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Die FDP, Reststoffe und Großspender

Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Vorstand für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

LÜCKINGS WOCHE

Herr Lücking, Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und sein Wirtschaftskollege Philipp Rösler (FDP) haben sich in dieser Woche wieder nicht auf eine gemeinsame Linie zur Verbesserung der Energieeffizienz einigen können. Warum ist das so schwer? Eigentlich sind doch alle fürs Energiesparen?

Gero Lücking: Na: Spätestens jetzt wissen wir, dass eben nicht alle für das Energiesparen sind. Die FDP, insbesondere der Bundeswirtschaftsminister, sieht in allen Spar-, Effizienz- und Energiewendebemühungen einen Angriff auf den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Dabei ist es der FDP egal, dass sie vor knapp einem Jahr die Energiewende mit beschlossen hatte. All jene, die etwas zukunftsorientiert denken, sehen in Energieeffizienz und Energiewende Wachstums- und Innovationspotentiale für Wirtschaft und Gesellschaft. Die Energiewende ist das beste Konjunkturprogramm, das wir uns wünschen können.

Also einfach mal zurück gefragt: Was ist eine FDP, die der alten Ideologie folgt, das Wachstum und Wirtschaftskraft nur durch hohen Energieverbrauch erreichbar ist?

In Nürnberg läuft gerade die BioFach, die Fachmesse des Ökolandbaus. Der Anbauverband "Bioland" warnt davor, dass der Biogas-Boom den Ökobauern zunehmend Ackerflächen streitig mache. Andere Kritiker verweisen darauf, dass die Rohstoffe wie Mais oder Gülle oft aus Monokulturen bzw. Massentierhaltung stammen. Wie gewährleisten Sie bei Lichtblick eine umfassende Nachhaltigkeit Ihres Biogas-Produkts?

Wir haben auch Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen im Portfolio, setzen aber zum größten Anteil auf Biogas aus Reststoffen. Also auf Biogas aus Abfällen aus der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft. Diese ohnehin anfallenden Abfälle energetisch zu nutzen, macht in jedem Fall aus verschiedensten Gründen Sinn.

In der Tat scheint das EEG über die gewährten Vergütungen auch Fehlallokationen im Biogasbereich und in der Landwirtschaft zu bewirken. Diesen Fehlentwicklungen müsste wahrscheinlich durch ein sachgemäßes Kürzen der Vergütungen entgegen gewirkt werden ohne dabei die Ziele der Energiewende aufs Spiel zu setzen.

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen versuchen die drastischsten Solarkürzungen zu verhindern. Sind die ostdeutschen Länder stark genug dafür?


Ja, das wird klappen. Es sind ja nicht nur die ostdeutschen Länder sondern beispielsweise auch Bayern und weite Teile der FDP, die dem Kahlschlagvorschlag von ihrem eigenen Wirtschaftsminister und Parteivorsitzenden Rösler nicht folgen wollen.

Auch dieses Beispiel zeigt, dass Rösler völlig überfordert oder nicht willens ist, sich des Themas der Energiewende anzunehmen. Anstatt sich an die Spitze zu setzen und die  Moderation der Energiewende zu übernehmen, zieht er und sein Ministerium alte und verstaubte Politik aus der Schublade. Sie werden der aktuellen Situation in keinster Weise gerecht.

Rösler wird also schon wieder verlieren. Ich bin auch deshalb zuversichtlich, weil die Solarindustrie, mindestens ein in Nordrhein-Westfalen starkes Solarunternehmen, einer der größten - und vielleicht letzten - Großspender der FDP ist. Gute Strategie.

Sie meinen Solarworld. Ein anderer Player aus Nordrhein-Westfalen hat diese Woche für Furore gesorgt. RWE-Spitzenmanager Fritz Vahrenholt stellte ein klima"skeptisches" Buch vor, und die Medien – inklusive klimaretter.info - waren voll davon. Sollte man solchen Leuten eigentlich so viel Aufmerksamkeit schenken?

Es ist natürlich eine interessante Entwicklung, die Herr Vahrenholt nimmt. Vor ca. 25 Jahren schreibt er ein für die Umweltbewegung richtungsweisendes Buch über die Dioxingifte von Seveso. Dann propagiert er, dass die Atomkraft und die Windenergie eine angeblich geradezu ideale Symbiose bilden.

