeit finden die Deutschen beim Klamottenkauf wichtig. Modetrends und einen niedrigen Preis aber eben auch. "Fast Fashion" ist längst nicht passé, zeigt eine Umfrage.

Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Aus dem Nähkästchen wird nicht mehr geplaudert, denn es erzählt nunmehr beinharte Tragödien. Wie vor genau drei Jahren: Am 24. April 2013 stürzte in Sabhar in Bangladesch ein Gebäude ein, in dem zahlreiche westliche Modehäuser den Fummel der Saison nähen ließen. Am Vortag waren Risse in der baufälligen Fabrik festgestellt worden, die Polizei hatte den Zutritt verboten. Dennoch befanden sich mehr als 3.000 Menschen darin. Später war von Zwang der Fabrikbetreiber die Rede. Durch den vorhersehbaren Einsturz starben 1.127 Menschen, vor allem Näherinnen. Fast 2.500 wurden verletzt.

BildDas eingestürzte Fabrikgebäude Rana Plaza in Sabhar. (Foto: Jaber Al Nahian/Wikimedia Commons)

Kleidung ist in den letzten Jahren immer billiger geworden – und immer mehr zur Einweg-Ware, zur "Fast Fashion". Ein T-Shirt für zwei Euro, eine Jeans für 9,99 Euro? Keine Seltenheit. Pro Monat kauft jeder Deutsche im Schnitt fünf neue Kleidungsstücke, Jugendliche eher mehr. Allein im vergangenen Jahrzehnt hat sich der Konsum von Kleidung fast verdoppelt.

Auf der anderen Seite wird den Verbrauchern offenbar langsam bewusst, welche negativen Folgen mit der Ex-und-hopp-Kleidung verbunden sind – zum Beispiel, dass kaum bezahlte Näher weit weg von der hiesigen High Street sich aus Existenzängsten heraus in einsturzgefährdete Fabriken begeben. Laut einer Umfrage halten es fast drei Viertel der Befragten für wichtig, dass die Produkte nachhaltig hergestellt werden. Und drei von zehn Deutschen haben in den letzten zwölf Monaten auch mindestens ein nachhaltig produziertes Kleidungsstück gekauft.

Zumindest die Absichten der hiesigen Verbraucher sind vorbildlich. Nachhaltigkeit bei den Klamotten ist laut der Umfrage für 34 Prozent der Deutschen "sehr wichtig" und für knapp 39 Prozent "wichtig", nur knapp sieben Prozent halten sie für "eher unwichtig" oder "unwichtig". Am meisten Wert legen die potenziellen Käufer dabei mit fast 80 Prozent Zustimmung auf den Öko-Aspekt – etwa die Nutzung von Rohstoffen wie Bio-Baumwolle. Aber auch faire Arbeitsbedingungen und ein angemessener Preis bekamen hohe Werte. Befragt wurden für den "Slow Fashion Monitor" des Hamburger Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. 1.019 repräsentativ ausgewählte Verbraucher.

Die meisten kaufen bei großen Ketten

Eine Studie der Fachzeitschrift Textilwirtschaft hatte vor zwei Jahren ergeben, dass inzwischen 43 Prozent der Deutschen bereit sind, mehr Geld für nachhaltige Mode auszugeben. Das ändert jedoch nichts daran, dass es sich hierbei noch um eine Marktnische handelt. Die meisten Modeshops und Labels, die durchgängig nachhaltige Blusen, Kleider und Hosen anbieten, sind laut der aktuellen Umfrage bestenfalls einigen Prozent der Käufer bekannt. Die Anbieter mit der relativ höchsten Bekanntheit sind Waschbär, Grüne Erde und Hessnatur; sie kommen unter den Ökomode-Kennern jeweils auf über 20 Prozent. Die Studie zeigt indes, dass auch eine relativ hohe Bekanntheit eines "grünen" Anbieters nicht automatisch zu höherem Absatz führt und Käufe auch nicht zwingend in guten Käuferbewertungen resultieren.

Kleidung wird am häufigsten bei Ketten wie H&M und C&A sowie Discountern wie Aldi und Lidl gekauft. Auch diese "Fast Fashion"-Anbieter haben inzwischen Produkte mit Nachhaltigkeitslabel im Sortiment. Von den großen Ketten trauen die Kunden am ehesten C&A zu, nachhaltige Kleidung herzustellen, 31 Prozent Befragten stimmten hier zu. Auch der Sportartikel-Hersteller Adidas kam relativ gut weg. Am unteren Ende in diesem Ranking findet sich hier die Billigkette Primark mit nur 3,7 Prozent.

Laut der Studie halten viele Verbraucher die Bekanntheit der jeweiligen Modemarke beim Kleiderkauf für eher unwichtig, nur rund 22 Prozent sagten hier "sehr wichtig" oder "wichtig". Großen Wert legen sie aber auf die Qualität (91 Prozent), allerdings spielt der Preise eine fast ebenso große Rolle (88 Prozent). Gut zwei Drittel der Befragten hielten auch die einfache Wäsche und Pflege der Kleidungsstücke für sehr wichtig oder wichtig.

Trends sind den Deutschen wichtig

Das Interesse, sich nach den aktuellen Modetrends zu richten, ist unter den deutschen Verbrauchern allerdings weiterhin hoch. Sechs von zehn Befragten schätzen sich als modeinteressiert ein, und knapp die Hälfte meint, sich gut bei aktuellen Modetrends auszukennen. Das spricht eher nicht dafür, dass sich der Trend zur Fast Fashion schnell wieder umdreht. Allerdings erwarten viele Verbraucher beim Kleiderkauf laut der Umfrage gute Qualität und Langlebigkeit. Lieblingsstücke werden im Schnitt neun Jahre aufbewahrt und getragen. Das älteste Stück im Kleiderschrank der Deutschen ist durchschnittlich elf Jahre alt. Drei Viertel der Befragten kaufen am liebsten spontan ein, wenn sie neue Kleidung benötigen, zwei Drittel nutzen Sale-Aktionen oder den Schlussverkauf.

Die Kaufbereitschaft für nachhaltige Mode kann laut der Umfrage durch verlässliche Nachhaltigkeitssiegel gesteigert werden. Sechs von zehn Befragten sind Gütesiegel beim Kauf von Kleidung wichtig, und die Befragten wollen sichergehen, dass die gekauften Produkte "zu 100 Prozent nachhaltig" sind. Bisher existiert allerdings eine verwirrende Vielfalt von Siegeln. Am bekanntesten ist bei den Verbrauchern der "Blaue Engel", der auch für Textilien vergeben wird – allerdings gibt es keine entsprechenden Anbieter. Auch Bemühungen des Bundesentwicklungsministeriums für ein Textilsiegel blieben bisher noch ohne Ergebnis.

 BildJunge Frauen auf Shopping-Tour in New York City. Ein Nebeneffekt der textilen Eintagsfliegen, die über die Theken der High Street gehen: Der Overall vorne links findet sich zufällig auch hinten rechts noch einmal. (Foto: Steven Pisano/Flickr)

Und was passiert mir der schnellen Mode, wenn der nächste Trend ihr das Leben ausbläst? Fast drei Viertel der Deutschen werfen Kleidungsstücke, die ihnen nicht mehr passen oder gefallen, in den Altkleider-Container, bei sieben Prozent wandern sie in den Müll. Rund 38 Prozent verschenken Kleidung an Verwandte oder Freunde und 35 Prozent senden sie etwa an Vereine. Ebay und Kleiderkreisel sind für knapp 30 Prozent eine Option, Flohmarkt und "Umstylen" je für zehn Prozent.

[Erklärung]  
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