BGH-Beschluss, dezentrale Erzeugungs-Anlagen und Fahrtwind für Windräder
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens EWE in Oldenburg.
BRINKERS WOCHE

Der Bundesgerichtshof hat Preisanpassungsklauseln in den Verträgen mit sogenannten Normsonderkunden von EWE für ungültig erklärt. Was haben Sie falsch gemacht?
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Man muss dazu etwas tiefer einsteigen. Als uns der Gesetzgeber im Zuge der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes 2007 aufgefordert hat, unsere Verträge neu zu gestalten und die Preisanpassungsmechanismen transparenter zu machen, haben wir uns Mühe gegeben, genau das zu tun. Damit mussten wir automatisch von den Bedingungen für die sogenannte Grundversorgung abweichen, die unabhängig vom Anbieter gesetzlich geregelt sind.
Nun hat der BGH argumentiert, dass wir die Normsonderkunden nicht schlechter stellen dürfen als Grundversorgungskunden. Das war in den Augen des Gerichts unser Fehler. Davon ist durchaus nicht nur die EWE betroffen: Bisher hat der BGH in jedem Fall, in dem Preisanpassungsklauseln aus Normsonderkundenverträgen verhandelt wurden, die entsprechenden Formulierungen für ungültig erklärt. Abseits dieser sehr juristischen und formalistischen Betrachtung haben wir in den vergangenen Jahren unsere Kunden immer zuverlässig und zu fairen Preisen mit Erdgas beliefert. Das kommt derzeit ein bisschen zu kurz. Und damit hat sich der BGH übrigens auch gar nicht beschäftigt.
An den heißen Sommertagen gab es Stunden, in denen die erneuerbaren Energien erstmals komplett den Strombedarf Deutschlands decken konnten. Brauchen wir überhaupt längere Atomlaufzeiten?
Wir kennen die Situationen, in denen erneuerbare Energien den gesamten Strombedarf decken, bestens. Bei uns an der Küste mit hohem Windaufkommen ereignet sich das schon seit längerer Zeit häufiger. Wir fördern aktiv, dass immer mehr Strom dezentral und aus erneuerbaren Energien erzeugt wird.
Die Herausforderung ist aber, mit den starken Schwankungen in der Verfügbarkeit von Wind und Sonne umzugehen. Die Menschen erwarten völlig zu Recht, zuverlässig rund um die Uhr mit Strom versorgt zu werden. Damit wir die Versorgungssicherheit auch mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien gewährleisten können, müssen wir viele dezentrale Erzeugungsanlagen sinnvoll miteinander verknüpfen. Dafür brauchen wir den Ausbau der Stromnetze und ein intelligentes Netzmanagement, das mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien effizient auf Schwankungen reagiert.
Auch Lösungen zur Speicherung von Strom müssen zügig vorangebracht werden. Wie schnell das gelingt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Politik verlässliche Rahmenbedingungen schafft und bürokratische Hürden abbaut. Bis es soweit ist, kommen wir nicht ohne konventionelle Grundlastkraftwerke aus – auch nicht ohne die Kernenergie.
Und was war die Überraschung der Woche?Eine Nachricht, bei der ich erst einmal schmunzeln musste, die man sich aber genauer ansehen sollte: Die Autobahngesellschaft Paris-Rhin-Rhône testet neu entwickelte Windräder, die den Fahrtwind vorbeifahrender Laster nutzen sollen, um vor Ort kleinere Stromverbraucher wie zum Beispiel Hinweisschilder zu betreiben.
So etwas mag skurril klingen, geht aber genau in die richtige Richtung: Wir können es uns nicht leisten, Energie zu verschwenden oder verfügbare Quellen nicht optimal zu nutzen. Das clevere Zusammenspiel von Energieeinsparung, Energieeffizienz und dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist die einzig sinnvolle Antwort auf die klima- und energiepolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Da sind Kreativität und Detailarbeit gefragt. In bin mal gespannt, was aus dem Projekt in Frankreich wird!
Die Schlagzeilen um 12 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde
Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]
Aktion des Monats In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr] | Durban 2011 Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen. [mehr] |
Neue Klimaretter-Serie
Die Gesetze der Energiewende
Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | In eigener Sache Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge
Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13






