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Smartphone statt Umweltschutz

Klamotten, Mobiltelefone, Freunde – das sind die Dinge, für die sich junge Leute interessieren. Um Umweltschutz geht es ihnen allenfalls am Rande. Eines allerdings findet auch das Umweltbundesamt gut: Jugendliche sind eher bereit zu teilen – darauf könne man aufbauen.

Von Sandra Kirchner

Umwelt und Natur spielen nur noch eine geringe Rolle im Leben junger Menschen. Das geht aus einer Studie zum Umweltbewusstsein bei Jugendlichen im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) hervor. Demnach ist das Interesse an Umweltschutz bei Jugendlichen geringer ausgeprägt als bei früheren Generationen. 

BildTypisch Teenager: Die eigenen Bedürfnisse stehen im Vordergrund. (Foto: Jesus Solana/Wikimedia Commons)

Während fast jeder dritte Deutsche eine intakte Natur genießen will, ist das nur bei jedem fünften Jugendlichen zwischen 14 und 25 der Fall. "Es ist ein wunder Punkt, dass die Ökologie selten Priorität bei den Jugendlichen hat", sagt die Psychologin Angelika Gellrich vom UBA, die an der Studie mitgewirkt hat, im Gespräch mit klimaretter.info. Man wolle aber nicht die negativen Seiten, sondern die Potenziale sehen.

Demnach ist die Bereitschaft, vorhandene Konsumgüter zu tauschen, auszuleihen oder zu reparieren, unter Teenagern größer. "Jugendliche sind Digital Natives. Das Vernetzen und das Teilen von Angeboten ist ein großer Trend", sagt Gellrich. Zwar steht Umweltschutz nicht im Vordergrund, wenn junge Leute Dinge miteinander tauschen. Dennoch könne das Teilen von Waren die Umwelt entlasten, betont die Psychologin.

Unter Erfolgsdruck

Warum ist das Interesse am Umweltschutz weniger stark ausgeprägt? Auch darauf gibt die UBA-Studie eine Antwort: Junge Menschen stünden stärker unter Druck, müssten sich in der Schule und im Beruf täglich beweisen. Wichtiger seien ihnen Freunde und Familie, der Wunsch nach Selbstentfaltung und ein hoher Lebensstandard.

"Die Ergebnisse der UBA-Umfrage lassen aufhorchen. Sie zeigen, dass Umweltbewusstsein kein Selbstläufer ist, vor allem nicht bei den jungen Generationen", sagt Eva Bulling-Schröter, Klima- und Energieexpertin der Linksfraktion im Bundestag. Das Thema müsse auf die Lehrpläne. Auch die befragten Jugendlichen selbst halten nicht viel vom angebotenen Unterricht und stellen den Schulen ein schlechtes Zeugnis in puncto Umweltbildung aus. Naturschutz kommt nach Meinung der Jugendlichen zu wenig im Unterricht vor. Auch über Massenmedien und Internet erreichen Umweltthemen die Jugendlichen nur stellenweise, befindet die Studie. Und wenn, dann als dramatische Dokumentation oder in Form von Nachrichten über Umweltkatastrophen.

Das passt dann auch gut zu den Zukunftsängsten der Jugendlichen. "Junge Leute wissen, dass künftige Generationen stärker vom Klimawandel betroffen sein werden. Das ist bei denen angekommen", sagt Gellrich. Zugleich empfinden sie Umwelt- und Klimaschutz als wichtige, aber schwer zu bewältigende Aufgabe, die sie selbst nicht lösen können. Stattdessen müsse die Politik bessere Rahmenbedingungen setzen, so die Schlussfolgerung der Jugendlichen.

Kluft zwischen Wissen und Verhalten

Diese Wahrnehmung zeigt sich auch im Konsumverhalten: Einerseits wissen junge Leute um die Folgen ihrer Konsumgewohnheiten. Vor allem Unterhaltungselektronik und Markenkleidung stehen bei Teenagern hoch im Kurs – obschon ein hoher Ressourcen- und Energieverbrauch damit einhergeht. Doch auf diese Waren verzichten mag dennoch kaum ein Jugendlicher.

BildUnter Teenagern hat das Smartphone Priorität – Umweltschutz allerdings nicht. (Foto: Eric Bailey/Pexels)

Wenn es um die Wahl der Verkehrsmittel geht, ist das Umweltverhalten junger Leute hingegen vorbildlich. Sie nutzen stärker den öffentlichen Nahverkehr, fahren mehr Rad und gehen häufiger zu Fuß als der Bevölkerungsdurchschnitt – wohl auch, weil sie sich noch kein eigenes Auto leisten können. "Die geringere Autonutzung ist zum Teil ein Phänomen der Lebensweise", gibt auch UBA-Psychologin Gellrich zu bedenken. Dennoch sei eine gewisse Werteveränderung bemerkbar – ein eigenes Auto besitzt weniger Stellenwert.

[Erklärung]  
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