Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann
Immer wieder samstags: Unsere fünf Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Matthias Willenbacher, Gründer von juwi und ausgezeichnet als Greentech Manager des Jahres 2009.
Willenbachers Woche

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Neuinstallation von Solaranlagen deckeln: Es sollen lediglich Anlagen mit einer Leistung von 1.000 Megawatt jährlich noch über den Einspeisetarif gefördert werden. Vom Förderer zum Bremser: Es scheint, als verkehre sich das Erneuerbare Energien-Gesetz bei der Sonnenkraft in sein Gegenteil. Brauchen wir eine Alternative? Falls ja: welche?
Nein, wir brauchen keine Alternative, aber natürlich müssen wir auch Gesetze wie das EEG kontinuierlich weiterentwickeln. Was aber dank Herrn Rösler gegenwärtig unter dem Schlagwort „Solarbashing“ durch Deutschland geistert, ist eine Mischung aus Neid, Unwissenheit und politischem Kalkül. Nicht die bundesdeutsche Solarförderung wird den Stromkunden in Zukunft belasten, sondern die weiter steigenden Kosten für fossile Energieträger.
Erst das EEG hat dazu geführt, dass erneuerbare Energien überhaupt eine Chance haben im unfairen Wettbewerb mit konventionellen Energien. Die Solarförderung innerhalb des EEG wiederum hat bewirkt, dass Sonnenstrom heute nur noch halb so teuer ist wie vor drei Jahren. Ein großer Erfolg mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Gerade mal sieben Euro pro Monat kostet den durchschnittlichen deutschen Vierpersonenhaushalt der Sonnenstrom. Das sind zwei Latte Macchiato im Pappbecher. Soviel sollte uns eine lebenswerte Zukunft wert sein.
Stiftung Warentest hat Ökostrom-Tarife untersucht und festgestellt, dass viele dieser Tarife weder die Energiewende voran bringen, noch dem Klima nützen. Nach unseren Recherchen wurden zum Stichtag 1.1.2011 zwar 3,7 Millionen Haushalte in Deutschland mit Ökostrom beliefert, aber nur knapp 9 Prozent mit "echtem" Grünstrom, der die Energiewende voran bringt. Gibt es zu wenig Aufklärung? Was könnte helfen?
Das ist ein großes Problem. Da wird dreckiger Kohle- und Atomstrom mal kurzerhand in Ökostrom umetikettiert – dem Renewable Energy Certificate System sei Dank. Der sogenannte Ökostrom kommt dann zum Beispiel virtuell aus Wasserkraftwerken in Norwegen. Nicht ein Cent geht in den Ausbau der erneuerbaren Energien hierzulande. Wie Stiftung Warentest zeigt, sind die Energieriesen RWE, Vattenfall und EnBW wieder einmal Spitzenreiter, wenn es darum geht, die Verbraucher hinters Licht zu führen und abzuzocken.
Hier schafft nur Transparenz Abhilfe. Es sollte für Ökostromtarife ein verbindliches Gütesiegel geben, aus dem hervorgeht, aus welchen Energien sich der grüne Strom zusammensetzt und vor allem, wo er produziert wird. Wer bis dahin den Ausbau der erneuerbaren Energien hierzulande fördern möchte, dem bleibt nur eines: Stromanbieter wechseln. Und zwar zu den unabhängigen Ökostromanbietern EWS Schönau, Lichtblick, Naturstrom und Greenpeace Energy. Hier ist der Ökostrom keine Mogelpackung und die Verbraucher können aktiv in die Energiewirtschaft eingreifen. Ganz nach dem Motto: Energiewende selbst gemacht.
Und was war für Sie die Überraschung der Woche?
Diese Woche hat mich insbesondere die Ignoranz eines gewissen Herrn Großmann überrascht. Als Vorstandsvorsitzender von RWE müsste er doch wissen, dass wir, sollte er weiter so viel Dreck mit seinen Braunkohleschleudern produzieren, bald tatsächlich hervorragend Ananas in Alaska züchten können. Doch das ist nicht die einzige Tatsache, die Herr Großmann wohlwollend ignoriert. Schon heute produzieren Solaranlagen auf dem Dach Strom, der günstiger ist als der Haushaltsstromtarif. Photovoltaik-Freiflächenanlagen sind längst günstiger als die teuren Offshore-Windparks in der Ostsee. Die Frage ist doch: Weiß Herr Großmann das tatsächlich nicht oder verfolgt er mit seinem Vergleich ein ganz anderes Ziel? Zum Beispiel seine Drecksschleudern noch viel länger mit ganz viel Gewinn betreiben zu können.
Fragen: reni
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