Gute Standorte, das Helios-Projekt und 3,598 Cent
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und ausgezeichnet als Greentech Manager des Jahres 2009.
WILLENBACHERS WOCHE

Herr Willenbacher, in dieser Woche wurde die neue EEG-Umlage für das kommende Jahr bekannt gegeben. Derzeit zahlen Verbraucher pro Kilowattstunde 3,53 Cent zur Förderung von Ökostrom, 2010 waren es erst 2,05 Cent. Nun wurde es schon wieder mehr: Kritiker sagen, die Energiewende wird unbezahlbar. Brauchen wir andere Fördermodelle als das EEG?
Nein, aber wir müssen auch Gesetze wie das EEG kontinuierlich weiterentwickeln. Leider verschenkt die Bundesregierung bei der Förderung der erneuerbaren Energien ein sehr großes Einsparpotenzial. Eine Studie der Stiftung "100 % erneuerbar" hat ergeben, dass die Energiewende für die Verbraucher wesentlich preiswerter realisiert werden kann, als es die Bundesregierung derzeit plant. Das hängt mit dem gewünschten Ausbau der teureren Offshore-Windenergie zusammen: Würde die Regierung statt dessen auf gute Windenergiestandorte an Land sowie die Nutzung der Solarkraft setzen, käme das den Verbraucher glatt zehn Milliarden Euro billiger.
Das EEG hat sich in der Vergangenheit als äußerst erfolgreich erwiesen. Nicht zuletzt deshalb haben es mehr als 40 Länder der Welt als Vorbild für eigene Gesetzgebung genommen. Allein innerhalb der EU haben es 18 Staaten als Vorlage für nationale Energiegesetzte verwendet. Damit ist das EEG das wohl meistkopierte Energiegesetz der Welt.
Alles redet derzeit über Griechenland, auch die Solarbranche: Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat auf seiner Griechenland-Reise vorgeschlagen, dem angeschlagenen Land mit einer Solaroffensive wieder auf die Beine zu helfen. Eine gute Idee? Eröffnet juwi jetzt eine Dependanz in Griechenland?
Haben wir doch längst. juwi hat das enorme Potenzial bereits vor mehreren Jahren erkannt und ist seit 2008 mit der juwi Hellas S.A auf dem griechischen Markt erfolgreich. In Griechenland haben wir bisher Projekte mit einer Gesamtleistung von über zehn Megawatt erfolgreich umgesetzt - und uns einen Namen gemacht als zuverlässiger Projektentwickler und technischer Betriebsführer.
Aber zurück zu Röslers Idee: Die juwi-Gruppe steht für eine dezentrale Energieversorgung. Die bringt zahlreiche Vorteile: regionale Wertschöpfung, fairer Wettbewerb und Unabhängigkeit von Importen. Deswegen wird sich juwi auch nicht bei Großprojekten wie dem vom Bundeswirtschaftsminister ins Gespräch Helios-Projekt beteiligen: das hat zum Ziel Strom nach Deutschland zu exportieren. Das ist aber eben nicht: regionale Wertschöpfung, fairer Wettbewerb und Unabhängigkeit von Importen.
Bei allem Engagement im Ausland sollte man aber nicht vergessen: Es gibt auch in Deutschland noch zahlreiche sehr gute Standorte für die Photovoltaik, die noch nicht erschlossen wurden.
Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Dass die EEG-Umlage weiterhin steigt, dieses Mal von 3,53 auf 3,598 Cent je Kilowattstunde. Dabei haben Experten des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) nachgewiesen, dass die Umlage eigentlich auf 3,3 Cent je Kilowattstunde sinken müsste, selbst bei hohen Zubauzahlen bei den Erneuerbaren und niedrigerem Stromverbrauch. Die jetzige Erhöhung beruht vor allem auf einem mangelhaften Berechnungsverfahren, das das vierte Quartal nicht in die Festlegung für das Folgejahr mit einbezieht.Zudem darf es nicht sein, dass immer weniger Verbraucher die Ausbaukosten für die erneuerbaren Energien schultern müssen. Viele Industrieunternehmen haben die Möglichkeit genutzt und noch das Eigenverbrauchsprivileg in Anspruch genommen und sich damit aus der Zahlung der EEG-Umlage verabschiedet. Auch die massive Ausweitung der Sonderregelung für energieintensive Industrien und Einführung des sogenannten "Liquiditätspuffers" ab dem kommenden Jahr wird nicht zu sinkenden Strompreisen beitragen. Hier besteht zwingend Handlungsbedarf.
Fragen: reni
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Kalenderwoche 10: Abstruse Politik Wäre tatsächlich eine Kostenbegrenzung für den Verbraucher das Ziel der Solarpolitik, wäre das einfach zu erreichen, sagt Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: Weniger Ausnahmefälle bei der Befreiung von der EEG-Umlage schaffen, und nicht die Kosten der Energiewende auf die Bürger abwälzen!
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