5.000 Tonnen Kerosin: Lügendetektor hilf!
Reimers kleine Zahlenkunde
Wie gefällt Ihnen dieses Zitat: "Als erste Fluggesellschaft hat Air Berlin den ÖkoGlobe 2011 gewonnen. Die Umweltauszeichnung für wegweisende Innovationen zur nachhaltigen Mobilität erhielt Air Berlin für das Unternehmens-Programm 'Ökoeffizientes Fliegen'. Der Preis wurde in Karlsruhe von der DEVK-Versicherungsgruppe und dem ÖkoGlobe-Institut überreicht."
Komisch oder? Verdächtig?
Liebe Versicherungsnehmer der DEVK: Leider ist der Klima-Lügendetektor pleite, weshalb der GutWetterverlag auch einen Rettungsaufruf starten musste. Falls Sie sich aber bei der DEVK versichert haben, würde ich gern den dringenden Rat loswerden: Sofort austreten!! Hat doch die DEVK-Versicherungsgruppe dem Klima- und Umweltschädling Air Berlin einen Klima- und Umweltpreis verliehen. Wer sich so in Widersprüche verstrickt, der kann keine Sicherheit garantieren - beim Wasserrohrbruch genauso wenig wie beim Wohnungseinbruch oder dem Rechtsschutz.
Die DEVK-Versicherungsgruppe begründet ihr Urteil zu Gunsten von Air Berlin so: "Zu den herausragenden Beispielen der Emissionsminderung gehört die Gewichtsreduktion an Bord der Air Berlin Flugzeuge. Leichtere Sitze, papierloses Cockpit, Trolleys aus gewichtsreduziertem Aluminium und neue Teppiche haben zur Einsparung von 5.000 Tonnen Kerosin geführt. Weiterhin wird fliegendes Personal bei Air Berlin in geeigneten Flugtechniken geschult, wodurch nicht nur Schadstoffemissionen, sondern auch Lärmemissionen reduziert werden."
Wow! Kein schwerer Papierkrieg mehr in den Air Berlin-Cockpits, keine schweren Brokat-Teppiche und vielleicht sparen die Stewards und Stewardessen ja demnächst auch noch per Selbstverpflichtung an der Wechselkleidung und damit an einer weiteren Gewichtsreduzierung ihrer Aluminium-Rollkoffer. Das ist in der Tat VERSICHERT eine Ökoauszeichnung wert.
Tatsächlich schreit so hahnebüchender Unsinn natürlich dringend nach der Arbeit des Klima-Lügendetektors. Pro Liter verbranntem Kerosin entstehen 2,76 Kilogramm Kohlendioxid, ein allenfalls noch in der Raumfahrt zu erreichender Sünden-Wert. Aber wieviel Liter Kerosin braucht eigentlich Air Berlin, um ein Kilogramm Mensch für 80 Cent von A nach B zu transportieren? Wieviel lässt sich davon mit Aluminiumkoffern und Wechsel-Tangas statt Wechsel-Slips einsparen? Und ist der Teppich jetzt statt aus schweren Naturstoffen gar aus krebserregender Plastik?
Jüngst - Air Berlin war in die Krise geschlittert - hieß es ja, die ganzen Klimaschutz-Bürokratien würden Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft in den Abgrund treiben. Aber wer weiß schon genau, was an solchen Aussagen Wahrheit oder Lobbyismus ist?
Der Klima-Lügendetektor.
Der Klima-Lügendetektor?
Ja genau, der Klima-Lügendetektor. Seit 2008 untersucht er Tatbestände, wie die Aluminium-Rollis von Air Berlin. Kann ja sein, dass die zarten Mädchen von der Bordküche vorher mit eisenschweren Tresorkoffern unterwegs waren und die aluminierte Neuerung tatsächlich auszeichnungswürdig ist. Kann aber auch sein, dass die DEVK-Versicherungsgruppe - sagen wir - 7 Prozent des Aktienpakets von Air Berlin hält. Und nach dem jüngsten Erdrutsch-Kursrausch der Air Berlin-Aktien mal dringend etwa für das Eigen-Kapital tun musste.
Das zu recherchieren war (und ist) Aufgabe des Klima-Lügendetektors. (Übrigends gar nicht so einfach, das korrekte Lesen von Handelsregister-Auszügen oder Börsen-ad-hoc-Meldungen). Bis zum Juli war auf den Klima-Lügendetektor bei solchen Fragen unschlagbar Verlass. Dummerweise kappte das Greenpeace-Magazin die gemeinsame Zusammenarbeit - und nun suchen die Kollegen aus der Recherche-Abteilung des Detektors nach neuen Financiers. Bis 1. Oktober sind sie auf "Kurzarbeit Null": Der unabhängige GutWetterverlag würde den Detektor gern wieder anschalten, wenn es bis dato Menschen gibt, die drei, fünf, fünfzig-Euro dafür ausgeben, dass der Detektor überprüft, ob Lügen vorliegen und wie verquickt sie mit Konzerninteressen sind.
Air Berlin jedenfalls dürfte daran genauso wenig Interesse haben wie die DEVK-Versicherungsgruppe. Zitat: "Das Flugpersonal wird bei Air Berlin in geeigneten Flugtechniken geschult". Wenn das ein preiswürdiger Tatbestand ist, sollte man weder mit Air Berlin fliegen noch bei dieser Versicherungsgruppe Versicherungsschutz suchen.
Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info.
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