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Ungebetenen Stromtrassen und Stromlücken

Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking Vorstand für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

LÜCKINGS WOCHE

Die Internationale Energieagentur hat weltweite Stromengpässe vorausgesagt: Die Staaten sollen sich um Energieeffizienz bemühen. Kann ein Ökostrom-Anbieter wie Lichtblick Energieeffizienzmaßnahmen propagieren?

Wir verfolgen nicht die Philosophie "viel hilft viel". Wir möchten Kunden gewinnen, die bewusst, effizient und sparsam mit Energie umgehen. Jeder Kunde, der bei uns gegenüber seinem Vorjahresverbrauch 10 Prozent Energie einspart, wird nicht nur mit einer gesunkenen Energierechnung sondern auch mit zusätzlich 25 Euro belohnt. Wir nennen das den "Weniger ist mehr Bonus".

Die Regierung schwört uns ein: Wir brauchen neue Stromnetze, um die Energiewende zu bewältigen. Was sagen Sie Landschaftsschützern, die gegen Hochspannungsleitungen sind?

Das, was die Regierung sagt, muss erst einmal von unabhängiger Seite geprüft werden. Die Bundesregierung bezieht sich im Wesentlichen auf ein Gutachten der dena. Das Gutachten hat die dena zusammen mit den Übertragungsnetzbetreibern erstellt. Die zugrunde gelegten Szenarien und Annahmen sind bis heute nicht veröffentlicht.

Als es um den Bau neuer Kohlekraftwerke und die Laufzeitverlängerung ging, propagierte die dena im Auftrag der Konzerne die Stromlücke. Jetzt sind acht Atomkraftwerke endgültig stillgelegt und von der Stromlücke redet, obwohl die neuen Kraftwerke längst nicht in Betrieb sind, kein Mensch mehr. Die dena hat massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Deshalb sind die Aussagen zur Erweiterung der Stromnetze zu hinterfragen.

LichtBlick wird in Kürze ein Gutachten vorlegen, in dem wir darstellen, wie durch den gezielten Aufbau von dezentraler Erzeugung, zum Beispiel in ZuhauseKraftwerken, Netzausbau vermieden werden kann. Diese Möglichkeiten müssen systematisch erschlossen werden, bevor man Tausende Kilometer neue Stromtrassen durchs Land ziehen will.

Trotz allem ist unbestritten, dass Offshore-Windparks an die bestehenden Netze angeschlossen werden müssen. Dafür müssen Netze ausgebaut werden. Da der Ausstieg jetzt beschlossen ist, ist auch die Befürchtung, dass die Netze doch nur zum Abtransport von Atomstrom dienen, ein Stück weit nicht mehr aufrecht zu erhalten. Da jetzt das Langfristziel stimmt, steigt auch die Akzeptanz der Maßnahmen zum Netzausbau.

Und was war für Sie die Überraschung der Woche?

Eon hat diese Woche eine Presseerklärung veröffentlicht, dass sie bis zum Jahr 2020 360 Blockheizkraftwerke (BHKW) in Betrieb nehmen wollen. Das sind 40 pro Jahr oder weniger als ein BHKW pro Woche. Es ließe sich anmerken, dass Eon derzeit mehr Atomkraftwerke pro Woche außer Betrieb nimmt, als sie beabsichtigen, zukünftig BHKW’s in Betrieb zu nehmen.

Nur zum Vergleich: LichtBlick nimmt derzeit 40 ZuhauseKraftwerke pro Monat in Betrieb. Schon bald werden es 40 pro Woche sein. Mit Eon werden wir also die Energiewende nicht schaffen – aber das ist natürlich keine Überraschung.

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