Klimaretter-Konspiration am Scharmützelsee
Zimpels Bewegungsmelder
Eine halbe Stunde südöstlich von Berlin steht Scheffe’s Datscha. Großstädters Traum bietet Platz für die gesamte Klimaretter-Bande und ihre wilden Ideen. Das ist auch nötig. 15 Klimaretter sind gekommen mit vielen Ideen, für die im Redaktionsalltag wenig Raum ist.
So also sehen sie in echt aus: Langhaarige, unrasierte Männer und vielfach-Mütter mischen sich mit modernen, individuellen Lebensentwürfen. Von Hause aus Wirtschafts-, Natur-, und Kulturwissenschaftler eint sie das gemeinsame Arbeiten am Onlinemagazin - als Redakteure, Fotografen und Gesellschafter, jedenfalls als Visionäre. Und als i-Tüpfelchen die schöne Fee, die Herrin des Hauses, die ab- und zu vorbei schwebt und uns ein warmes Gefühl des Willkommen-Seins vermittelt.
Zu essen gibt es natürlich nur Bio-Kram und lecker selbst gekochtes. Nur beim Alkohol greift man auf altbewährte Dickschädelmacher aus konventioneller Brauerei zurück.
Ein Wochenende nur für uns. Teambuilding und so. Jahresrückblick und Pläne schmieden für 2010. Wie werden wir besser, schneller und interessanter? Wie binden wir unsere User, unsere Geschäftspartner und unsere Mitarbeiter? Wo geht’s hin mit uns?
Hochgesteckte Ziele, welcher ist der beste Weg dort hin? Bei uns Klimarettern ist nicht der Weg das Ziel. Das Ziel ist das Ziel. Das kenne ich schon von meiner Ausbildung bei Greenpeace: da will man nicht hören, was man alles probiert hat und was irgendwie dann doch nicht funktioniert. Nur das Ergebnis zählt. Richtig so.
Das Kopenhagen-Team steht: mit 7 Leuten fahren wir zum Klimagipfel. Die ersten Aufträge sind bei uns gebucht. Überhaupt kann man sich weder über die Klimaretter-Arbeit beschweren noch über ihre Geschäftstüchtigkeit. Unser Projekt trägt erste Früchte: Anerkennung durch Preisverleihungen, wir werden als Nachrichtenquelle zitiert und sind auch sonst in aller Munde. Da wird man ja schon ein bisschen Stolz, ein bisschen dazu zu gehören…
Aber spätestens beim abendlichen Krimi-Spiel zeigen sich die wahren Gesichter. Nachts um zwei erhärtet sich der Verdacht, dass bei den Klimarettern mehr Mörder als Opfer im Raum sind. Naja, irgendwie wäre hier wohl jeder gerne mal ein Mörder. Nachdem wir den ganzen Tag lieb zueinander waren und die wenigen Konflikte im Konsens gelöst haben, verdächtigt nun jeder jeden - beim "Werwolfspiel". Aufgehoben sind sie, die Allianzen und die Ehen. Langjährige Freundschaften haben hier keinen Wert. Wie im richtigen Leben.
Wäre es nicht gar so gemein, aus dem inbrünstig gesungenem "Mi-Ma-Meuchel-Mord" könnte noch eine geheime Klimaretter-Hymne werden. Immer poltical-correct-sein ist langweilig und das, das passt nun wirklich nicht zu uns.
Zwei Tage straffes Programm, tausende Kilometer An- und Abreise, wenig Schlaf, viel Gequassel. Übrig bleibt ein Gefühl wie nach einem langen Waldlauf, querfeldein. Ein zufriedenes Lächeln und: Ein immer stärker werdendes Band. Klimaretter ist man ja schließlich nicht für Geld. Klimaretter ist man, damit es solche Wochenenden noch gibt.
Sabine Zimpel ist Campaignerin
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