Sonnenflecken, Vulkanismus und das Grönlandeis
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Hartmut Graßl, Meteorologe, der als einer der ersten deutschen Wissenschaftler vor den Folgen des Klimawandels warnte.
GRASSLS WOCHE
Herr Professor, der Bundesrat hat am Freitag das CCS-Gesetz abgelehnt. Der Weltklimarat sagt aber: Der Klimawandel ist nur mit CCS zu stoppen. Brauchen wir die Technologie?
Die Bundesrepublik benötigt diese Technologie der Kohlenstoffspeicherung tief in der Erdkruste selbst höchstwahrscheinlich nicht. Wenn die im Juli beschlossene Energiewende hin zu den erneuerbaren Energieträgern gelingt, geht die Kohlenutzung in Kraftwerken sowieso dem Ende entgegen - im wesentlichen ja auch von den steigenden Kosten für Kohlendioxid im EU-weiten Emissionshandel getrieben. Aber auch eine Bevölkerungsmehrheit wird sich bei uns dagegen stemmen.
Kohleländer wie die USA, China und Indien werden auf sie setzen und viele deutsche Firmen werden sich fragen, ob ihnen dabei Exportchancen verloren gehen. Nach der Ablehnung des entsprechenden Gesetzes im Bundesrat sollten wir uns stärker auf die sicher kommenden, also echten neuen Technologien konzentrieren.
Das arktische Meereis ist so dünn wie nie - und plötzlich tauchen Spekulationen auf, die Erderwärmung könnte Vulkanausbrüche häufen. Begründung: Weniger Eis bedeutet weniger Druck auf die Erdkruste. Ist da wissenschaftlich etwas dran?
Diese Frage ist nicht vollständig, weil sie Eisentlastung auf dem Land mixt mit Rückgang des Meereises. Letzteres hat keinen Einfluss auf die Erdanziehung und wird die Erdkruste nicht entlasten, wohl aber das Abschmelzen von sehr großen Eiskörpern, wie denen über Grönland und der Antarktis.
Das in diesen Tagen in der Arktis erreichte jährliche Minimum der Ausdehnung des mehrjährigen Meereises ist im Rahmen der Messgenauigkeit so niedrig wie der bisherige Rekord von 2007. Der Meereisschwund von 2007 war also kein Extremfall und die Abnahme der letzen Jahre ist stärker als noch vor wenigen Jahren in Modellrechnungen angenommen. Das Klimasystem zeigt erneut seine hohe Empfindlichkeit gegenüber der mittleren globalen Temperaturzunahme.
Weil das Schmelzen grönlandischen Inlandeises in den letzten Jahren - neue Satellitensensoren erlauben zum ersten Mal diese Messung - zugenommen hat und der Beitrag zum Meeresspiegelanstieg den der Wärmeausdehnung des Ozeanwassers annähernd erreicht hat, ist es geradezu notwendig, dass sich Wissenschaftler mit der Hypothese dadurch gesteigerter Vulkanaktivität auseinander setzen. Ob diese Hypothese bestätigt oder abgelehnt wird, ist aber noch völlig offen.
Immer wieder wird ein Zusammenhag zwischen Erderwärmung und Sonnenaktivität hergestellt, eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass eine Abkühlung von maximal 0,3 Grad Celsius erwartet werden kann. Wie ist das zu erklären?
Aus den Messungen der Strahlungsleistung der Sonne seit drei annähernd elfjährigen Zyklen geht hervor, dass eine Sonne ohne Flecken nur um etwa ein Promille weniger Energie abstrahlt. Berücksichtigt man die fast kugelförmige Erde, macht das etwa ein Zehntel des bisherigen Antriebs durch die Treibhausgase aus.
Die genaue Absenkung der Strahlungsleistung der Sonne in einer Zeit ganz ohne den elfjährigen Zyklus ist nur ungenau abzuschätzen. Eine solche neuere Abschätzung - oben angeführt - zeigt, dass für die sogenannte kleine Eiszeit eher der verstärkte Vulkanismus in dieser Zeit dominant war.
Inzwischen hat allerdings der neue Zyklus auf der Sonne mit Flecken - wenn auch etwas verzögert - begonnen. Bei weiter rasch steigendem Treibhauseffekt ist also keine wesentliche Änderung der weitergehenden mittleren globalen Erwärmung durch die Sonne zu erwarten.
Und schließlich: Was war Ihre Überraschung der Woche?
Eigentlich war es keine wirkliche Überraschung, aber es hat große Wirkung: Die Ablehnung des CCS-Gesetzes durch den Bundesrat.
Fragen: reni
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