Wasserkraft, Horst Seehofer und der ADAC
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Vorstand für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.
LÜCKINGS WOCHE
Bayern gründet eine Energieagentur und will Vorreiter bei der Energiewende werden. Wie sieht es mit dem Ausbau der Erneuerbaren im südlichen Bundesland aus?
Bayern steht traditionell in diesem Bereich gut da. Das liegt vor allem auch an der Wasserkrafterzeugung, die schon seit über hundert Jahren eine lange Tradition in Bayern genießt. Über 60 Prozent der gesamten Wasserkrafterzeugung in Deutschland erfolgt in Bayern. Aber auch wenn man den Wasserkraftanteil rausrechnet, liegt Bayern in vielen Bereichen über den bundesdurchschnittlichen Werten. So wird beispielsweise auch mehr als jede zweite Kilowattstunde Solarstrom in Bayern erzeugt. Die Scheunendächer in Bayern funkeln inzwischen ja überwiegend im Kristallblau der Photovoltaikanlagen.
Hoch interessant ist ja auch die Kehrtwende der bayerischen Landesregierung in Sachen Atompolitik. Die Bundeskanzlerin hat für ihren Kurswechsel massive Unterstützung von CSU-Ministerpräsident Seehofer bekommen. Ohne dies wäre es wohl kaum gegangen. Wer hätte gedacht, dass jetzt auch in Bayern Atomkraftwerke abgeschaltet bleiben? Es bleibt abzuwarten, ob Bayern das erklärte Ziel, in den nächsten zehn Jahren den Anteil des regenerativen Stroms auf 50 Prozent zu erhöhen, erreichen und damit seinen Vorsprung noch weiter ausbauen kann.
Die Bundesregierung verabschiedet das 6. Energieforschungsprogramm – und betont die Forschung für die Energiewende. Doch weiterhin wird eine Milliarde für Kernfusion und Nuklearforschung ausgegeben. Verschwendetes Geld?
Zu begrüßen ist, dass die Mittel gegenüber dem jetzt auslaufenden Förderprogramm um 75 Prozent erhöht werden. Das trägt den Herausforderungen des Gemeinschaftswerks Energiewende – wie es die Ethikkommission bezeichnet hat – sicherlich Rechnung. Weitere Gelder in die Kernfusion zu stecken, ist in der Tat rausgeworfenes Geld. Für Stillegung und Rückbau der Atomkraftwerke und die bundesweite Endlagersuche brauchen wir sicherlich auch noch Forschungsgeld und neue Erkenntnisse. Aber hier sind natürlich in erster Linie die Kraftwerksbetreiber in der Pflicht, die jetzt aus ihren Milliarden-Rückstellungen die Aufwende hierfür zu finanzieren haben.
Und was war für Sie die Überraschung der Woche?Die Überraschung der Woche waren für mich dieses Mal zwei Meldungen aus dem Verkehrsbereich. Nämlich erstens die, dass die neu zugelassenen Fahrzeuge weiterhin immer leistungsstärker werden. Ich hatte gehofft, hier gäbe es aufgrund der Klima-, Energie- und Effizienzdebatte endlich mal eine Trendumkehr. Die zweite Überraschung für mich war, dass das unsinnige Labeling für Neuwagen tatsächlich verabschiedet wurde. Umweltschützer haben zusammen mit dem ADAC die Systematik des Labelings kritisiert (im Übrigen: was für eine Allianz!). Dass sparsame Kleinwagen nach diesem System schlechter bewertet werden als Spritschlucker, kann eigentlich nicht wirklich im Sinne der deutschen Autoindustrie sein. Aber vielleicht ja doch, denn beide Meldungen passen dann ja doch auch wieder gut zusammen.
Fragen: jot
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 17 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





Kalenderwoche 39: Gero Lücking, Vorstand beim Ökostrom-Anbieter Lichtblick und Herausgeber von Klimaretter.info, findet es überhaupt nicht überraschend, dass Vattenfall seine CCS-Pläne fallen gelassen hat. Diese waren wohl immer nur ein Ablenkungsmanöver, um ehrgeizige, aber falsche Pläne zum Bau neuer Kohlekraftwerke politisch durchzusetzen.
Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info
Es sind nur kleine Aggregate, die im Keller verschwinden sollen. Die Hamburger Firma Lichtblick verspricht sich von ihnen aber eine Revolution der deutschen Energieversorgung: "Zuhause-Kraftwerke", die mit dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Heizenergie in Wohnhäusern liefern. Schaltet man viele kleine Einheiten zusammen, könnten sie sogar den umfangreichen Netzausbau überflüssig machen.
Am Sonntag stimmt der Schweizer Kanton Bern über den Neubau des Akw Mühleberg ab. Der Umbau zu regenerativen Energien sei nicht schnell genug machbar, argumentieren die Akw-Befürworter. "Stimmt nicht", sagen fünf Studierende der Uni Aalborg - bis spätestens 2034 könnten die Schweizer alle Akw abgeschaltet haben.
Greenpeace protestiert gegen Bayerns Waldpolitik
Satter Profit durch Nichtstun und Produktionsdrosselung: Der Energiekonzern Vattenfall stellte in Schweden zu Zeiten hoher Energie-Nachfrage seine Atomkraftwerke ab - und macht durch die Verknappung Strom teurer und satte Extragewinne.
Auch der Ökostromanbieter aus Düsseldorf knackt die große Kundenmarke. Wechselwille in Deutschland generell noch gering
Mit einem Biobauern aus Borgholzhausen überschreiten die Schönauer "Stromrebellen" die nächste große Zahlenmarke
Der ADAC bilanziert 12 Prozent Zuwachs und hat ein Problem in seinem Denken. Möge Ihnen das 2012 erspart bleiben!
Aral, BP, Jet, OMV und Shell verletzten nach Meinung der Autolobby beim Agro-Treibstoff E10 Gesetze
Ein Bündnis von Umweltorganisationen will die Berliner vom Wechseln zu Ökostrom überzeugen
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: Sonnenkraft überholt erstmals Wasserkraft. Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen: Gesamt-Energieverbrauch verringerte sich im ersten Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 3 Prozent.
Lichtblick - bislang als grüner Stromanbieter bekannt - steigt auch ins Gasgeschäft ein
Keine Entscheidung beim Spitzentreffen von Kanzlerin Angela Merkel und Landesministern zur Verlängerung der Akw-Laufzeiten. Proteste am Kanzleramt



