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Finnland: Strahlendes Vorbild

Hanno Böck ist nicht Sabine Zimpel: Unsere Bewegungsmelderin Sabine Zimpel weilt gerade im Urlaub. Eingesprungen ist Kollege  Hanno Böck. Der schlägt in diesem Sommer seine Zelte bei verschiedenen Klimacamps in Europa auf. Diesmal schreibt er aus Finnland, wo vom 20. bis zum 26. Juli das Nuclear Climate Camp stattfand. 

   Zimpels Bewegungsmelder

hanno2.jpgDiskutiert man momentan über Atomkraftwerke, speziell in Deutschland, wird einem entgegengehalten, es gäbe eine Renaissance der Atomenergie, weltweit würde man darauf setzen, Deutschland sei isoliert das einzige Land, welches das noch nicht eingesehen habe. Die angeblich irrationale Angst vor der Atomenergie sei eine deutsche Besonderheit, die sonst niemand auf der Welt verstehen würde.

Während die Phantasien über eine weltweite Renaissance von Atomkraftwerken zumindest im Moment fast überall nur aus Ankündigungen besteht, baut man in Finnland (und in Frankreich) tatsächlich ein neues Atomkraftwerk. Der Euroreaktor EPR, ein Gemeinschaftsprojekt von Siemens und Areva (vormals Framatome), der schon in den 90ern als Kraftwerk einer neuen Generation und als „inhärent sicher" propagiert wurde (davon ist man aber längst wieder abgekommen) und für den es auch in Deutschland schon konkrete Standortvorschläge gab, wird das erste mal weltweit tatsächlich gebaut.

Finnland, ein Land, das technisch modern ist, in dem die Masse der Bevölkerung schon Handys besaß, als das anderswo noch als exotisch galt. Gleichzeitig aber auch ein Land mit unberührter Natur und voller Naturverbundenheit. Ein ideales Bild als für das Image der „sauberen", „klimafreundlichen" Atomenergie. Und dort baut man nicht nur das neue Kraftwerk in Olkiluoto, Finnland will - trotz der Pannen und inzwischen dreijährigen Verzögerung - weitere AKWs errichten. Und im bevölkerungsarmen Norden des Landes lockt der potentielle Uranabbau Investoren an.

Dabei ist die Zustimmung in Finnland längst nicht so eindeutig, wie es medial erscheint. Auch hier gibt es regelmäßig Umfragen, in denen sich eine Mehrheit der Bevölkerung gegen Atomenergie ausspricht. Im politischen Spektrum findet das jedoch praktisch keinen Niederschlag - selbst die finnischen Grünen, die einst eine Koalition wegen dem Bau von Olkiluoto 3 gebrochen haben, haben sich sehr stark von der dortigen Anti-AKW-Bewegung entfernt.

Die finnischen Anti-AKW-AktivistInnen riefen nun für diesen Sommer zum Nuclear-Climate-Camp auf - in Tervola, einer kleinen Gemeinde, in deren Umland Uranvorkommen zu finden sind. Etwa hundert Menschen, davon viele aus dem Ausland. Bei einer Protestaktion im nahegelegenen Simo, einem potentiellen Standort für ein neues Atomkraftwerk des Firmenkonsortiums Fennovoima (u. a. E-ON) stellte sich der Bürgermeister Esko Tavia der Diskussion mit den DemonstrantInnen - die Gemeinde hat sich für den Bau des AKWs ausgesprochen. Im Hintergrund hängt ein übergroßes Transparent am Rathaus von Simo - „Myyty Uraani-Kapitalismille" (Verkauft an den Uran-Kapitalismus).

Anschließend trifft man mit Fischern aus der Gegend zusammen, die sich gegen den Bau des Kraftwerks engagieren. Für Irritation bei den AktivistInnen sorgt, dass einer der Fischer betont, nicht gegen Atomkraft an sich zu sein, aber hier dürfe es kein AKW geben, weil die einmaligen Lachsbestände gefährdet seien. Allerdings, das sei hier angemerkt, fand er damit sicher nicht die Zustimmung seiner Mitstreiter. Auf die Frage, ob man sich auch Blockaden vorstellen könne, kam zumindest ein verhaltenes „maybe" (vielleicht).

Das Thema „Klima" fand mit einem eigenen Thementag seinen Niederschlag im Camp. Hier, wie wohl gerade überall, wo der bevorstehende Gipfel von Kopenhagen das Thema unter KlimaschutzaktivistInnen ist, dominierte die Debatte darum, ob man den UNFCCC-Prozess der Klimakonferenzen kritisch begleiten oder ablehnen solle - ein Vertreter einer russischen NGO berichtete von seinen Erfahrungen in den Verhandlungen und musste viel Kritik einstecken.

Im Kontakt mit der lokalen Bevölkerung wurde klar, dass zumindest beim Thema Uranabbau durchaus Potential für Proteste vorhanden ist. Bei einer Demonstration in Kemi fragten viele Passanten, warum sie nichts von der Aktion mitbekommen hätten. Die meisten Menschen aus der lokalen Bevölkerung begegneten dem Camp mit Sympathie. Der Uranabbau könnte das Thema sein, das in Finnland die Debatte um Atomenergie zum Kippen bringt. Das Camp war ein Ort, an dem viele Kontakte geknüpft wurden - es wird sich zeigen, ob diese in Zukunft dazu führen, dass es auch in Finnland eine wahrnehmbare Anti-Atom-Bewegung gibt, die dem international gerne gezeichneten Bild vom atomfreundlichen Finnland etwas entgegensetzt.

 

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