Tepco, Prototypen und die Klimakonferenz
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking Vorstand für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.
LÜCKINGS WOCHE

Gero Lücking: Eine solche Entscheidung käme derzeit in Deutschland zu früh. Den deutschen Autoherstellern – so unsere Einschätzung – geht Qualität in der Entwicklung und im Produkt vor Schnelligkeit. Deshalb haben sie noch keine alltagstauglichen E-Fahrzeuge im Angebot. Bisher sind nur Prototypen im Einsatz, die unverhältnismäßig teuer sind. Diese Entwicklungsstrategie kostet Zeit, die auch durch eine Großbestellung zum jetzigen Zeitpunkt nicht maßgeblich verkürzt werden könnte. Die Bundesregierung sollte dann Fahrzeuge im großen Stil bestellen, wenn Fahrzeuge deutscher Hersteller verfügbar sind.
Um Umweltvorteile gegenüber effizienten Dieselfahrzeugen erreichen zu können, bedarf es zudem glaubwürdiger Konzepte und Geschäftsmodelle, die die E-Fahrzeuge so in den Strommarkt integrieren, dass sie regenerativ betankt und zudem die Batterien nicht nur zur Mobilität sondern auch zum Last- und Netzmanagement intelligent genutzt werden.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine Werbekampagne gestartet, die Akzeptanz auch für Kohlekraftwerke schaffen soll. Haben die sie noch alle?
Ich habe von dieser Kampagne noch nichts mitbekommen, das heißt sie scheint ihre Zielgruppen nicht zu erreichen. Bei einer falschen Werbebotschaft ist das also eine gute Nachricht. Aber in der Tat fragt man sich aber, ob denen nichts Besseres einfällt. Wie hieß gleich nochmal der Wirtschaftsminister?

Diese Woche startete eine unabhängige Schlichtungsstelle für Streitfälle zwischen Energieversorgern und Kunden? Wie oft kommt es zu solchen Konflikten? Und warum gab es solche eine Schlichtungsstelle nicht längst?
Da LichtBlick das Strom- und Gasunternehmen mit den zufriedensten Kunden ist, können wir davon ausgehen, dass wir und unsere Kunden die Schlichtungsstelle nicht oft werden kontaktieren müssen. Gerade letzte Woche hat Focus Money LichtBlick als StromFAIRsorger ausgezeichnet. Bei keinem Versorger klappt der Kundenwechsel so reibungslos und kundenfreundlich wie bei uns.
Die Schlichtungsstelle ist für die Kunden, die bei den Billigstrom- und -gasanbietern wie TelDaFax Schiffbruch erleiden. Sowohl weil der Wechsel nicht klappt als auch weil Abrechnungen unverständlich, intransparent und mangelhaft sind und gezahlte Kautionen nicht zurückerstattet werden.
Mit der Schlichtungsstelle macht man im Strom- und Gasmarkt das, was es für Versicherungen, den Nah- und Fernverkehr, den Reisemarkt etc. schon lange gibt. Auch diese Maßnahme geht wiederum auf die EU zurück, die nach wie vor Motor der Liberalisierung der Energiemärkte ist und dabei die Verbraucher nie aus den Augen verliert. Eine weitere Vorgabe der EU im Interesse der Verbraucher ist, dass der Anbieterwechsel jetzt nur noch drei (statt bisher vier) Wochen in Anspruch nehmen soll. Auch dies wird jetzt in Deutschland umgesetzt - übrigens gegenüber der Vorgabe der EU mit mehr als einem Jahr Verzögerung.
Ende des Monats startet in Durban der diesjährige UN-Klimagipfel. Was erwarten Sie von der Veranstaltung?
Angesichts der internationalen Schulden-, Währungs- und Finanzmarktprobleme scheint der Klimagipfel nicht nur medial unter zu gehen. Die Regierungen beschäftigen sich mit anderen Themen als dem Klimawandel. Vielleicht ist das die Chance, auf der Arbeitsebene in der Sache konstruktiv und fernab von politischen Schaukämpfen ein paar Schritte weiter zu kommen. Allerdings wird ohne öffentlichen Druck auch nichts passieren.
Der internationale Klimaschutz ist mittel- und langfristig jedenfalls das deutlich wichtigste Thema im Vergleich zu dem, was derzeit Politik und Medien beschäftigt. Traurig eigentlich, dass es so ist wie es ist, insbesondere wenn man sich vor Augen führt, welchen Energiehunger sieben Milliarden Menschen haben werden.
Und was war ihre Überraschung der Woche?
Die Widersprüchlichkeit der Meldungen zur Atompolitik ist immer wieder überraschend. Japan forciert international die Gespräche, um japanische Atomtechnologie zu exportieren. Des Weiteren hat Tepco die Situation in Fukushima nach wie vor nicht im Griff. Weit mehr radioaktives Material ist durch die Katastrophe entwichen, als bisher zugegeben. Tepco weiß nicht, was im inneren der havarierten Reaktoren passiert, weitere Kernschmelzen sind im Gang oder drohen. Das zeigt, dass noch immer keine kontinuierliche Kühlung der zerstörten Reaktoren aufgebaut werden konnte.
Weitere Meldungen: Belgien denkt über den Atomausstieg nach, Frankreich isoliert sich in der EU zusehends angesichts seiner Atompolitik, die Atomdiskussion wird in Frankreich Wahlkampfthema. Und am ersten Advent rollt ein weiterer Castortransport ins Wendland. Das Atomthema wird uns noch sehr lange in sehr widersprüchlicher Art und Weise beschäftigen.
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Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
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Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





