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Elektrogeräte: Schluss nach fünf Jahren

Die Qualität vieler Elektrogeräte lässt zu wünschen übrig: Das Umweltbundesamt hat herausgefunden, dass vor allem große Haushaltsgeräte immer schneller kaputtgehen. Aber auch andere technische Hilfsmittel haben nur eine kurze Lebensdauer. Nun will das Amt prüfen, ob die Hersteller absichtlich pfuschen.

Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Der Verdacht hat es in sich: Die Hersteller von Elektro- und Elektronikprodukten verkürzen die Lebensdauer von Produkten gezielt, um ihren Absatz und den Profit zu erhöhen. Eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt nun ein differenziertes Bild. Produkte wie Fernsehgeräte, Waschmaschinen oder Kühlschränke werden von den Erstkäufern zwar zum Teil deutlich kürzer genutzt als früher. Doch oft – gerade beim Flachbild-TV – liegt das weniger an der miesen Qualität, sondern an den Kunden, die schneller als früher ein neues, moderneres, größeres Modell haben wollen. Interessant: Bei Laptops, eigentlich Sinnbild für "schnell drehende" Elektronik, ist die Erstnutzungsdauer in den letzten Jahren gleich geblieben.

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Lifestyle-Produkte werden gern verfrüht ausgetauscht, sobald technische Neuerungen auf dem Markt sind. Anders sieht es mit Haushaltsgroßgeräten aus: Die gehen einfach schnell kaputt. (Foto: Nicolas Nova/Flickr)

Das Problem wird in der Öffentlichkeit heftig diskutiert, und es gibt auch ein Fachwort dafür: geplante Obsoleszenz. In Frankreich will die Regierung per Gesetz gegen die verkürzte Lebensdauer und Nicht-Reparierbarkeit von Produkten vorgehen. Auch hierzulande fordern Umweltschützer entsprechende Maßnahmen. So haben die deutschen Umweltverbände zusammen mit dem Verein "Murks – nein danke" eine Allianz gegründet, die eine öffentliche Debatte über schnell kaputtgehende Produkte anschieben will.

Dass Geräte wie Smartphones und Tablets eine kurze Lebensdauer haben, weiß jeder. Auch gibt es hanebüchene Beispiele für Fehlkonstruktionen, die Geräten vorschnell den Garaus machen. So werden Kondensatoren in Fernseher oder PC oft frühzeitig defekt, weil sie zu nahe an die Wärme abgebenden Bauteile der Platine montiert werden.

Datenlage ungenügend

Verlässliche Daten darüber, ob und wie stark die Nutzungsdauer sinkt, gab es bisher jedoch nicht. Das UBA beauftragte daher Experten des Öko-Instituts Freiburg und der Universität Bonn mit einer Untersuchung, um für ausgewählte Elektro- und Elektronikgeräte belastbare Belege zu ihrer Lebens- und Nutzungsdauer zu erhalten. Die Forscher analysierten in einer ersten Teilstudie Daten von Haushaltsgroß- und -kleingeräten und von Geräten aus der Unterhaltungselektronik und der Informations- und Kommunikationstechnologie im Zeitraum von 2004 bis 2012.

Harte Belege für finstere Absichten der Hersteller hat das UBA dabei – bisher – nicht gefunden: "Nach der ersten Halbzeit der Studie lassen sich noch keine Belege für gezielt eingebaute Schwachstellen in Produkten liefern." Allerdings soll sich erst jetzt im zweiten Teil der Untersuchung eine systematische Analyse der Ursachen der Geräteausfälle und -defekte anschließen.

Die Ergebnisse zu den Produktgruppen im Einzelnen:

