Brennelemente, Röttgen, Klimawandel
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Michael Müller, SPD-Politiker und ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium.
MÜLLERS WOCHE
Bundesumweltminister Norbert Röttgen will jetzt Landesvorsitzender der nordrhein-westfälischen CDU werden. Ist das ein herber Verlust für die deutsche Umweltpolitik?
Die ökologische Modernisierung ist so wichtig, dass unbeschadet persönlicher Orientierung der zuständige Minister engagiert und kreativ sein sollte. Doch seit einem Jahr findet keine Umweltpolitik mehr statt, welcher Verlust wäre zu beklagen? Ich bin empört, dass von Herrn Röttgen nichts zu den Hochwasserkatastrophen in Europa und Asien, nichts zu der brennenden Erde in Russland zu hören ist. Der Minister, der für den Klimaschutz und auch den Gewässerschutz zuständig ist, fällt nur auf mit seiner Karriereplanung. Das ist ein Tiefpunkt.
Die Bundesregierung will ihre Entscheidung zur Brennelementesteuer erst Ende September treffen. Soll sie nun doch nur in Zusammenhang mit der Laufzeitverlängerung kommen?
Die Energiepolitik verkommt zu einem fragwürdigen Aushandlungsprozess. Es geht nicht um eine klare Linie, weil keine vorhanden ist. Dabei wissen wir seit rund 20 Jahren aus den Studien der Klima-Enquete-Kommission, was zu tun ist: Umbau in Richtung dezentraler und effizienter Energieversorgung bei gleichzeitig massiver Innovationsförderung für die erneuerbaren Energien. Die Debatte um die Atomkraft ist zu einem Paradebeispiel für das geworden, was der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch "Postdemokratie" nennt. Es geht nicht mehr um demokratische Willensbildung, sondern um die Bedienung von Interessen.
Und was war für Sie die Überraschung der Woche?Dass die selbsternannten Klimaskeptiker trotz des Aufstands der Natur noch immer behauptet, es gäbe keinen Klimawandel. Bei soviel Blindheit bin ich fassungslos.
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Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
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Aktivisten benennen das Bundesumweltministerium in das "Atomministerium" um. Der Protest richtete sich gegen die Erkundung des Salzstocks Gorleben als Atommüllendlager
Der Umweltminister will am Donnerstag nach Gorleben reisen. Atomkraftgegner kritisieren das Gesprächsangebot als "unredlich"
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dementiert, zwar, man habe sich bereits auf eine Verlängerung der Akw-Laufzeiten um mindestens zehn Jahre geeinigt, hält jedoch eine zehn bis 15 Jahre für "vernünftig". Das Wirtschaftsministeirum "übersetzt" auf mindestens zwölf Jahre längere Laufzeiten, während sich das Umweltministerium mit Aussagen zurückhält. SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisiert die "knallharte Lobby-Politik" der Kanzlerin.
Über Berge und Täler will die Bundesregierung mit dem am Dienstag vom Kabinett beschlossenen Energiekonzept führen. Doch die Änderung des Atomgesetzes und das neue Kernbrennstoffsteuergesetz müssen erst noch durch den Bundestag, ein Gesetz zur Gebäudesanierung ist noch gar nicht formuliert und dann stehen der Regierung auch noch mehrere Verfassungsklagen ins Haus.
Greenpeace hat Klage gegen Gorleben als Atommüll-Endlager eingereicht. Gegenstand ist die im September genehmigte Verlängerung des Rahmenbetriebsplanes aus dem Jahr 1982
Der Bundestag debattierte am Donnerstag über den Klimaschutz. Drei Anträge aus den Oppositionsfraktionen für ein Klimaschutzgesetz lagen vor. Alle drei wurden mit den Stimmen von Union und FDP abgelehnt - ihnen ist ihr Energiekonzept Klimaschutz genug. Die Opposition wartet noch immer darauf, dass Marie-Luise Dött ihre klimaskeptischen Aussagen zurücknimmt.
"Moderate" oder "substanzielle" Verlängerung? Erneut Kritik aus eigenen Reihen an CDU-Umweltminister Röttgen. Atomgegner protestieren in Biblis



