Atommülllager, Netzausbau und die bittere Pille Kohlekraft
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und ausgezeichnet als Greentech Manager des Jahres 2009.
WILLENBACHERS WOCHE

Eine neue EU-Richtlinie legt Standards für Atommüll-Endlager fest. Können wir also jetzt fröhlich weiter radioaktiven Müll produzieren?
Auf keinen Fall. Natürlich macht es Sinn, die bestehenden Probleme bei der Endlagerung von Atommüll mit vernünftigen Standards einzudämmen. Wir können ja nicht die Augen davor verschließen, dass es bereits heute große Mengen an Atommüll gibt, von denen keiner weiß wohin damit.
Aber wir sollten dies auch und vor allem zum Anlass nehmen, auf Bundes- und Europa-Ebene endlich Standards für die Energieversorgung festzulegen. Und diese können nur lauten: umweltschonend, ressourcenschonend, klimaschonend. Dann wäre endlich Schluss mit der Produktion von Atommüll und klimaschädlichen Abgasen.
Die Bundesnetzagentur hat am Dienstag eine Öffentliche Konsultation zum Netzausbau gestartet. Dabei stehen die Ausbauziele schon fest: 3.500 Kilometer neue Leitungen. Wozu die Konsultation?
Die öffentlichen Konsultationen machen dann Sinn, wenn sie ergebnisoffen und neutral geführt werden. Dazu würde gehören, dass man unterschiedliche Ausbaupfade für erneuerbare Energien offen und ehrlich formuliert. Wollen wir zentrale Großkraftwerke im Meer und in der Wüste mit dem entsprechenden Leitungsbau? Oder wollen wir viele dezentrale Kraftwerke in den Regionen, und damit eine enge räumliche Kopplung von Erzeugung und Verbrauch? Der Dialog würde zeigen, ob beim Netzausbau ein neues "Stuttgart 21" zu erwarten wäre.
Und was war die Überraschung der Woche?
Dass offensichtlich Kohlekraftwerke als Antwort auf den Atomausstieg gefördert werden. Es war schon eine bittere Pille, dass die Bundesregierung nach den Ereignissen von Fukushima wenig bis gar nichts getan hat, um die Ausbauziele für erneuerbare Energien zu erhöhen und die Energiewende zu beschleunigen.
Und es ist eine weitere negative Überraschung, dass nun auch vor allem fossile Kraftwerke – neben zentralen regenerativen Kraftwerken in der Nordsee – zu den Gewinnern der Atomkatastrophe zählen könnten.
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