Erdgas, Merkels Gegenbewegung und Oliver Bierhoff
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und ausgezeichnet als Greentech Manager des Jahres 2009.
WILLENBACHERS WOCHE
Greenpeace hat am Mittwoch in einer Studie Erdgas als Brückentechnologie auf dem Weg zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien vorstellt. Eine gute Idee?
Nimmt man Klimaschutz und Ressourcen-Knappheit wirklich ernst, müssen wir sehr schnell – auch schneller als Greenpeace annimmt – umsteuern. Ich bin der festen Überzeugung, dass einem Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 technisch nichts im Wege steht. Greenpeace lieg mit der Studie in einem entscheidenden Punkt richtig: Kohle- und Atomkraftwerke haben im Energiemix der Zukunft keinen Platz. Sie sind viel zu träge, um die stark schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom ausgleichen zu können. Gaskraftwerke hingegen sind schnell regelbar und zudem noch wesentlich wirtschaftlicher. Darüber hinaus lassen sie sich problemlos auf Biogas umstellen. Gaskraftwerke sind also keine "Brücke", sondern eine Ergänzung und können so eine wichtige Rolle auf dem Weg zu 100 Prozent erneuerbare Energien spielen.
Angela Merkel sagte in Reaktion auf die Anzeigenkampagne von 40 Managern gegen die schwarz-gelbe Energiepolitik: "Bei mir ist das immer so: Wenn irgendetwas in Richtung einer Drohung oder eines Gepresstwerdens führt, dann führt das bei mir meistens zu einer totalen Gegenbewegung." Ist das das Ende des Diktats der Energiepolitik durch die großen Energiekonzerne?
Nein, bestimmt nicht. Das Problem bei Frau Merkel ist, dass ihre Gegenbewegungen richtungslos sind. Die Bundeskanzlerin hat sich noch nie durch klare Worte und Taten ausgezeichnet – das gilt ganz besonders für Energiefragen. Seit Jahr und Tag antwortet sie mit einem entschiedenen Sowohl-als-Auch. Ausbau erneuerbarer Energien oder längere Laufzeiten für Atomkraftwerke – sie und die gesamte Regierung müssen sich entscheiden. Beides zusammen geht nicht, denn die beiden Energiearten schließen sich gegenseitig aus. Anstatt ständig Atom-Brücken bauen zu wollen, die niemand braucht, sollte sie lieber ihrem Umweltminister in der Auseinandersetzung mit den großen Energiekonzernen endlich den Rücken stärken – für die erneuerbaren Energien.
Und was war die Überraschung der Woche?Dass Oliver Bierhoff auch ein Experte für Energiefragen geworden ist. Mit seiner Unterschrift unter die oben genannte Anzeigenkampagne der ach so zukunftsorientierten Manager prescht der ehemalige Stürmer nun auch bei der Atomkraft vor. Vielleicht will er ja aber auch nur für die Fußball-Nationalmannschaft die Sponsorensuche vorbereiten – Eon, RWE und Co. haben ja schon ihre Kohle in der Bundesliga platziert. Ob Nutella, Kohle oder Atommüll – das spielt doch keine Rolle. Obwohl, wenn man recht überlegt, ist es eigentlich gar nicht so eine große Überraschung. Sein Vater gehörte nämlich dem Vorstand von RWE an…
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