What shall we do with a drunken sailor?
Zimpels Bewegungsmelder
Ahoi! Die Piratenpartei braust auf. Und zwar auf bis zu 6 Prozent in Berlin
Friedrichshain-Kreuzberg. Mit über 850.000 einäugigen Frauen und Männern
an den Rudern brausen sie zwar nicht in den Bundestag, aber auf unseren
Radarschirm.
Ich frag mich ja, warum die so sexy sind. Much more sexy als die Grünen, die immerhin das gleiche fordern wie die Piratenpartei und noch 'ne Schippe drauf. Das kann ja nun nicht nur an Roth's Haartracht und Özdemir's Koteletten liegen, dass die Piraten Säcke voller Grüner Stimmen erbeuten.
Die schwarze Augenklappe scheint aber leider so manches Thema zu verdecken. Und das, was das eine Auge noch sieht, scheint nicht ganz klar. Wie war das jetzt? Datenschutz oder Datenpiraterie? Also mal ganz langsam. Deine und meine privaten Daten soll nicht jeder sehen oder womöglich für sich nutzen dürfen. Aber die Auslegung "geistigen Eigentums" gehört modern definiert. Nicht Einzelne sollen sich bereichern - stattdessen soll jedermensch privat alles kostenlos nutzen dürfen. Das macht zwar eine gewisse Neuordnung unserer Wirtschaftssysteme notwendig, erfüllt aber auch Deine und meine Träume des Teilens.
Auf der Suche nach klimaschutzrelevanten Themen fühlt man leider nur ein laues Lüftchen auf den sieben Weltmeeren. Genau genommen schippert die Piratenpartei ja auch nicht auf den Weltmeeren, sondern auf unseren bundesdeutschen Gewässern.
Dabei gehören doch auch die großen internationalen Energiekonzerne ins Fadenkreuz, die sich gerne inkognito in unseren Internet-Foren tummeln und versuchen Stimmung gegen Erneuerbare Energien zu machen. Jaja, schon gut. Da wo Überwachung uns nutzt, machen wir selber mit: bei dubiosen Mitteilungen checkt man schnell mal die IP-Adresse. Kombiniert mit diversen Informationsrechten und geschulten Recherchefähigkeiten dauert es nicht lange, bis man weiß, wer da so ungeschickt im Forum rumstänkert.
Bei uns Klimarettern kommt das genauso so vor, wie bei progressiven Grünen Kandidaten oder anderen, die irgendwie im Weg sind. Nicht lange ist es her, da ist ein großer Schweizer Konzern aufgeflogen, weil sie eine Attac-Gruppe abgehört und Detektive auf den Hals gehetzt hat.
Andererseits kam man bei der "Sauerlandgruppe" erst kürzlich an die Laptop-Dateien der Täter, weil den Ermittlungsbehörden das technische Know-how, Mittel und Fachleute fehlten. Hätten sie doch mal die privaten Ermittler gefragt. Oder bei C.S.I. New York, Miami oder Boston.
Als Organisatorin von Protest-Ereignissen und auch als Journalistin braucht man einiges an technischem Kram und nicht selten ist man besser ausgerüstet als der deutsche Staatsbedienstete: eine nicht registrierte Sim-Karte ist ebenso Mindest-Standard wie das verschlüsselte Mailen über mehrere hintereinander geschaltete Server auf den Bahamas, Tuvalu und sonstwo.
Aber zurück zum Klimaschutz bei der Piratenpartei:
Hey ho Piraten! Eure Forderungen gehen schon in eine richtige Richtung: Aber die Ablehnung von Gentechnik in der Landwirtschaft ist auch ein wirtschaftliches, auch ein gesundheits-, auch ein außenpolitisches und erst recht ein klimaschutzpolitisches Thema. Und das ist nur ein Beispiel von vielen in Eurem Programm.
Also ran an die Ausarbeitung Eurer Forderungen! In 4 Jahren wollen wir Klimaretter die Piratenpartei wählen können. Nicht, dass es dann heißt "What shall we do with the drunken sailor?"
Sabine Zimpel ist Campaignerin
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