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Atomausstieg, Klimaverhandlungen und Stephan Kohler

Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und ausgezeichnet als Greentech Manager des Jahres 2009.

WILLENBACHERS WOCHE

Atomausstieg bis 2022 – der Fahrplan ist klar, damit steht auch die selbst von den Grünen beschworene Investitionssicherheit in die erneuerbare Energiewirtschaft. Stapeln sich die Aufträge bei juwi bereits?

Alle beglückwünschen uns zur "Energiewende", wir wissen aber nicht warum. Natürlich freuen wir uns, wenn der Atomausstieg jetzt beschlossene Sache zu sein scheint. Aber wenn ich Atomkraftwerke abschalte, muss ich auch verstärkt Wind-, Solar- und Bioenergieanlagen einschalten können. Nach den Plänen zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird dies jedoch nicht möglich sein: Das Ausbauziel für erneuerbare Energien ist nach Fukushima genauso klein wie vor der Katastrophe, nämlich 35 Prozent bis 2020. Solarenergie und die günstige Windenergie vom Binnenland sollen gekürzt, der Ausbau dezentraler Bioenergie erschwert werden.

Das einzige, was verstärkt gefördert wird, ist die Offshore-Windenergie vom Meer. Sie ist schon heute fast doppelt so teuer wie Windstrom vom Binnenland und soll im neuen EEG noch teurer gemacht werden. Das ist kein Konzept für eine "Energiewende", sondern ein Geschenk an die vier großen Stromkonzerne. Was wir brauchen, ist ein konsequenter Ausbau des dezentralen Systems, das auf dem regionalen Mix von Wind-, Solar- und Bioenergie basiert. Mit einem solchen Konzept kann die Energiewende mehr als doppelt so schnell und für die Verbraucher zum halben Preis geschafft werden.

Am Freitag endeten die Klimaverhandlungen in Bonn. Wie gewohnt waren wieder nur kleine Fortschritte zu erkennen. Werden die UN-Staaten es jemals schaffen, global eine Lösung des Klimaproblems zu finden?

Nein, denn selbst wenn sich die Staaten auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner einigen würden – was sie ja seit vielen Jahren schon nicht schaffen –, dann wäre das für die Lösung der Klimaprobleme bei weitem nicht genug. Die Umkehr in der Klima- und Energiepolitik erreichen wir nur durch dezentrale Lösungen.

Im Grunde sind die Ergebnisse der Klimaverhandlungen auch egal, denn solange sich niemand hinter (guten oder schlechten) Einigungen verstecken kann, wird es genug engagierte Akteure geben, die Klimaschutz in der Breite voranbringen. Denn viele Menschen haben längst erkannt, dass erneuerbare Energien nicht nur gut für den Klimaschutz sind, sondern auch viele Vorteile in den Regionen bieten: Arbeitsplätze, Steuer- und Pachteinnahmen etc. Diese Energiewende lässt sich höchstens verzögern, aber nicht aufhalten.

Und was war die Überraschung der Woche?

Dena-Chef Stephan Kohler hält nicht viel von den erneuerbaren Energien, das ist bekannt. Aber sein Ideenreichtum, den er bei der Suche nach "Argumenten" gegen einen schnellen Atomausstieg an den Tag legt, überrascht doch immer wieder. Zuletzt hatte er sich bereits als Experte für demographische Fragen geoutet, als er herausfand, dass sich unter anderem in Bayern wegen der ungemein "hohen" Bevölkerungsdichte (die auf dem Niveau von Niedersachsen liegt…) keine großen Windparks realisieren lassen.

Nun überzeugt er auch als Hydro-Experte: So war jüngst in einer Zeitung zu lesen, dass Kohler auf Grund der Trockenheit einen Zusammenbruch des Stromnetzes befürchtet. Aufgrund der Abschaltung von Atomkraftwerken sei Deutschland zu Spitzenverbrauchszeiten immer wieder kurzfristig auf Atomstrom aus Frankreich angewiesen. Sollten die dortigen Werke aus Wassermangel heruntergefahren werden, könnte das die Gefahr eines Zusammenbruchs des Netzes erhöhen, so Kohler weiter. Dazu kann ich nur eines sagen: Herr Kohler, Ihr Einfallsreichtum in Ehren – aber selbst die abstrusesten Angstszenarien werden nichts nützen. Die Menschen wollen keine Atomkraft mehr – ein für allemal.

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