Die Grünen und das gelobte Land
Ein bisschen verzweifelt sieht es schon aus, wie die Grünen auf der Partei-Website einzufangen versuchen, was der faltige Dinosaurier namens Joschka rausposaunt hat: Man dürfe sich "nicht ins Abseits schießen", indem man einen Kohleausstieg fordert, sagte Fischer vor ein paar Tagen der Umweltzeitschrift zeo2 in einem Interview. Schnell ließ sich Noch-Parteichef Reinhard Bütikofer ebenfalls interviewen, von seiner eigenen Internet-Redaktion: "Joschka irrt", heißt es darin. Ziemlich freundlich.
Die Wahrheit ist: Die Grünen wollen sich koalitionsfähig machen. Um jeden Preis? Um jeden? Ja.
Man schaue sich doch nur mal an, wie die grünen Landesverbände derzeit ihre Kandidatenlisten zur Bundestagswahl zusammenstellen. Da werden plötzlich namenlose Landtagsmitarbeiter hervorgekramt und auf aussichtreiche Plätze gehievt. Die sind nämlich schön dankbar für solche Posten - und werden den koalitionswilligen Großkopferten und Dickbäuchigen in Berlin keinen Ärger machen.
Einen Robert Zion dagegen kann die Partei offenbar nicht gebrauchen. Zion würde Fischer nicht höflich „widersprechen“, wie Bütikofer. Robert Zion würde auf die Barrikaden gehen. Er ist der grüne Rebell, der Initiator des Sonderparteitags zu Afghanistan, der Publizist, der diskutiert, der reflektiert und Essays schreibt. Einer, der noch eine grüne Seele hat und für unsere grünen Seelen gleich mitkämpft. Und vor dem man Angst hat im ober-grünen Berlin. So einer ist nämlich ein Risiko-Faktor für sämtliche Koalitionen. Zion ist das gelobte Land, der Ausdruck für die Sehnsucht nach einer freien und gerechten Heimat. Die Heimat der grünen Seelen. Seufz.
Einen wie Zion hätte man dringend in Hamburg gebraucht! Mannomann! Ein Blick in den Norden lässt mir die Zornesröte ins Gesicht steigen und das Messer in der Tasche aufspringen. Die dortigen Grünen aber bleiben hanseatisch kühl: „Wir haben ja alle unsere Projekte, hier in Hamburg.“ Aha. Das meint wohl, ich kotz lieber jeden Morgen, wenn ich mich im Spiegel sehe, als dass ich auf meinen Posten verzichte.
Was die grüne Seele viel mehr zu stören scheint: Dass sich der Fischer immer und immer wieder hinterrücks einmischt, ohne dass man vorgewarnt wird. Das Interview ist ja schon ein paar Wochen alt, nur der Erscheinungstermin des Magazin passt jetzt zur Moorburg-Entscheidung. Nach ein paar Stunden im tiefgrünen Schockzustand explodierten die Grünen Diskussionslisten. „Das kann die Hajduk nicht machen", heißt es empört. Doch kann sie. Zumal die grüne Basis in Hamburg das gar nicht sooo anders sieht als Hajduk. Dass sie damit Wege für Schwarz-Grün in richtigen Bundesländern und vielleicht sogar im Bund öffnet – das scheint vielen Grünen als einkalkuliert. Anders als Frau Üppsi in Hessen kämpft Hajduk nämlich nicht gegen eine eintönige Männerbande vom Kaliber Münte und Co. Bei Grüns in Berlin wird sehr wohl und wirklich in alle (Koalitions-)Richtungen gedacht.
Sabine Zimpel, ist Camainerin.
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