Ruck-Zuck bei siebzig Sachen
Zimpels Bewegungsmelder
Als Bewegungsmelderin sollte man sich doch mal mit Elektromobilität beschäftigen. Ich bin also los zu diversen Testfahrten mit E-Bikes und E-Cars.
Als langjährige Motorradfahrerin ist meine erste Adresse natürlich eine Motorradmesse. Eine eigene Halle für E-Bikes verspricht eine Menge Spaß, wild mit Fähnchen wedelnde Sicherheitskräfte und blaue Flecken.
Das erste Gerät sieht aus wie ein etwas groß geratenes Bonanza-Rad aus meinen wilden Siebziger- und Achtziger Jahren. Der Typ hinterm Tresen guckt so cool wie Marlon Brando und James Dean zusammen, aus den Lautsprechern wabert undefinierbare Seifenblasenmusik. Muss ja mächtig hip sein, dieses E-Biken.
Wäre da nicht diese quietschneongrüne Lackierung. Wenn man das Ding schon nicht hört, dann soll die Farbe wenigstens blenden, denk ich, schwing mich möglichst ebenso cool wie der Verkäufer guckt auf die Sitzbank und dreh erst mal kräftig am rechten Griff. Erstes Ziel erreicht: die Sicherheitskräfte wedeln wild mit ihren Fähnchen und lotsen mich weg vom Messestand auf einen Parcours.
Gas oder Bremse und ein bisschen lenken, mehr ist nicht zu tun. Nur die Abrollgeräusche und ein bisschen Fahrtwind sagen mir, dass ich ziemlich schnell sein muss. Ruckizucki fahre ich fünfzig, dann siebzig Sachen und das ohne zu schalten. Wow. Die Reifen sind noch nicht eingefahren und man liegt etwas eierig in den Kurven. Aber das Fahrwerk ist ok und die Beschleunigung echt umwerfend. Das kenne ich bisher von keinem Verbrennungsmotor - und ich bin schon einige böse Spritschlucker gefahren.
Zurück am Messestand ist man froh über die fast unmerkliche kleine Schramme am Lenkerende, die beim Touchieren eines Wende-Pylons entstand. Man sei ja gut versichert, ist ja alles teuer genug so eine Messe, da habe man sich auch die Versicherung gegönnt, tröstet James Brando. Jau, denke ich, recht habt Ihr. "Jetzt will ich aber auch das da ausprobieren" und zeige auf eine spinnenartige Konstruktion, die man in den Kofferraum eines Smart falten kann.
Da bin ich die ganze Zeit schon scharf drauf. Lauter großgewachsene Männer haben sich an dem Ding schon versucht und sind gescheitert. Hinten ein großes Rad, vorne ein kleines. Eine winzige Sitzbank. Der Lenker windet sich hinter dem Körper her und man fasst die Lenkerenden rechts und links in Hüfthöhe. Nur ein perfektes ausbalancieren des Körpers verspricht Erfolg. Der Sinn eines solchen Geräts ist mir zwar schleierhaft, aber es löst ein Haben-Wollen aus.
Der gerade noch coole Verkäufer kriegt Gesichtsschwitzen und will mir eine Art Hollandrad mit Einkaufstaschen schmackhaft machen. Das sei das Frauenmodell. Man könne den ganzen Einkauf unterbringen und an den Lenker kommt der Kindersitz. So so. Ich will aber weder einkaufen noch fremder Leute Kinder durch die Gegend kutschieren, sondern Spaß haben. Das ist doch der einzige Sinn eines E-Bikes. Erst wenn man es schafft, die Spaßgesellschaft zu überzeugen, dann ist dem Klima geholfen.
Ich stelle mir vor, die Schuhmachers und wie sie alle heißen, fahren mit dieser E-Beschleunigung! Und aus diversen Rings-um-Boxen kommt das Wrömm, was den Motorsport so nervig macht, aber zur Leidenschaft gehört wie Dirty-Talk zum Sex.
Unsere Diskussion wird am Ende doch noch einmal laut. Beim Thema Reichweite will der Marlon Dean-Verschnitt mir verkaufen, dass der deutsche Bundesbürger statistisch gesehen quasi nur rund 12 km am Tag fahre. Zwölf Kilometer kann man auch Fahrrad fahren meine ich, dafür brauche ich kein E-Bike.
Auch das Aufladen ist so eine Sache. Will man den Akku möglichst schonend aufladen, geht das zwar an einer normalen Steckdose. Ich überlege nur, wie ich meinem Vermieter klar mache, dass ich ab sofort mein E-Bike im Hausflur parke, weil ich es nachts laden muss.
Allein die Kosten finde ich noch überzeugend: für rund 60 Cent bekomme ich eine Ladung, mit der ich dann 100 km fahren kann. Das nenne ich mal sauber!
Nächstes Mal berichte ich von meiner Fahrt mit dem Tesla Roadster. Das ist ganz großes Kino. Verspricht Eure Bewegungsmelderin
Sabine Zimpel ist Campagnerin. Mehr erfahren Sie hier
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