Hernach wechselt Vahrenholt zu einer RWE-Tochter, die mit Milliarden den Ausbau erneuerbarer Energien für RWE forcieren soll. Unterstellt man, dass er die Thesen seines Buches selber glaubt, kommt er jetzt nach jahrelangem Schuften zu dem Schluss, dass dies offenbar nur bedingt richtig war.

Vahrenholt scheint zu Dämmern, dass er sich – aus seiner Sicht – besser hätte bei der RWE-Braunkohletochter Rheinbraun engagieren sollen. Wie bitter muss das in diesem Alter sein, feststellen zu müssen, jahrelang bei der falschen Firma gearbeitet zu haben. Ich meine: Der Mann wird im Mai 63!

Traurig, wie man sich so komplett ins Abseits bugsieren kann.

Und was war für Sie die Überraschung der Woche?

Interessant sind die sehr gegenläufigen Preisentwicklungen auf den Energiemärkten. In Frankreich explodieren die Strompreise während der Kältewelle, in Deutschland stiegen sie bei gleicher Witterung allenfalls moderat. Wegen der Produktion von Sonnen- und Windstrom blieben die Preise hierzulande rund zwei- bis dreimal niedriger als im Atomnachbarland Frankreich.
Gleichzeitig stieg der Spritpreis - aufgrund steigender Ölpreise - auf historische Höchststände. Während steigende Spritpreise niemanden wirklich überraschen, sind die Strompreiseffekte der Erneuerbaren von keinem vorher so prognostiziert worden.

Schaun wir mal, welche Wettbewerbsvorteile uns die Erneuerbaren noch so bringen werden.

Fragen: alf

Kalenderwoche 3: Gero Lücking, Vorstand beim Ökostrom-Anbieter Lichtblick und Herausgeber von klimaretter.info, erinnert daran, dass ein gewisser Professor Klaus Töpfer das Hindernis der Energiewende gefunden hat: Philipp Rösler (FDP).


Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Vorstand für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

LÜCKINGS WOCHE

Herr Lücking, in der letzten Woche nahmen die Angriffe nicht nur auf die Solarförderung, sondern auf das gesamte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu. Überrascht es Sie, wie schnell die Gegner einer Energiewende wieder in der Offensive sind?

Gero Lücking: Lassen Sie uns nicht über die Gegner reden! Überraschend ist, dass diejenigen, die die Energiewende ausgerufen und beschlossen haben, jetzt nicht mit Lösungskonzepten kommen. Im Gegenteil sie kommen mit den alten Vorschlägen und Themen, die sie schon vor dem Beschluss der Energiewende gegen das EEG angeführt haben.

Die Branche selbst scheint sich zudem nach dem Schock des politischen U-Turns langsam wieder gesammelt zu haben und die Truppen in Stellung zu bringen. Auch hier wird nur von Problemen gesprochen, die angeblich nur durch einen deutlich verlangsamten Ausbau der Erneuerbaren gelöst werden können.

Wer ein Ziel erreichen will, schafft das nicht, wenn er bei auftretenden Probleme die Abschaffung des Ziels vorschlägt. So kommen wir nicht weiter. Es müssen jetzt grundsätzlich konzeptionell neue Wege beschritten werden. Das geht offensichtlich weder mit großen Teilen der etablierten Energiewirtschaft noch mit veralteten energiepolitischen Lösungsansätzen. Um die Energiewende erreichen zu können, brauchen wir neue Akteure und eine deutliche Stärkung des Wettbewerbs im Energiemarkt..

Sowohl Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) als auch der Chef des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, befürworten ein Quotenmodell für Erneuerbare statt des EEG. Wäre das ein gangbarer Weg – oder ein Rückschlag für die regenerativen Energien?

Wir brauchen langfristige Gesamtkonzepte. Einerseits muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien sichergestellt werden und andererseits ist es wichtig, die Integration der regenerativ erzeugten Energie-Mengen in den Markt zu gewährleisten. Fragen des Marktdesigns müssen diskutiert werden und in dem Zusammenhang natürlich auch die Frage, wie man das Subventionssystems des EEG marktwirtschaftlich umgestalten kann.

