Ein Piccolöchen auf diesen G8-Beschluss
Nach diesem G8-Gipfel hat man als Klimaschützer richtig was zu feiern: Aus dem Versprechen der G8 in Heiligendamm sich einmal Gedanken darüber zu machen, ob man vielleicht seinen CO2-Austoss bis zum Jahr 2050 um die Hälfte reduzieren könne, ist doch tatsächlich eine Absichtserklärung geworden! Die hat sogar George W. Bush unterschrieben. Schade nur, dass er in den letzten Wochen seiner Amtszeit fröhlich alles unterschreibt, was man ihm unter die Nase hält. Und schade, dass die G8 keine demokratisch oder völkerrechtlich legitimierte Institution ist, die sich an irgendwelche Beschlüsse halten müsste. Bis 2050 werden die meisten dieser Staatschefs sowieso unter der Erde sein und können auf das unterirdisch gespeicherte CO2 aufpassen.
Und was sagt die Klimaschützer-Gemeinde? Es reicht von „G8 im Atomfieber“ beim Nabu über „dreiste Propaganda-Show“ bei attac und „verlogene Absichtserklärung“ bei Greenpeace. Der BUND „bedauert“, dass die „G8 ihre Führungsrolle im Klimaschutz nicht wahrnehmen“. Der Welthungerhilfe sind die Ergebnisse „viel zu vage, zu mutlos und zu kurzfristig", Germanwatch spricht vom „Versagen“ der G8. Die Klima-Leute bei „Brot für die Welt“ halten diesen Gipfel „für gescheitert“. Dem WWF geht es „zu langsam“, und er sieht, wie attac, „keinen Sinn in weiteren Treffen“.
Andere, die sich nicht öffentlich geäußert haben, sagen: „Warum sollten wir jetzt was sagen? Ist doch nix passiert.“
Sogar der Sprecher des Umweltprogramms der UN kritisiert den Klimabeschluss der G8 als „zu blumig, unkonkret, ohne Zwischenziele und ohne konkrete Vorschläge“. Damit trifft er es ziemlich auf den Punkt: Es wird weder ein Bezugspunkt zur Halbierung genannt (von was denn eigentlich die Hälfte?) noch wird gesagt, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Man hört auch nichts davon, was getan werden sollte, um dieses Ziel zu erreichen. In unserer grenzenlosen Naivität als Klimaschützer denken wir sofort an den Ausstieg aus der Kohle, an intelligente Lösungen für den Individualverkehr und an Einschränkungen der globalisierten Warenströme. In der grenzenlosen Naivität der G8 „wird das schon irgendwie hinhauen“. Jedenfalls hört man weder konkrete Zahlen noch Instrumente.
Der Schwarze Peter geht an die Schwellen- und Entwicklungsländer. Die sollen jetzt erst mal was tun und nicht so gedankenlos vor sich hin wachsen. Die sagen wiederum: „Ihr habt uns das eingebrockt, jetzt müsst ihr es auslöffeln!“ Und fühlen sich nicht angesprochen vom 50-Prozent-Beschluss. Allerdings hat unsere deutsche Klima-Queen mit ihrem „Wir schaffen es nur gemeinsam“ dann doch auch mal recht. „Das Gemeinsame“ mit den Nicht-G8-Staaten kommt allerdings traditionell etwas kurz bei diesen Treffen. Da hat es grad mal ein gemeinsames „Social Dinner“ mit Trüffelsüppchen und Spargelspitzen in Weißweinsoufflee gegeben.
Erst mal hat man sich nun bis nach Kopenhagen gerettet. Im Dezember 2009 soll dort ein Nachfolgeprotokoll für Kyoto erstellt werden. Bis dahin wird es bestimmt noch den einen oder anderen Störfall im Atomkraftwerk gegeben haben. Und die Wissenschaft hat CCS, die Technologie der CO2-Abtrennung in Kohlekraftwerken und dessen unterirdische Verpressung, als das entlarvt, was es ist: ein richtig schlechter Scherz.
Darauf jetzt aber ein Piccolöchen.
Sabine Zimpel, ist Campainerin für den Umweltschutz.
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