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Erster Erfolg gegen versteckte Tiere

Nach Protesten von Verbraucherschützern haben zwei Lebensmittelkonzerne reagiert: Bei einem Quark und einem Saft verzichten sie auf bestimmte Produkte vom Tier. Die Organisation Foodwatch fordert ein Gesetz zum rechtlichen Schutz der Begriffe "vegetarisch" und "vegan". Doch Agarministerin Aigner will keinen nationalen Alleingang.

Von Fabian Welters

Manchmal ist die Industrie doch schneller als der Gesetzgeber: Nach Protesten von Tierfreunden und Verbraucherschützern haben zwei Lebensmittelhersteller ihre Produktion umgestellt und verzichten nun teilweise auf Inhalts- und Hilfsstoffe vom Tier. Bei der Herstellung des Multivitaminsafts "Hohes C" wird nun keine Fisch-Gelatine mehr verwendet, und auch der "Frühlingsquark leicht" von Milram kommt inzwischen ohne Gelatine aus, wie die Organisation Foodwatch mitteilt.

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Wird für mehr Produkte benutzt, als man denken würde, und wird definitiv aus tierischen Produkten hergestellt: Gelatine. (Foto: Danielle dk/Wikimedia Commons)

Bei zahlreichen anderen Produkten wie Säften oder Chips wird aber nach Foodwatch-Angaben munter weitergetäuscht: Obwohl zur Herstellung tierische Produkte genutzt werden, ist davon auf den Verpackungen nichts zu lesen, teilweise werden die Lebensmittel gar als "vegetarisch" oder "vegan" beworben. Die Verbraucherorganisation fordert daher einen gesetzlichen Schutz dieser beiden Begriffe und zudem eine Kennzeichnungspflicht für tierische Hilfsstoffe – damit, so Foodwatch, Transparenz und Wahlfreiheit gegeben sind.

Fleisch, Milch und Co. herzustellen ist viel klimaschädlicher als eine gleich große Menge Pflanzen anzubauen

Dass viele Nahrungsmittel mit tierischen Hilfsstoffen hergestellt werden, ist den meisten Konsumenten nicht bewusst. Säfte werden beispielsweise oft mit Gelatine geklärt, Chips können Aromen vom Tier enthalten. Am Supermarktregal ist das für Vegetarier in der Regel nicht zu erkennen. Neben Tierschutzerwägungen gibt es weitere Gründe, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. So verursacht die Herstellung von Fleisch, Milch und Co. deutlich mehr Treibhausgase als der Anbau einer gleich großen Menge an Pflanzen.

Foodwatch hat zusammen mit dem Vegetarierbund Deutschland und der Veganen Gesellschaft Deutschland eine Unterschriftenaktion zur Kennzeichnung tierischer Bestandteile und Hilfsstoffe gestartet. Mehr als 70.000 Menschen haben bereits eine E-Mail an Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) geschrieben. Getan hat sich jedoch nichts.

Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte, die Kennzeichnung von vegetarischen Produkten ergebe wegen des europäischen Binnenmarktes vor allem auf EU-Ebene Sinn. Das Europaparlament habe die EU-Kommission auch bereits aufgefordert, Kriterien zu erarbeiten. Ein nationaler Alleingang sei hingegen wenig sinnvoll. Das sieht Foodwatch anders. Die Organisation hat ein Gutachten veröffentlicht, laut dem eine Kennzeichnung in Deutschland auch rechtlich möglich ist.

Bislang müssen zwar alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung angegeben werden, nicht jedoch sogenannte technische Hilfsstoffe, die zur Produktion verwendet werden. Außerdem ist vielen Verbrauchern nicht bewusst, dass Gelatine vom Tier kommt. Foodwatch fordert, dass für alle tierischen Inhalts- und Hilfsstoffe angegeben wird, von welchem Tier sie stammen.

Wenn sich Werbung an "Freunde veganer Schokolade" wendet, diese aber Laktose-Rückstände enthält

Offensichtliche Verbrauchertäuschung ist schon heute verboten, deswegen darf auch ein gebratenes Hähnchen nicht als vegetarisch beworben werden. Schwierig wird es bei Grenzfällen wie tierischer Gelatine oder Rückständen, die sich in manchen Produkten finden. So wird beispielsweise die Marzipan-Schokolade von Ritter Sport auf den gleichen Maschinen hergestellt wie andere Schokoladensorten mit Milchbestandteilen.

Ritter Sport selbst erklärt das auf der Firmenwebsite wie folgt: "Auch nach sorgfältiger Reinigung der Anlagen bei einem Sortenwechsel können daher unbeabsichtigt Spuren von Laktose in die nachfolgende Schokomasse eingetragen werden. Daher geben wir auf der Verpackung der milchfreien Sorten nicht den Hinweis 'laktosefrei' oder 'vegan' an, auch wenn wir in unserer Ritter Sport Marzipan keine Milchbestandteile als Zutaten einsetzen."

Das Unternehmen hat die Schokolade daher auch noch nie direkt als "vegan" bezeichnet, jedoch hat sich die Firma in der Werbung an die "Freunde veganer Schokolade" gewandt. Das hat Ritter Sport nun nach Angaben von Foodwatch auch beendet.

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Alles bloß Kartoffeln? I wo, da können auch Aromen vom Tier drin sein. (Foto: Rainer Zenz/Wikimedia Commons)

Die Verbraucherorganisation will "Verunreinigungen" wie bei Ritter Sport zum Ausschlusskriterium für ein Vegan-Siegel machen: "Wird ein Produkt ausdrücklich als 'vegan' oder 'vegetarisch' ausgelobt oder beworben, muss der Hersteller auch jegliche Kreuzkontamination ausschließen können." Damit dürften wohl viele Produkte, die im Prinzip ohne tierische Produkte hergestellt sind, nicht mehr als solche sichtbar sein.

Anmerkung: In einer ersten Version des Textes hieß es, dass beim Saft und beim Quark "auf Produkte vom Tier" verzichtet werde. Das wurde nachträglich präzisiert: Beim Quark wird natürlich nicht auf sämtliche Produkte vom Tier verzichtet. Jetzt heißt es, dass "auf bestimmte Produkte vom Tier" verzichtet wird.

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