Ein Kreuz für den Atomausstieg
Zimpels Bewegungsmelder
In Berlin mögen die Großkopferten sitzen und sich wichtig finden. Aber huhu! Winke, winke aus der Provinz: Tief im Westen liegt das größte Bundesland. Wer hier regiert, entscheidet auch in Berlin. Die Mehrheit des Bundesrates steht bei der Landtagswahl am Sonntag zur Disposition. Verschiebt die sich, kann die noch nicht mal einjährige schwarz-gelbe Koalition in Berlin einpacken.
Das spricht sich sogar bis ins Reich der Mitte herum: Der Landtag ist fest in der Hand der Medien. Wo sonst (mindestens bis Sonntag) mehrheitlich liberale und christdemokratische Hintern platt gedrückt werden, stehen am Sonntag über 1.000 Journalisten aus aller Welt, inclusive dem chinesischen Staatsfernsehen. Alle wollen sie live darüber berichten, ob sich künftig vielleicht grüne und rote Hintern mehrheitlich platt drücken lassen – jedenfalls: wer es denn nun mit wem macht.
Der Klatsch-und-Tratsch-Effekt hat den Sozis schon einmal das Genick gebrochen. Hannlore Kraft macht eine wählbare Figur, aber wenn sie sich so blöd anstellt, wie Ypsi-Gypsi einst in Hessen, wird sie wohl gelyncht. Wir hier an Rhein und Ruhr, in Ostwestfalen, im Sauer- und Münsterland sind nachtragend und lassen uns die Zukunft nicht versauen. Wir haben die Schnauze voll von „hier noch ein kleines Kohlekraftwerkchen in Lünen, da noch einen kleinen Kohlehafen am Rhein und mit einem gönnerhaften Lächeln „Ihr wollt das doch auch!“ schwupps - wird die Laufzeit der AKWs wieder verlängert. Nix da!
Man kann ja hadern mit den Grünen, von wegen Kosovo und HartzIV und anderen Sauereien. Aber am Sonntag müsst ihr ein klares Kreuz für den Atomausstieg setzen. Und das geht nur mit einem Roten Kreuz bei der Erststimme und einem Grünen Kreuz bei der Zweitstimme. Das könnte knapp reichen, dass die beiden es miteinander machen.
Nur mit den Linken will keiner machen.
Ich meine, naja, stimmt ja auch irgendwie. Wer will schon mit denen spielen? Sammeln sich doch dort die, die man woanders auch schon nicht haben wollte. Lauter Langzeitarbeitslose und Rentner, Alleinerziehende und ein paar ewig-gestrige Dunkelrote. „Die herrschende Klasse“ und anderes seniles Gebrabbel - Worte, die man nur aus dem Geschichtsunterricht kennt, werden bei denen benutzt, als wären sie real.
Zugegeben: der eine oder andere richtig tolle und vor allen Dingen nachhaltig denkende Mensch ist mir bei den Dunkelroten auch schon begegnet. Aber was eigentlich wollen die richtig tollen Menschen bei den Dunkelroten? Das linke Fussvolk klebt der eigenen Partei wie ein altes Kaugummi am Schuh. Peinlich sind sie, wie sie sich hier in NRW bei ihren Versammlungen prügeln und anspucken. NRW ist zu wichtig, als das wir diese alten Kaugummis in unser Parlament - geschweige denn an Regierungsverantwortung lassen.
Schon einmal hat die Wahl in NRW die Regierung in Berlin gekippt. 2005 haben die Intrigen gegen Fischer, Volmer und Co. Erfolg gehabt, die Medien haben mitgespielt und die Landesgrünen waren zu blöd, die Strategien der konservativen Kräfte zu durchschauen. NRW wurde schwarz-gelb, die Bundesregierung musste Konsequenzen ziehen und es gab vorzeitig auf.
Damals lief alles in die falsche Richtung. Aber am Sonntag kann das korrigiert werden: Die CDU ist zu blöd, Rüttgers Honorare unauffällig zu verbuchen und Westerwelle traumwandelt durch die Weltgeschichte. Sowas merken sich die Leute hier. Wir wissen genau, wer uns in eine nachhaltige Zukunft mit Sonne und Wind führt und wer an den Geld-Druckmaschinen für Konzern-Bosse fest hält.
Also Leute an Rhein und Ruhr, in Ostwestfalen und im Münsterland, liebe Sauerländer aufgewacht! Laßt uns denen in Berlin ein Kreuz durch die Rechnung machen. Am Sonntag. Ein Kreuz für den Atomausstieg!
Sabine Zimpel ist Campaignerin
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