Katholische Dienstwagen, solarer Wohlstand und Klimaschutz als Machtinstrument
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Professor Hartmut Graßl, Physiker und Meteorologe. Als einer der ersten deutschen Wissenschaftler warnte Graßl vor den Folgen des Klimawandels.
Graßls Woche
Herr Professor Graßl, mit Katar war erstmalig ein Ölland Gastgeber eines Weltklimagipfels. Ban Ki-moon will darin ein für den Klimaschutz erfreuliches Zeichen sehen. Ist der UN-Generalsekretär nur höflich oder steckt mehr dahinter?
Hartmut Graßl: Katar ist Spitzenreiter bei den Emissionen pro Kopf. Etwa das Fünffache an Kohlendioxid im Vergleich zu einem deutschen Bürger emittiert dort ein Einheimischer. Bisher war es fast unmöglich, in den arabischen Ölstaaten überhaupt über Klimaänderungen zu reden. Deshalb ist die Vertragsstaatenkonferenz Nr. 18 zur Klimarahmenkonvention dort schon ein Ereignis. Ich erinnere mich noch an den gescheiterten Versuch in meiner Zeit als Direktor des Weltklimaforschungsprogramms und Mitglied in der Initiative des Internationalen Rates der Wissenschaften, in den späten 1990er Jahren im Mittleren Osten ein Wissenschaftsnetzwerk zum Global Change System for Analysis, Research and Training (START) aufzubauen.
Allerdings zeigt die bisherige Verhandlungsführung Katars keinen starken Willen, ein vorzeigbares Ergebnis zu schaffen, wie das noch in Cancún 2010 und Durban 2011 durch die jeweiligen Regierungen der Fall war. Das in Cancún aufgestellte und in Durban gestärkte Zwei-Grad-Ziel ist nur zu erreichen, wenn die Menschheit den überwiegenden Teil der fossilen Brennstoffe in der Erdkruste lässt. Solange man den arabischen Ölländern nicht zeigen kann, dass ihr Sonnenenergiereichtum auch Wohlstand bieten kann, wird man ihre Unterstützung nicht finden.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) will mit dem Emirat Katar ein Klimainstitut aufbauen. PIK-Direktor Schellnhuber hofft auf eine "wirkliche Dynamik" für die Erneuerbaren in der Golfregion. Zu Recht?
Das Forschen allein bringt keinen Klimaschutz. Da wir für Entscheidungen zum Klimaschutz genug wissen, bringt ein neues zusätzliches Institut keine weiteren Handlungszwänge, außer einem höheren Bewusstsein in einem Ölland.
Der Klimaschutz kommt doch deshalb nicht wesentlich voran, weil die entscheidenden Nationen dieses Thema für ihre Machtpolitik vereinnahmt haben. Zuckt eines dieser großen Länder in Richtung Klimaschutz, wittern die andern, dass Klimaschutz zum Machtinstrument gemacht werden soll. Wenn allerdings entsprechend viel Geld für die Forschung zu den Folgen des Nichtstuns in das neue Institut gegeben würde, nützte es über die Region hinaus.
Am vergangenen Mittwoch, dem 5. Dezember, war Weltbodentag. 2002 von der International Union of Soil Sciences ins Leben gerufen, soll mit dem Gedenktag mehr Schutz des Bodens weltweit angemahnt werden. Eine gute Idee?
Böden sind die dünne Haut der Erde, die unsere Ernährung sichern. Auf vielen Millionen Quadratkilometern haben wir Böden degradiert oder überbaut, sodass wir bei weiter wachsender Bevölkerung und fehlender Ausweitung der Flächen jedem Acker pro Flächeneinheit mehr abringen müssen. Das ist bisher notdürftig gelungen, allerdings nur bei hohem Energieeinsatz, sodass die Landwirtschaft auch zu einem wesentlichen Teil zu den Klimaänderungen beiträgt.
Bodenschutz ist deshalb eine Überlebensversicherung, weil nur so die Fruchtbarkeit erhalten bleibt, mehr Kohlenstoff in den Böden gespeichert und die Ernährung gesichert werden kann. Der Weltagrarbericht von 2008 hat gezeigt, wie es klappen könnte, aber auch hier gibt es die Bremser, vor allem die Profiteure der industriellen Landwirtschaft, die Vorfahrt für den Flächenbezug (eine Großtiereinheit pro Hektar) nicht haben wollen. Im Westen und Norden unseres Landes haben wir – über die gesamte Fläche des Landkreises gemittelt – mit zehn bis zwölf überwiegend vom Ausland ernährten Großtiereinheiten jeden Flächenbezug verloren. Wegen der industriellen Landwirtschaftslobby kommt auch eine seit 2006 diskutierte Bodenschutzrichtlinie der EU nicht voran.
Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Die vielen roten Karten für die Würdenträger der beiden großen Kirchen wegen überdimensionierter Dienstwagen, insbesondere bei der katholischen Kirche. Wie soll besseres Umweltverhalten bei den Bürgern einziehen, wenn wir solche Vorbilder haben?
