Opel, Climate Engineering und Kurths Kassandrarufe
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens EWE in Oldenburg.
BRINKERS WOCHE
Opel macht derzeit groß Werbung für den in Kürze startenden Ampera. Sie bei EWE haben ja selbst Erfahrung mit der Entwicklung von Elektroautos. Was halten Sie vom Opel-Konzept eines Plug-in-Hybrids, also eines Hybridfahrzeug, das man zusätzlich an der Steckdose nachladen kann?
Einen Wagen, der mit dem Verbrennungsmotor als "Range Extender" auf eine über 100 Jahre alte Antriebstechnologie setzt, kann man kaum als Revolution bezeichnen.
Eine wichtige Evolution sind Plug-in Hybriden aber auf jeden Fall, weil sie eine Brücke schlagen von der fossilen zur Elektromobilität. Ausgiebige Feldtests mit dem EWE-Elektroauto E3 haben gezeigt, dass die Teilnehmer die Umweltfreundlichkeit, den Komfort und das fast lautlose Fahren sehr positiv bewerten, nach wie vor aber strombetriebenen Fahrzeugen skeptisch gegenüberstehen wegen der geringeren Reichweite und langen Ladezeiten.
Autos wie der Ampera nehmen diese Ängste durch die Verbindung mit einem Ottomotor und erleichtern damit den Umstieg: Die meisten Fahrten sind kürzer als 50 Kilometer und können rein elektrisch – und mit Ökostrom emissionsfrei – zurückgelegt werden. Der Fahrer hat dabei das beruhigende Wissen, er könnte mit dem konventionellen Antrieb auch lange Strecken bewältigen.
Noch sinnvoller wäre diese Brücke aber mit einem Erdgasantrieb, der gegenüber dem Benzinmotor des Ampera gut 20 Prozent der CO2-Emissionen spart und auch mit Biogas betrieben werden kann. Und für eine Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Quellen machen Elektroautos erst Sinn, wenn sie Strom nicht nur tanken, sondern in Zeiten, in denen die Batterieladung nicht benötigt wird, auch wieder einspeisen. Statt lediglich Verbraucher zu sein, können sie dann als rollende Stromspeicher eine wichtige Funktion für die Versorgungssicherheit übernehmen.
Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, hat vor einem Scheitern der Energiewende gewarnt, weil Bürgerproteste den Netzausbau behinderten. Wie sollten Energieversorger und -politiker skeptische Anwohner am besten vom Sinn neuer Leitungen überzeugen?
Wir haben dieses Problem nicht im selben Ausmaß wie viele andere Versorger, weil wir einen Großteil unserer Netze unterirdisch verlegt haben. Das ist aufwändiger, sorgt aber für mehr Sicherheit und Akzeptanz.
Doch auch wir wissen aus Erfahrung, dass der Ausbau von Infrastruktur – seien es Windparks oder Netze – oft langwierige, aufwändige Verhandlungen mit sich bringt. Aus meiner Sicht sind die Schlüssel zum Erfolg Aufklärung, Transparenz und Verlässlichkeit. Politik und Versorger müssen verständlich erklären, weshalb für die Energiewende – die ja rund neunzig Prozent der Deutschen wollen – ein Aus- und Umbau der Netze nötig ist. Es gilt, frühzeitig mit den Menschen vor Ort über Technologien und Trassenverläufe zu sprechen, Alternativen zu beleuchten und zu begründen, weshalb man die geplanten Lösungen für die besten erachtet. Und Planungen müssen langfristig absehbar sein.
Hier ist in erster Linie die Politik gefragt: Wenn Verfahren nachvollziehbar und schnell verlaufen, wenn Rahmenbedingungen auch über Jahrzehnte verlässlich bleiben, kann man den Bürgern frühzeitig darlegen, was die Energiewende für die Region bedeuten wird – an Chancen, aber eben auch an Belastungen. Denn eines ist klar: Energieerzeugung und -transport bringen immer einen Eingriff in Lebens- und Umwelt mit sich – auch wenn dieser bei erneuerbaren Energien deutlich geringer ausfällt. Wir alle, die wir Energie nutzen, müssen uns das bewusst machen. Eine wichtige Stellschraube, wie groß dieser Eingriff ausfällt, hat nämlich jeder selbst in der Hand: durch Effizienz und Energiebewusstsein den Verbrauch senken.
Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Ein alarmierendes Signal mit hoffentlich positiver Wirkung geht von der Studie "Gezielte Eingriffe in das Klima?" des Kieler Earth Institutes aus. Die interdisziplinäre Einrichtung hat die bisherigen Ansätze zum "Climate Engineering" beleuchtet – also die Versuche, Effekte des Klimawandels durch Manipulationen der Wetter- und Ökosysteme zurückzudrehen. Sie ist zu dem Schluss gelangt, dass keine der diskutierten Methoden aussichtsreich ist.
Das ist ein klarer Warnschuss: Der Klimawandel lässt sich, einmal in Fahrt, vermutlich nicht mehr bremsen. Damit konzentriert sich die Aufmerksamkeit von Politik und Wirtschaft hoffentlich wieder darauf, das Zwei-Grad-Ziel von vornherein nicht zu verfehlen. Die Stellhebel sind hinreichend bekannt: emissionsfreie Energieträger, weniger Verbrauch – und verbindliche internationale Abkommen. Um hier in Zeiten, in denen Finanzkrisen im Vordergrund stehen, nicht den Fokus zu verlieren, brauchen wir einen Ruck, wie ihn 2007 der IPCC-Report bewirkt hat. Die Studie könnte dazu beitragen.
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