Dazu brauchen wir Konzepte, die den Ausbau weiter beschleunigen (nicht abwürgen). Die Diskussion ums Quotenmodell ist hinreichend geführt. Es wird nicht dazu beitragen, die beschlossene Energiewende zu erreichen. Herrn Rösler ist konzeptionslos und ihm fällt offensichtlich nichts ein. Professor Klaus Töpfer, Leiter der Ethikkommission, hat aus diesem Grunde diese Woche Herrn Rösler als Hindernis der Energiewende tituliert.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) schlägt kleinere Kürzungsschritte statt halbjährliche Förderreduzierungen für die Photovoltaik vor. Damit, so hofft der BSW, könnten sogenannte Endrallyes vermieden werden, bei der potenzielle Käufer unmittelbar vor der nächsten großen Kürzungsrunde noch hektisch ans Netz anschließen. Glauben Sie, dass damit der Solarausbau zukünftig in der vom Bundesumweltministerium gewünschten Größenordnung von drei Gigawatt jährlich bleibt?

Es ist bemerkenswert, das im letzten Jahr trotz deutlich gekürzter Fördersätze mit 7,4 Gigawatt Zubau wiederum ein Rekordjahr erreicht wurde. Das ist sicherlich einerseits der Vertriebsleistung der Solarunternehmen zu zurechnen. Andererseits zeigt es aber den ungebrochenen Wunsch der Kunden und tausender Investoren, selber sauberen Strom erzeugen und damit die Energiewende voran treiben zu wollen.

Dass sie damit auch Geld verdienen, ist nicht verwerflich. Damit wurde innerhalb eines Jahres eine Kraftwerksleistung aufgebaut, die so viel Strom erzeugt, wie ein Atomkraftwerk. Von den acht im März letzten Jahres stillgelegten Atomkraftwerken ist also eines bereits ersetzt.

Das, was hochbezahlten Projektingenieueren in zehn Jahren nur schwer gelingt, nämlich ein Großkraftwerk zu beplanen und ans Netz zu bringen, gelingt vielen Tausend Menschen mit der Installation von PV-Anlagen auf ihren Garagen-, Scheunen- und Hausdächern binnen eines Jahres! Dieses Beispiel zeigt die Dynamik des Umbruchs im Energiemarkt. Eon, RWE und Vattenfall finden einfach nicht mehr statt.

Da Solarstrom bereits billiger erzeugt werden kann, als Strom von seinem Stromanbieter zu kaufen, tritt auch die Bedeutung der EEG-Vergütung in den Hintergrund. Die Wirtschaftlichkeit aus dem Markt heraus ist aus Kundensicht gegeben, weiteren Rekordjahren steht nichts im Weg. Denn der Kunde wird auch in Zukunft seine Vorstellungen von der Energiewende auch ohne Rösler & Co. wirtschaftlich umsetzen können. Und deshalb greift auch die Diskussion um Netzausbau und Quotenmodell zu kurz. Wir brauchen Konzepte, wie wir bei einer solchen Ausbaudynamik Netzstabilität und Versorgungssicherheit weiterhin gewährleisten können.

Hubert Aulich, Vorsitzender des Forschungsverbundes Solarvalley Mitteldeutschland, fordert die Erhebung von Strafzöllen für chinesische Solarmodule wegen Wettbewerbsverzerrungen. Was halten Sie davon?

Davon halte ich nichts. Allgemein gesprochen: Wer im Wettbewerb nicht besteht, macht etwas falsch. Er muss entweder besser werden oder sich umorientieren und schauen, wo er seine Stärke wettbewerbsfähig und gewinnbringend platzieren kann. Wenn es so ist, dass chinesische Module günstiger sind und wir hier nicht mithalten können, dann müssen wir eben andere Dinge zur Umsetzung der Energiewende beitragen.

Das Themenfeld ist so riesig, dass genügend Potential für den Standort Deutschland und die hiesige Industrie vorhanden ist. So wie wir auch keine Grundig-Fernseher oder Kodak-Filme mehr kaufen, so kaufen wir vermutlich bald auch keine deutschen Solarmodule mehr. Trotzdem werden die Ingenieure, Physiker und Techniker, die vor zwanzig Jahren die Fotovoltaik – auch Dank des EEG - aus Deutschland heraus erforscht und weltweit massenmarktreif gemacht haben, dringend gebraucht werden.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Die Bundesregierung hat diese Woche ein Programm zur Förderung von kleinen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen aufgelegt. Damit erhalten Kunden und Investoren nochmals eine dringende Unterstützung. Das ist gut für die Erhöhung der Energieeffizienz und für das Erreichen der Energiewende. Das was Herr Röttgen unmittelbar nach seinem Amtseintritt abgeschafft hat, hat er jetzt wieder neu aufgelegt.

Das ist doch mal ermutigende Nachricht!

Fragen: mare
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