Atomkatastrophe in Japan wird jetzt verstaatlicht
Zum Start 2012: BUND-Chef Hubert Weiger fordert von den Vereinten Nationen eine harte Linie wegen des Kyoto-Ausstiegs der Nordamerikaner. "Auch die Bundesregierung muss hier Druck machen", sagte Weiger im Gespräch mit klimaretter.info. Dies gehe nur durch eigene Vorbildlichkeit. Weiger fordert, den kompletten Atomausstieg auf 2012 oder 2013 vorzuziehen.
Fahrrad fahren und über den Atomausstieg diskutieren: Auf dem Evangelischen Kirchentag spielt die Energiewende eine große Rolle. Auch wenn die Ankündigungen der Bundesregierung zum Ende der Atomkraft die Emotionen ein wenig gedämpft haben.
Norwegen als Ausweg: Prof. Olav Hohmeyer vom Sachverständigenrat für Umweltfragen setzt auf die Anbindung des deutschen Stromnetzes an die Speicherkapazitäten in Norwegen. Der Bau des umstrittenen Pumpspeicherkraftwerks Atdorf im Schwarzwald wäre dann gar nicht mehr nötig, meint der Energieexperte im klimaretter.info-Gespräch.
Fukushima läutet die zweite industrielle Revolution ein: Mit Ausnahme der USA setzen die großen Industrieländer auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Damit kommt Bewegung in den Kampf gegen den Klimawandel.
Bürgerinitiative "Meine Stimme gegen Atomkraft" sammelt Unterschriften in allen 27 EU-Ländern
Etwa 300 Demonstranten fordern Atomausstieg auch für Urananreicherungsanlage in Westfalen
Der Atomausstieg soll jetzt doch stufenweise kommen. Jedes Atomkraftwerk erhält ein eigenes Abschaltdatum, ein AKW bleibt aber auf Reserve. Der Energiekonzern Vattenfall fordert Entschädigung.
Kalenderwoche 18: Die ganze EU-Agrarpolitik läuft schief, obwohl sie eine der Gründungsthemen und der höchste Ausgabenposten der europäischen Politik ist, sagt Michael Müller, ehemaliger parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium und Mit-Herausgeber von klimaretter.info.
Zuletzt bekannte sich am Freitag EnBW dazu, seine Atomkraftwerke Neckarwestheim I und Philippsburg 1 nicht wieder in Betrieb nehmen zu wollen
Die Abschaltung zahlreicher AKWs hat an der Strombörse kaum zu Preissteigerungen geführt. Auch die Preiserwartungen der Stromhändler bleiben moderat.
Linken-Politikerin: Energiekonzerne spekulieren darauf, Reaktoren wieder anzufahren
Kalenderwoche 16: Der Wankelmut der Politik gefährdet eine zügige Energiewende, sagt Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens EWE und Herausgeber von klimaretter.info.
Grundwasser um Fukushima nicht mit 10.000fach erhöhtem radioaktiven Jodwert
Zu Reststrommengen oder konkretem Ausstiegsdatum angeblich noch keine Entscheidung der Regierung



