Klimaforum: Zivilgesellschaft in Bonn
Parallel zu den Klimaverhandlungen in Bonn fand das von BUND und ATTAC organisierte Klimaforum statt. Doch die UN-Klimapolitik spielte eher eine untergeordnete Rolle – Wachstumskritik und die Frage nach einem glücklicheren Leben mit geringerem Ressourcenverbrauch dominierten die Debatten
Aus Bonn HANNO BÖCK
Sie sind fester Bestandteil praktisch aller großen internationalen Regierungskonferenzen – Alternativveranstaltungen von NGOs, auf denen die Zivilgesellschaft diskutiert und zu Wort kommt. In Anlehnung an das Klimaforum in Kopenhagen 2009 organisierten BUND und ATTAC auch diesmal parallel zu den UNFCCC-Verhandlungen einen Kongress, um die Klimaverhandlungen zu begleiten.

Auftaktpanel des Klimaforums. (Foto: Böck)
Den Auftakt bildete am Donnerstag eine Diskussion mit dem bolivianischen Botschafter Pablo Solon, der das Zustandekommen des Copenhagen-Accord als undemokratisches Handeln einiger weniger Staaten scharf kritisierte. Die USA hätten Staaten, die den Accord nicht unterzeichnet haben, die Entwicklungshilfe gestrichen – darunter Equador und Bolivien – aber man verzichte gerne auf dieses Geld.
Im weiteren Programm des von über 200 Menschen besuchten Klimaforums am Freitag spielte der UN-Prozess allerdings nur eine geringe Rolle - die Enttäuschung über das Scheitern von Kopenhagen schlug sich dahingehend im Programm nieder. Neben dem Kampf gegen Kohlekraftwerke befassten sich viele Workshops mit Fragen der Ernährung: Globale Landwirtschaft, Massentierhaltung, Ernährungssouveränität - das Mittagessen war entsprechend klimafreundlich vegan.

Klimaforum im Rheinischen Landesmuseum. (Foto: Böck)
Bereits das Auftaktpanel befasste sich mit der Frage des Wirtschaftswachstums. Die ehemalige BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt forderte, das Wachstum als Ursache der Klimaveränderung in den Fokus zu nehmen. Es reiche nicht, lediglich ein grüneres, nachhaltiges Wachstum zu fordern. Allerdings gesteht sie auch ein: "Ein Konzept, wie eine Post-Wachstums-Gesellschaft aussehen soll, existiert bislang nicht."
Ein viel diskutiertes Thema waren jüngere Ergebnisse der Glücksforschung – es wurden aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert, die nahe legen, dass materieller Wohlstand und Konsum ab einem bestimmten Punkt nicht mehr zu höherem Wohlbefinden führt. Weiterhin sei soziale Gerechtigkeit wichtig für eine glücklichere Gesellschaft. Der Wunsch nach mehr Zeit und einem besseren Leben könne auch Perspektiven für eine Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum und mit geringerem Ressourcenverbrauch bieten.
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