RWE, Italiens Sonne und 5.000 Megawatt
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und ausgezeichnet als Greentech Manager des Jahres 2009.
WILLENBACHERS WOCHE

RWE will in den kommenden drei Jahren rund 200 Megawatt erneuerbare Energien in Nordrhein-Westfalen installieren. Erfreut, dass der Kohlekonzern endlich die Zeichen der Zeit erkennt?
Der Ausbau von Windenergie-Anlagen im Binnenland ist natürlich erst einmal zu begrüßen, denn Onshore-Windkraft bietet enormes Potenzial. Dies hat zuletzt auch eine Studie des Fraunhofer-Institut IWES deutlich offen gelegt. Ich glaube aber, der Satz von RWE-Vorstand Johannes Lambertz "Braunkohlekraftwerke und erneuerbare Energien [sind] kein Gegensatz" spricht Bände. Der Kohle-Dinosaurier belegt eindrucksvoll, dass er die Zeichen der Zeit eben nicht erkannt hat.
Die Zukunft der Energieversorgung gehört zu 100 Prozent den Erneuerbaren. Kleine, lokale Kraftwerkseinheiten aus regenerativen Energiequellen machen Regionen unabhängig von fossilen Brennstoffen und stärken die regionale Wertschöpfungskette. Kohlekraftwerke und Braunkohlabbau wie in Garzweiler, Hambach oder Inden sind Energiekonzepte von vorgestern und haben im Konzept einer dezentralen Energieerzeugung, die aus dem intelligenten Mix aller regenerativen Energieträger besteht, keinen Platz.
Darüber hinaus kündigt RWE zeitgleich den Bau von Offshore-Großkraftwerken in der deutschen Nordsee und vor der walisischen Küste an: Sie sind nur sehr schwer zu realisieren und zusätzlich mit einem teueren Netzausbau verbunden. Konkret heißt das: Offshore-Windkraft ist aus Verbrauchersicht die schlechteste Lösung. Sie zementiert die Marktmacht der Großkonzerne und kommt die Menschen mehr als doppelt so teurer zu stehen wie Windenergie aus dem Binnenland. Strom muss da erzeugt werden, wo er auch verbraucht wird: dezentral und in den Regionen. Das ist die sicherste, schnellste und günstige Variante.
Auf der Hamburger Solarmesse präsentierte die European Photovoltaics Industry Association (EPIA) eine Studie zur Konkurrenzfähigkeit der Photovoltaik: Bereits 2013 könnten demnach in sonnigen Regionen Italiens Freiflächenanlagen subventionsfrei betrieben werden. Halten Sie das für realistisch? Und wann wären hierzulande Freianlagen soweit?Ja, das halte ich für sehr realistisch. Gerade in Süditalien wird es auf jeden Fall möglich sein, da die Systempreise weiter stark sinken werden. Davon muss man bei der Innovationskraft, die die Solarbranche in den vergangenen Jahren bewiesen hat, mit Sicherheit ausgehen.
Auch in Deutschland werden wir in absehbarer Zeit die "Grid-Parity" erreichen. Bei Freiflächenanlagen gehen wir davon aus, dass das spätestens in fünf Jahren der Fall sein wird. Doch auch wenn die Solarenergie ohne EEG am Markt verkauft wird – die vorrangige Einspeisung regenerativ erzeugten Stromes sollte auch ohne das Gesetz gesichert sein, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen.
Und was war die Überraschung der Woche?Ich war diese Woche ziemlich überrascht, als ich lesen musste, dass Deutschland bei Photovoltaikanlagen in diesem Jahr nicht viel mehr als 5.000 Megawatt neu installieren wird. Damit bleiben wir deutlich unter der im vergangenen Jahr insgesamt installierten Leistung zurück, rund 8.400 Megawatt waren es 2010.
Das wirklich Überraschende: Die Rendite auf Photovoltaik-Projekte ist derzeit überaus gut. Stellt sich also die Frage, warum in Deutschland, dem Land, das die Energiewende zuerst schaffen möchte, nun weniger installiert wird als im Jahr zuvor. Ein Grund ist sicherlich, dass dem Ausbau der Solarenergie durch unsinnige Entscheidungen der Politik Steine in den Weg gelegt werden. So ist es zum Beispiel fraglich, warum Photovoltaikanlagen auf Ackerflächen nicht mehr gefördert werden. Gerade Freiflächenanlagen sind die Billigmacher bei der Solarenergie und treiben somit deren Ausbau an.
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