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Was Doha wert ist - Meinungen und Analysen
Doha Dezember 2012 - COP18
Doha-Countdown - Die Welt vor Doha
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
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Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
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Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Cancún-Countdown - Die Welt vor Cancún
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
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Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznań Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13



Der Petersberger Dialog ist beendet. Zwei Tage lang haben Minister aus 35 Staaten in Berlin darüber diskutiert, wie es in Hinblick auf den kommenden UN-Klimagipfel Ende November in Katar mit dem internationalen Klimaschutz weitergehen soll. Die Veranstaltung sei "konstruktiv und offen" verlaufen, findet Sven Harmeling, Teamleiter Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. Nun komme es darauf an, diesen Geist an den kommenden Vorbereitungsgipfel in Bangkok Ende August weiterzugeben.
Solarstrom aus der Wüste – das klingt ideal. Der Ertrag der Solarzellen ist im Sonnengürtel der Erde theoretisch mindestens doppelt so hoch wie in Mitteleuropa. Die Stromerzeugungskosten sinken im Süden unter die Hälfte – theoretisch. Praktisch aber ist die Wüste ein Fluch: extreme Hitze, Staub, Feuchtigkeit. In Doha testet der "Qatar Science and Technology Park" nun, wie Solarstrom unter extremen Wetterbedingungen am besten funktionieren kann – auch, damit das Versprechen für die Fußball-WM 2022 erfüllt werden kann.
Erstes Treffen des UN-Klimafonds findet derzeit in Genf statt
Heute beginnt in Bangkok die letzte Vorbereitungskonferenz für die Klimaverhandlungen Ende des Jahres in Doha. Trotz des - relativen - Erfolgs in Durban 2011 ist die Ausgangslage denkbar schwierig. Zuerst müssen die Scherben von dem Mai-Treffen in Bonn aufgekehrt werden, bevor es an die ganz großen Themen geht: Kyoto Zwei und die künftige Klimafinanzierung.
Bei den UN-Klimaverhandlungen in Bonn haben die Länder zwei Wochen gebraucht, um sich auf die Agenda zu einigen. Manche Entwicklungsländer haben noch Schwierigkeiten mit der Idee, dass nicht nur die Industriestaaten zu einer Begrenzung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet sind.
Nach einer Studie der Yale-Universität in den USA wissen junge Leute nur wenig über den Klimawandel. Die Weltbank will das ändern: Mit einem Wettbewerb für "Apps for Climate", um trockene Daten jugendkompatibel konkret und greifbar zu machen. Und mit dem Projekt Voice4Climate, zusammen mit dem Musiksender MTV.
Diesmal kommt der Alarmruf von der Weltbank: Selbst wenn die Staaten ihre bisher zugesagten Klimaschutz-Ziele einhalten, droht sich die Atmosphäre um mehr als drei Grad Celsius zu erwärmen. Vor allem warnt die jetzt veröffentlichte Weltbank-Studie davor, dass die "Kipp-Elemente" im Klimasystem anspringen könnten. Das hätte gravierende Auswirkungen.
Heute Abend endet die UN-Klimakonferenz in Bonn. Sven Harmeling von Germanwatch, der das zweiwöchige Treffen beobachtet hat, kritisiert den zähen Verhandlungsprozess und fordert von der EU, den Klimaschutz endlich entschlossener anzugehen.
Da hängen sie wieder: Greenpeace hatte sich vom Dach der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz abgeseilt, um Druck auf die Verhandler des Petersberger Dialoges zu machen. klimaretter.info sprach mit Greenpeace-Experte Martin Kaiser über die Erfolgsaussichten, Merkels Rede und die Zwei-Tonnen-Regel.
In gut einer Woche treffen sich die Klimadiplomaten in Bonn zu ihrer jährlichen Frühjahrstagung. Lösungen für die Klimakrise sind dabei nicht zu erwarten, genauso wenig wie auf der nächsten Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Polen. Soll man das ganze Konferenz- und Tagungswesen nicht besser abschaffen, weil dann zumindest offensichtlich würde, dass nichts geschieht? Darüber diskutierten Oliver Geden und Stefan Rahmstorf auf der taz-Veranstaltung "Klimakonferenzzirkus! Wie blöde ist das denn?" Teil 1: Der "Zirkus".
In Genf findet derzeit das erste Vorstandstreffen des Green Climate Fund statt, mit dem Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern finanziert werden sollen. Drei Tage wird über Verfahrensfragen verhandelt. Die wichtigen Fragen bleiben offen: Welcher der sechs Bewerber um den Sitz des Fonds - darunter Deutschland - den Zuschlag erhält? Und woher ab 2013 das Geld kommen soll? Linde Grießhaber von der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch warnt vor einer Lücke in der Klimafinanzierung.
Zwei-Grad-Ziel reicht nicht, sagen Wissenschaftler des PIK. Neue Erkenntnisse zeigen: Weltmeere speichern höhere Temperaturen weit länger als bisher gedacht
Einen Tag vor Beginn des Petersberger Klimadialogs in Berlin verkündet der Umweltminister die große Ernüchterung. Das Zwei-Grad-Ziel sei womöglich nicht zu schaffen, die Ziele der Energiewende seien vermutlich zu ambitioniert, die Bundesregierung habe Fehler gemacht und den Koordinierungsbedarf unterschätzt. SPD-Chef Gabriel spricht vom "Versagen der Koalition" und fordert die Einrichtung einer eigenständigen Energieagentur. Also alles auf Anfang?
Kalenderwoche 16: Der Wankelmut der Politik gefährdet eine zügige Energiewende, sagt Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens EWE und Herausgeber von klimaretter.info.
Der dritte Bodenschutzbericht der Bundesregierung kann nur wenige Fortschritte vermelden


