Stromspeichergesetze, Offshore und Investitionen in Erneuerbare
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens EWE in Oldenburg.
BRINKERS WOCHE
Der US-Bundesstaat Kalifornien hat ein Gesetz zur Stromspeicherung verabschiedet. Brauchen wir so etwas auch?
Man muss sich genau ansehen, was die kalifornische Regierung beschlossen hat: Der Bedarf an Stromspeichern, um die Ausbauziele für erneuerbare Energien zu erreichen, soll von einer Landesbehörde ermittelt werden, die dann die Energieversorger verpflichtet, diesen Bedarf zu decken. Das greift zu kurz und geht an der eigentlichen Herausforderung vorbei: Mehr Stromspeicher kann man nicht einfach verordnen, die Frage ist zunächst, welche Technologien wirtschaftlich sinnvoll sind und welche Richtlinien für intelligente Netze gelten sollen. Dabei gibt es nicht eine einzelne Lösung für Alles, sondern viele Puzzlestücke: So erforscht EWE, wie sich Elektroautos als mobile Speicher nutzen lassen, wie durch intelligente Vernetzung Industrie und Haushalte – vom Kühlhaus bis zur weißen Ware – ins Lastmanagement einbezogen werden können und wie sich die Effizienz von Batterien stark erhöhen lässt. Am Ende müssen all diese Elemente und alle wirtschaftlichen Akteure zusammenspielen. Zum Beispiel muss einheitlich geregelt sein, über welche Schnittstellen und mit welcher Art von Steuerungssoftware Erzeugungsanlagen und Stromspeicher miteinander kommunizieren. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, klare Rahmenbedingungen zu schaffen, auf gemeinsame Standards hinzuarbeiten und Forschung und Entwicklung zu fördern.
Eon plant einen milliardenschweren Offshore-Windpark in der Nordsee, RWE will sogar bis zum Jahr 2014 zu den drei größten Offshore-Betreibern der Welt gehören. Freuen Sie sich – als Vorreiter in Deutschland?
Wir sehen es natürlich sehr positiv, dass sich auf diesem Gebiet viel bewegt. Für die Erreichung der Klimaziele von EU und Bundesregierung ist der zügige Ausbau der erneuerbaren Energien unverzichtbar. Die Windkraft aus Offshore-Anlagen wird dabei im deutschen Energiemix der Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Deshalb bauen wir diesen Bereich weiter aus und errichten bei Borkum den Offshore-Windpark Riffgat, der schon 2012 rund 100.000 Haushalte versorgen wird. Wenn wir allerdings über immer mehr Windenergie sprechen, die in ganz Deutschland verfügbar sein soll, müssen wir auch über den zügigen Ausbau der Stromnetze und deren intelligente Steuerung sprechen. Große Mengen an Windkraft mit ihren typischen Schwankungen in der Verfügbarkeit so ins Netz zu integrieren, dass eine stabile und zuverlässige Stromversorgung garantiert ist, ist eine Herkulesaufgabe, die erheblicher Investitionen und – gerade auch bei Genehmigungsverfahren – politischer Unterstützung bedarf. Die Notwendigkeit, beim Netzausbau europaweit zügig voranzukommen, haben diese Woche wieder die Studien des EU-Projekts SUSPLAN gezeigt.
Und was war die Überraschung der Woche?
Eine kürzlich veröffentliche Studie von Forsa fand ich sehr bemerkenswert: Das Institut untersuchte, wie viele Energieversorger in erneuerbare Energien sowie in Forschung und Entwicklung investieren. Die gute Nachricht ist, dass sich inzwischen 74 Prozent der Versorger bei den erneuerbaren Energien engagieren – 2005 waren es noch nur 35 Prozent. Beunruhigend finde ich hingegen, dass nur 25 Prozent der großen und sogar nur fünf Prozent der kleineren Energieversorger nennenswert in Forschung und Entwicklung investieren. Für eine zukunftsfähige Energieversorgung braucht es große Aufwendungen insbesondere in diesem Bereich – ob es um die Integration der erneuerbaren Energien ins Netz geht, um Elektromobilität oder um höhere Energieeffizienz. Wir haben daher bereits 2007 das Forschungszentrum Next Energy gegründet und eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung aus der Taufe gehoben.
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