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Für die meisten Banken spielt Klimaschutz keine große Rolle. Nur selten finden sich Angaben über den Kohlendioxidausstoß von Geschäftspartnern und Unternehmen, in die investiert wird. Bislang schauen die meisten Geldhäuser noch zu sehr auf den eigenen Fußabdruck. Ein Portal will nun offenlegen, unter welchen Bedingungen und an welche Unternehmen Banken ihr Geld verleihen und wo sie investieren.

Aus Berlin Sandra Kirchner

Sind faire und ökologische Produkte bei Banken ein Nischengeschäft, dann ist Klimaschutz im Finanzsektor ein Minimärktchen. Zu dem Ergebnis kommt die Organisation Facing Finance, die am Dienstag gemeinsam mit weiteren Nichtregierungsorganisationen ein frei zugängliches Informationsportal veröffentlicht hat, das Banken nach sozialen und ökologischen Kriterien bewertet. "Insgesamt haben alle von uns ausgewerteten Banken im Klimaschutz eher schwache Richtlinien", sagt Sarah Guhr von Facing Finance.

BildGreenwashing statt Klimaschutz: Das ist noch immer die gängige Praxis vieler privater Bankhäuser. (Foto: Deutsche Bank)

Das Portal soll offenlegen, unter welchen Bedingungen und an welche Unternehmen eine Bank ihr Geld verleiht oder zu welchen Bedingungen sie es investiert. Acht Banken wurden bislang geprüft – weitere sollen noch folgen –, ihre Selbstverpflichtungen bewertet. Dazu wurden an die 240 Kriterien angelegt, die auf internationale sozialen und ökologischen Standards beruhen.

Wenig überraschend: Die Nachhaltigkeitsbanken liegen vorne – und das nicht nur im Klimaschutz. Sie halten sich stärker an Menschen- und Arbeitsrechte, sind transparenter und verzichten darauf, mit der Rüstungsindustrie oder Fossilwirtschaft Geschäfte zu machen.

Kein klares Bild geben die kirchlichen Banken ab: Während die evanglische KD-Bank einen der vorderen Plätze belegt, landet die katholische Pax-Bank auf dem letzten Platz. Der Grund für das schlechte Abschneiden des katholischen Geldinstituts: Die Richtlinien der Pax-Bank sind nach Einschätzung von Facing Finance nicht umfassend und konkret genug.

Klimaschutz noch Nische in Banken

Auch die etablierten Institute schneiden nur mangelhaft ab. "Großbanken und teils auch genossenschaftliche Institute haben erhebliche Defizite bei der Veröffentlichung und Implementierung von sozialen und ökologischen Richtlinien aufzuweisen", sagt Facing-Finance-Vorstand Thomas Küchenmeister. Demnach haben die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Landesbank Baden-Württemberg und die DZ Bank unterschiedlich stark in kontroverse Unternehmen investiert, auch wenn sie zum Teil sogar gegenläufige Richtlinien haben.

40 bis 60 Prozent der Deutschen würden ihre Bank wechseln, wenn sie wüssten, dass ihre Bank mit Nahrungsmitteln spekuliert oder in Rüstungsunternehmen investiert. Doch während die Banken ethische und ökologische Aspekte inzwischen stärker aufgreifen, ist Klimaschutz noch schwach vertreten. "Bislang haben Banken nur den betrieblichen Klimaschutz thematisiert", sagt Guhr. Was fehlt, sind Angaben zum Kohlendioxidausstoß von Geschäftspartnern und Unternehmen, die Kredite erhalten oder in die investiert wird.

Dabei müsste Klimaschutz nach dem Paris-Gipfel für Geldinstitute eine größere Rolle spielen, findet Alexander El Alaoui von der Umweltorganisation Germanwatch. "Das Pariser Klimaabkommen fordert, die Finanzströme klimagerecht umzuschichten", sagt El Alaoui. Banken sollten grüne Anlagemöglichkeiten stärker voranbringen, klimaschädliche Investitionen begrenzen und Auskunft über die Risiken von fossilen Investitionen geben. 

BildMit Klimaschutz können die meisten Banken nicht allzu viel anfangen. (Foto: Jami/Pixabay)

Damit könnten Banken nach Ansicht von Facing-Finance-Vorstand Küchenmeister eine zentrale Rolle bei der Transformation zu einer nachhaltigeren Gesellschaft spielen. Dafür müssten sie aber soziale und ökologische Kriterien zur Grundlage ihrer Geschäftsmodelle machen. Die Politik solle sich für mehr Regulierung und Mindeststandards einsetzen. "Wir wissen aber auch, dass das Interesse an einer nachhaltigen Finanzwirtschaft gegenwärtig nicht besonders ausgeprägt ist", sagt Küchenmeister. Er hofft, dass das Portal nun etwas Bewegung in die Debatte bringt.

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