Irgendwie sind alle so glücklich hier
Zimpels Bewegungsmelder
Chakka! Schon der vierte McPlanet und wieder ist es ein großer Erfolg! Mit einer Prise Krise und Diskussionen um den „Green New Deal“ hat man auch mal was Neues im Programm. Klar, die Probleme sind ansonsten die alten. Die uralten, um genau zu sein. Atom lässt grüßen. Ansonsten ist man glücklich über die gleichen Gesichter, die immer dasselbe sagen. Da muss man sich nicht umgewöhnen. Auch beim Empfang am Freitag Nachmittag kein Gerangel an den Fleischtöpfen der Heinrich-Böll-Stiftung. Man kennt sich, man kennt die Standpunkte des anderen, keiner tritt dem anderen auf die Füße und man fragt auch bitte nie, nie, niemals nach dem Nutzenfür den einzelnen McPlanet-Träger.
Dabei liegt der Nutzen klar auf der Hand: keiner der McPlanet-Träger kann alleine so eine Menge junger Leute so glücklich machen. Zusammen schafft man das aber. Grund genug, mit einer sechsstelligen Summe in Vorleistung zu gehen und Manpower für Monate zu binden. Würde ich jetzt leise Janis Joplin oder Cat Stevens hören, es würde mich nicht wundern.
Ein paar quälende Jimmi-Hendrix-Riffs hört man nur dann, wenn
Leute ihren Raum nicht finden. Oder auch beim Late-Night-Talk
am
Samstag-Abend, wo der Moderatorin wohl vorher nicht gesagt wurde,
dass man sich vorbereiten muss, dass man als Moderatorin nicht alles
besser weiß als die Referenten. Langfristig betrübt ist hier aber niemand.
Im Gegenteil.
Irgendwie sind alle so glücklich hier. Die Sonne scheint, Menschen liegen auf der Campus-Wiese oder versuchen sich beim Klettern oder Jonglieren. Hier laufen die Hunde noch frei und Kinder dürfen quietschen, so laut sie wollen. Wir essen ökologisch korrektes Essen und trinken Bio-Limo. Und irgendwie macht sich das Gefühl immer breiter, es doch zu schaffen. Es doch zu schaffen, dass die Regierungen umschwenken, dass sie doch lieber das Klima als die Wirtschaft schützen.
Gänsehaut dann noch mal zum Abschluss: mit einem kräftigen Chakka-Chakka wird explosionsartig ein Plastik-Globus durch die als Papierwand dargestellte Banken- und Finanzwelt geschossen. Wie Aufziehmännchen voller Energie ziehen die Mc-Planet-Teilnehmer danach Richtung Heimat.
Da ist es auch egal, dass sich das Medieninteresse in Grenzen hält, dass kaum ein Teilnehmer den Mann aus Brasilien kennt, der da irgendwas zum Klimawandel erzählt oder das man mehr als eine halbe Stunde fürs Essen anstehen muss. Heute ist egal, dass einige Moderatoren neben ihrem Honorar auch ihr Hotel, ihre Reise und ihr Essen bezahlt bekommen, während Teilnehmer mindestens knappe 30 Euro allein für den Eintritt zahlen. So läuft das nun mal.
Und trotzdem freuen wir uns auf den nächsten McPlanet - mehr noch: wir wünschen uns diese Aufladestation viel häufiger. Denn:
Beim McPlanet zählt nur die erneuerbare Energie in unseren Herzen. Dafür alleine hat es sich gelohnt zum McPlanet zu fahren.
Sabine Zimpel , ist Campaignerin
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