Wo sind die Grünen Klimaretter?
Gähn. Wären wir mal lieber draußen im sonnigen Westfalenpark spazieren gegangen. Im Westen nix neues. Drinnen in der Dortmunder Westfalenhalle treffen sich Grüne, um das zu tun, was sie wie die anderen Parteien schon seit ein paar Jahren tun: eine handvoll Experten in Szene und ein Rudel bequeme Leute auf nette Pöstchen wählen. Die Listenplätze zur Europawahl.
Mit der Spitzenkandidatin Rebecca Harms fühlt man sich als Klimaretterin ja noch ganz gut vertreten und auch der zweitplazierte Reinhard Bütikofer hat in den vergangenen Monaten seine klimaschützenden Rundungen gezeigt. Das Führungsduo verspricht also dem Leitspruch des Parteitages gerecht zu werden, der immerhin noch irgendwas mit Klimaschutz im Untertitel trägt.
Das war’s dann aber auch schon. Keiner der anderen aussichtreichen Plätze wurde mit ausgewiesenen Klimapolitikern besetzt. Geht man denn davon aus, dass Rebecca Harms mit ihrem Team alles alleine managt? Oder liegt es etwa jedem Grünen im Blut, sich in Klimafragen gut auszukennen? Sieht man von ein paar wenigen unbelehrbaren wie Ströbele in Berlin ab, scheinen alle moralischen Argumente der Praktikabilität gewichen. Da wird geflogen und Auto gefahren, weil die Zeit zum Rad- und Bahnfahren nicht reicht. Stirbt der Grüne Spirit aus? Oder reicht es, durch den Einkauf von Bio-Produkten im Discounter chic zu sein?
Interessant auch, wer plötzlich alles in seiner Rede einen Schwenk zum „New Green Deal“ macht. Jetzt ist es wohl eine tolle Idee, was die NGOs schon lange sagen. Die Autoren aus Attac-Reihen machen hier wie da ihre Karriere und hier wie da ist man froh, sie zu haben und mit Ihnen Werbung machen zu dürfen.
Bei Grüns strotzt man in diesen Tagen vor Selbstbewusstsein. Schließlich hat man im November den „Grünen Obama“ zum Vorsitzenden gemacht. Cem Özdemir wird nicht nur in der Türkei so gefeiert, auch die deutschen Regional-Ausgaben von Hurriyet und Milliyet haben so getitelt. Und hier beim Grünen Parteitag in Dortmund stehen mehr als 50 Leute in der Schlange, um sich mit Cem vor der angebotenen Fotowand fotografieren zu lassen. Die große Mehrheit ist nicht etwa angewidert: sie liebt den amerikanisierten Partei-Event.
Wie beim Katholikentag mit dem Papp-Papst kann man sich hier mit dem Pope der Grünen ablichten lassen. Damit nicht genug: angeblich private Freunde von Cem bewerben ein T-Shirt: für ein paar Mark fuffzig bekommt man einen Druck mit „Yes we Cem“, darunter ein Abbild von diesem Typen mit diesen ekligen Kottis. Bäh. Als moderne Klimaretterin ist man ziemlich angewidert von diesem einzigen Profil, was er zeigt.
Der Klimaschutz ist im Grünen Bundesvorstand nun verwaist. Der Grüne Klima-Campaigner bekommt seit Bütikofers Wechsel mach Brüssel woanders seine Brötchen. Von der Parteivorsitzenden Claudia Roth wird das Klimaretten nicht erwartet. Dass ausgerechnet sie am vergangenen Montag dafür herhalten musste, das gescheiterteUmweltgesetzbuch zu kommentieren, lässt leider tief blicken. Soll dieses urgrüne Thema jetzt am Rande irgendwie so mitgemacht werden?
Erst im Dezember wurden die Hoffungen der Friedensleute zunichte gemacht, als Robert Zion beim NRW-Parteitag keinen aussichtsreichen Listenplatz für den Bundestag bekam. Friedensbewegung und Anti-Atom, das waren die Grünen Wurzeln. „Ohne Wurzeln keine Flügel“. Mal gucken, wo’s hinfliegt.
Gut, dass die Linken pennen und dass bei ihrer so genannten „ökologischen Plattform“ kaum nennenswerte Linke Promis mitmischen. Zugegeben, es ist ja nun wirklich nicht ihr Thema. Allerdings sollten sie auch nicht so tun. Aber davon an anderer Stelle mal mehr.
Also: solange die Linken den Grünen Ihre ökologische Nische lassen, werden die wieder in die Parlamente einziehen – bevor der gemeine Klimaretter merkt, dass kaum noch Klimaretter auf den grünen Kandidatenlisten stehen.
Sabine Zimpel , ist Campaignerin









