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Absurdes Wirtschaftssystem, Durban und feilschende Netzbetreiber

 

 

Jede Woche neu: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und ausgezeichnet als Greentech Manager des Jahres 2009.  - Diesmal krankheitsbedingt ausnahmsweise mit etwas Verspätung.

 WILLENBACHERS WOCHE

Herr Willenbacher, jetzt sind es nur noch ein paar Tage bis zur Klimakonferenz. Schauen Sie eigentlich hin, wenn in den Nachrichten über Durban berichtet wird? Oder erhoffen Sie sich nichts mehr von den Dauer-Tagungen ohne wirkungsvolle Beschlüsse?

Vor dem Hintergrund des weltweit steigenden Energiebedarfs und des leider immer noch ungebremsten Trends zu mehr Kohlendioxid-Ausstoß wird doch eines immer wieder deutlich: Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss weltweit dringend beschleunigt werden. Ob dafür nun ausgerechnet die unzähligen Klimakonferenzen wie jetzt wieder im südafrikanischen Durban die Weichen stellen, darf angesichts der weitgehend verschenkten Jahre seit der Auftaktveranstaltung in Rio de Janeiro im Jahr 1992 bezweifelt werden.

Umso wichtiger ist es, dass starke Impulse auf lokaler Ebene gesetzt werden: von engagierten Bürgern, Bürgermeistern und Unternehmern, um nur einige Akteure zu nennen. Glücklicherweise ist dieses Engagement auch in Deutschland erkennbar, wenngleich manches Signal der Bundesregierung - Stichwort: Begrenzung des Ausbaus der Photovoltaik - recht irritierend ist. Ich schaue eher nach Berlin als nach Durban, vor allem aber schaue ich mit Begeisterung dorthin, wo gehandelt wird - beispielsweise nach Morbach im Hunsrück und Wörrstadt in Rheinhessen.

Der Netzbetreiber Tennet klagte in der vergangenen Woche, nicht genügend Geld für den Ausbau der Netze zur Offshore-Anbindung zur Verfügung haben. Ist das Feilschen für mehr Subventionen oder eine berechtigte Klage?

Das ist sicherlich ein Feilschen für Subventionen. Und dieses Beispiel zeigt wieder einmal wie teuer Offshore-Windparks uns Verbraucher zu stehen kommen. Und das völlig grundlos. Denn bei einem konsequent dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien und insbesondere der Windkraft, könnten wir auf den teuren Bau von Stromtrassen im Meer und Überlandleitungen verzichten. Schon heute zahlt der Verbraucher durch die Offshore-Windparks deutlich drauf. Nach der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz wird der Strom aus Offshore-Anlagen, die im nächsten Jahr in Betrieb gehen, in den ersten zwölf Jahren mit satten 15 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Die Anfangsvergütung bei Windkraft an Land beträgt 2012 dagegen rund neun Cent und wird nur die ersten fünf Jahre ausbezahlt.

Jeder neue Windpark auf See wird die Kosten der Energiewende in die Höhe treiben! Bei einem dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien werden zudem die Menschen vor Ort ins Boot geholt; durch Beteiligungsmöglichkeiten, Pachteinnahmen für Gemeinden oder Arbeitsplätze vor Ort. Bleibt zu hoffen, dass das auch bei der Politik ankommt!

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Überrascht hat mich in dieser Woche, dass immer noch mehr Geld in die fossilen Brennstoffe gesteckt wird. Dabei müssten doch längst alle wissen, das nur mit erneuerbaren Energien das Klima - und damit die Menschheit - gerettet werden kann. Trotz dieser Erkenntnis wurden allein im vergangen Jahr die fossilen Energieträger - also Kohle, Erdgas und Öl - und der aus ihnen gewonnene Strom mit 409 Milliarden US-Dollar subventioniert. Laut OECD wendet allein China über 12 Milliarden US-Dollar auf, um den Preis von aus fossilen Brennstoffen erzeugtem Strom künstlich niedrig zu halten. In den USA wiederum wird nicht nur der Verbrauch von Öl und Gas mit niedrigen Steuersätzen angeheizt. Die dortige Ölindustrie kann auch einen Großteil ihrer Kosten durch großzügige Abschreibungsregeln dem Steuerzahler aufbürden.

Nicht nur für Achim Steiner, den Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, ist das "eine Absurdität unseres Wirtschaftssystems". Zumal die staatlichen Hilfen für den Ausbau der erneuerbaren Energien weltweit gerade mal 66 Milliarden US-Dollar im Jahr betragen und nach Überzeugung der Internationalen Energie Agentur (IEA) bis 2035 auf 250 Milliarden Dollar ansteigen müssten, um die Erneuerbaren konkurrenzfähig zu machen.


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