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Energieeffizienz und die begrabenen Hunde des Emissionsexports

Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens EWE in Oldenburg.

BRINKERS WOCHE

Die Bundesregierung hat gerade beschlossen, die EU-Richtlinie zur Energieeffizienz in wesentlichen Punkten zu blockieren. Wirtschaftsminister Rösler hatte zuvor die geplanten verbindlichen Einsparziele als "Planwirtschaft" verspottet - wie hätten Sie für Ihr Unternehmen eine Verpflichtung gefunden, durch Energiesparangebote für Ihre Kunden den Stromabsatz jährlich um 1,5 Prozent zu senken?

Wenn wir die Energiewende schaffen und Klimaziele einhalten wollen, führt kein Weg an einer deutlichen Senkung des Stromverbrauchs vorbei. Dabei ist jeder gefragt: Stromanbieter müssen ihren Kunden Stellhebel aufzeigen und Anreize setzen, zu sparen; doch Haushalte und Industrie müssen ebenfalls bereit sein, sich intensiver mit Energie auseinanderzusetzen und die Möglichkeiten – von effizienteren Geräten bis zu bewussterem Verhalten – auch nutzen.

Energieanbieter in die Pflicht zu nehmen, dass ihre Kunden Strom sparen müssen, zäumt das Pferd von der falschen Seite auf: Wir können unsere Kunden aufklären und Produkte anbieten, die den Verbrauch transparent machen und Einsparungen honorieren. Dazu kann man Energieversorger theoretisch verpflichten – wobei sich die Frage stellt, wie ohne überbordende Bürokratie die Qualität und Verfügbarkeit solcher Angebote überprüft werden soll. Eingespart wird die Energie jedoch am Ende bei den Kunden – ein Versorger kann sie dazu nicht zwingen. Ohnehin bewirkt Zwang meines Erachtens stets weniger als Anreize: Energiesparen muss sich lohnen. Denkbar wäre zum Beispiel ein Emissionshandel für private Haushalte. Für Erdgaskunden bieten wir das mit unserer CO2-Prämie (http://www.ewe.de/privatkunden/CO2_Praemie.php) bereits an – anerkannt durch die deutsche Emissionshandelsstelle verdienen sie Geld mit jeder Tonne CO2, die sie durch mehr Effizienz und weniger Verbrauch einsparen.

Welche Erwartungen haben Sie an die UN-Weltklimakonferenz in Durban?

Leider sind meine Erwartungen recht niedrig: Die Widerstände gegen verbindliche Einsparziele machen wenig Hoffnung, dass am Ende das Abkommen steht, das wir dringend brauchen. Denn nur mit klaren Verpflichtungen für jedes Land kommt der Klimaschutz voran. Und das muss er dringend: 2010 war trotz aller erklärten Absichten das Jahr mit den höchsten Kohlendioxid-Emissionen, die je gemessen wurden. Wenn der Chefökonom der Internationale Energieagentur öffentlich äußert, dass er das Zwei-Grad-Ziel für nicht mehr erreichbar hält, muss das ein lautes und deutliches Alarmsignal an Politik, Wirtschaft und Haushalte senden: Wir können uns kein Zögern und keine Pleiten und Pannen mehr leisten. Wider die schlechten Vorzeichen hoffe ich daher darauf, dass die politische, ökologische und wirtschaftliche Vernunft über Partikularinteressen siegen wird und am Ende von Durban doch noch ein robustes Ergebnis steht.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Eine Studie des ifo-Instituts hat offengelegt, wie stark die Globalisierung bei der Erstellung von Klimabilanzen ignoriert wird. Die Ziele zur Emissionssenkung werden je Land festgelegt. Dabei betrachtet man aber nur die Emissionen, die in diesem Land direkt entstehen – und nicht diejenigen, die durch Investitionen und sonstige Aktivitäten eines Landes an anderen Orten der Welt entstehen. Hier jedoch liegt der Hund begraben: Im Zuge der Globalisierung werden immer mehr emissionsintensive Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse in andere Länder verlagert – sehr häufig in Länder, die das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet und sich so auch nicht zur Emissionseinsparung verpflichtet haben. Alleine in Deutschland hat sich der Anteil der so "ausgelagerten" Emissionen seit 2002 mehr als vervierfacht. Die ifo-Forscher zeigen auf, dass sich der CO2-Ausstoß der Industrieländer praktisch nicht verändert hat, wenn man diese Globalisierungseffekte einbezieht. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, wie dringend wir ein wirklich weltweites Abkommen brauchen. Andernfalls bliebe nur einzelnen Akteuren wie der EU, im Alleingang den Emissionshandel auf importierte Produkte auszuweiten – wobei man aber über die Höhe der in den nicht-Kyoto-Staaten tatsächlich angefallenen Emissionen nur spekulieren könnte.

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