Geschäftsfuzzis und Kegelschwestern
Zimpels Bewegungsmelder
Gestern auf dem Heimweg von der Redaktionssitzung habe ich mich mal wieder
gefragt, warum ich mir das immer und immer wieder antue. Öffentliche
Verkehrsmittel nutzen.
Sie wissen schon: die Dinger, die immer zu spät kommen, in denen einem wahlweise vom Angstschweiß des Sitznachbarn (ICE-Strecke vom Börsenstandort Frankfurt), von den qualmenden Bremsen, von heimlich auf dem Klo rauchenden Fahrgästen oder von den Hühnersuppen des Bordbistros schlecht wird.
Die Dinger heißen ICE, IC oder EC. Und die Fahrten kosten selbst mit Bahncard 50 immer noch so viel, dass ich billiger mit dem Auto nach Berlin und zurück komme. Darf ich aber nicht, Auto fahren. Das ist nämlich nicht gut für das Klima und dann muss man sich immer rechtfertigen: "Jaa, nee, weißt Du... ich hatte was zu transportieren." Das wird meistens akzeptiert.
"Ist der gemeine Bahnfahrer ein Abbild der Gesellschaft?", habe ich mich gestern wieder gefragt. Nimmt diese Gesellschaft denn alles einfach so hin? In den Umweltministerien wird ja auch mehr von Anpassungsstrategien an den Klimawandel statt von Verhinderung geredet. Aber muss man sich denn an alles gewöhnen?
Kreischende Kinder, die sich verständlicherweise langweilen, die man aber ertragen muss, weil sie mal unsere Rente zahlen sollen und weil man ja nicht öffentlich als kinderfeindlich gelten will (tatsächlich aber ist).
Im Angebot auch: Kreischende Kegelschwestern, die aus dem beschaulichen Ostwestfalenlippe losgelassen werden, zum Kegelausflug in die große Hauptstadt. Hui!
Da ist der ins Handy brüllende Geschäftsfuzzi noch erträglicher -- der stinkt nicht auch noch nach Alkohol und heimlich gerauchten Zigaretten.
Ganz beliebt in meiner Skala der liebsten Sitznachbarn: Bundeswehrverpflichtete. Kleine Jungs, die für die Heimfahrt keine frische Wäsche mehr hatten, die Dosenbier trinkend möglichst laute, basslastige Musik hören.
Nach über 4 Stunden Bahnfahrt sind meine Nerven dann wieder einmal so durch, dass ich schwöre, nie wieder in einen ICE zu steigen und meine Bahncard 50 öffentlich zu verbrennen.
Aber: Auto fahren ist böse, Bahnfahren ist gut. Für die Umwelt, für den Klimaschutz. Nur an meinen persönlichen Klimaschutz denkt mal wieder niemand.
Sabine Zimpel ist Campaignerin
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