  • Flachbildfernseher: Die Verbraucher sind heute schneller bereit, noch funktionierende Flachbildfernseher gegen technische Neuheiten auszutauschen. So wurden im Jahr 2012 über 60 Prozent der noch intakten Flachbild-Geräte durch ein noch besseres Gerät ersetzt. Nur ein Viertel der Nutzer tauschte das Gerät wegen Defekten aus. Bei einem Neukauf war das ersetzte Gerät im Jahr 2012 im Durchschnitt nur 5,6 Jahre alt. Zum Vergleich: Die durchschnittliche "Erst-Nutzungsdauer“ von Röhrenfernsehern lag in der Zeit von 2005 bis 2012 zwischen zehn und rund zwölf Jahren.
  • Kühlschrank und Co: Bei Haushaltsgroßgeräten wie Kühlschränken, Waschmaschinen und Wäschetrocknern hat sich die Erst-Nutzungsdauer zwischen 2004 und 2012 um ein Jahr auf durchschnittlich 13 Jahre verkürzt. Bei einem Drittel der Ersatzkäufe war das Gerät laut UBA noch funktionstüchtig und der Wunsch nach einem besseren Gerät kaufentscheidend. Für mehr als die Hälfte aller Ersatzkäufe waren technische Defekte ausschlaggebend (2004: 58 Prozent; 2012/2013: 56 Prozent). Die Qualität der Produkte nahm offenbar ab: Der Anteil der Geräte, die aufgrund eines Defekts schon innerhalb von fünf Jahren ersetzt werden mussten, ist zwischen 2004 und 2012 von 3,5 Prozent auf acht Prozent "auffallend stark gestiegen". Ob das die Folge von geplanter Obsoleszenz ist, blieb offen.
  • Notebooks: Bei den tragbaren Computern blieb die "Erst-Nutzungsdauer" fast annähernd gleich; sie liegt im Durchschnitt bei fünf bis sechs Jahren. Die Gründe für einen Austausch haben sich laut UBA aber verändert: Wurden 2004 noch 70 Prozent der funktionsfähigen Geräte wegen technischer Neuheiten und dem Wunsch nach einem besseren Gerät ausgetauscht, war dies 2012/2013 nur noch bei rund einem Viertel der Fälle so. Bei einem weiteren Viertel waren 2012 technische Defekte entscheidend für den Neukauf.

Der Zwischenbericht basiert vorwiegend auf Ergebnissen von repräsentativen Verbraucherbefragungen der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Nicht erhoben wurde dabei eine mögliche Zweitnutzung, also die Weiternutzung noch funktionsfähiger Geräte im eigenen Haushalt (etwa, wenn der Fernseher vom Wohn- ins Kinderzimmer wandert) oder in anderen Haushalten (etwa, wenn das TV bei Kleinanzeigen vertickt wird).

Es gibt Mittel gegen Murks

Auch die Wiederverwendung nach einer Reparatur ist nicht untersucht werden. Rainer Grießhammer, Geschäftsführer des Öko-Instituts, kommentierte die Ergebnisse so: "Heute werden mehr Elektro- und Elektronikgeräte ersetzt, obwohl sie noch gut funktionieren. Häufig sind Technologiesprünge wie bei Fernsehgeräten ein Auslöser." Auf der anderen Seite sei festzustellen, dass der Anteil der Haushaltsgroßgeräte angestiegen ist, "die nicht mal fünf Jahre durchhalten".

Nach Abschluss der Gesamtstudie Ende des Jahres will das UBA Empfehlungen für Hersteller, Verbraucher und den Gesetzgeber ableiten. "Wir haben heute schon Möglichkeiten, die Mindestlebensdauer von Geräten abzusichern und die Informationen für Verbraucher zu verbessern, zum Beispiel unter der Ökodesign-Richtlinie oder in den Vorgaben für Produkte mit dem Umweltzeichen 'Blauer Engel'", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Es müsse nun geprüft werden, wie die Mindestlebensdauer der Geräte ausgeweitet und dies am Ende auch überwacht werden kann.

Die Grünen werten die UBA-Studie als Beleg für eine "Wegwerfkultur", die "zu einer immer größeren Verschwendung von Rohstoffen" führe. Sie fordern von der Bundesregierung, das Gewährleistungsrecht zu überarbeiten, um diesen Trend aufzuhalten. "Wir wollen, dass die Lebensdauer von Produkten wieder verlängert wird", heißt es in einer Stellungnahme. "Der Ressourcenverbrauch muss durch eine bessere Reparaturfähigkeit, Sammlung, Weiterverwendung und das Recycling von Produkten verringert werden."

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Smartphones und Tablets haben eine besonders kurze Lebensdauer – Symptome einer "Wegwerfkultur", bemängeln die Grünen. (Foto: Startupstockphotos/Pixabay)

Als weiteren Hebel sehen die Grünen das neue Wertstoff- und das Elektrogesetz, das derzeit überarbeitet wird. Hier müssten Lösungen gefunden werden, die schon beim Produktdesign ansetzen, fordern sie. Zudem sollten Ersatzteile entsprechend einer großzügig geplanten Lebensdauer bereitgestellt werden, sodass Geräte bei Defekten auch repariert werden können. Akkus und Batterien müssten auswechselbar sein.

[Erklärung]  
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