33 Prozent Macht oder kein Kreuz mehr für die Gelben
Reimers kleine Zahlenkunde
Vermutlich haben Sie sich das auch schon oft gefragt: Wer hat eigentlich die Macht in diesem Lande? Wer entscheidet eigentlich? Wer hat hier das Sagen?
Die Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf hat diese Frage jetzt einmal denen gestellt, die per Gesetz die Macht, das Sagen haben: den deutschen Parlamentariern. Wer vor allem ist in Deutschland für Veränderungen und Innovationen zuständig? So formulierten die Wissenschaftler der "Change Centre Foundation" ihre Fragestellung an die Parlamentarier, jene, die im Bundestag genauso wie in den Landtagen das Votum der Bürger umsetzen.
Das Ergebnis der Deutschen Parlamentarierstudie ist erschütternd: Nicht sie, die befragten Politiker, sehen sich in der Lage, gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen. Die von uns Gewählten glauben vielmehr, das es wir, ihre Wähler, sein müssten, die die Gesellschaft verbessern.
46 Prozent aller Volksvertreter gaben in der Untersuchung an, dass die Bürger das mächtigste Glied in der Kette sind, gefolgt von der Wirtschaft, die 34 Prozent der Parlamentarier als "Gestalter" sehen. Sie, die Volksvertreter, glauben erst an dritter Stelle tatsächlich selbst auch etwas bewirken zu können.
Moment mal: War es nicht ursprünglich so gedacht, dass wir, die Wähler, jemanden aus unserer Mitte auswählen, damit der unsere Interessen vertritt und die Gesellschaft gestaltet? Wir wählten die Besten aus - und die behaupten nun, nicht sie, die Auserwählten, sondern wir, die Wähler müssen sich um den Fortgang der Menschheit mühen?
Die Abgeordneten würden ihre Rolle weniger offensiv und aktiv, sondern reaktiv sehen, urteilt Studienleiter Joachim Klewes. "Die Parlamentarier verstecken sich fast vor den Bürgern", sagt der Professor. Als Gründe vermutet er etwa die vielfältigen Zwänge von Fraktionen und Parteiapparaten, den zunehmenden Einfluss der Lobbyisten sowie die Arbeitsteilung im Parlament.
Allerdings - jetzt kommt ein kleiner Hoffnungsschimmer - gibt es parteipolitische Unterschiede. So denken 78,2 Prozent der FDP-Abgeordneten, nicht der Staat sondern der Bürger sei für Veränderung, Innovation und Zukunftsgestaltung zuständig. Nur 12,7 Prozent glauben, der Staat könne das Gemeinwesen voran bringen.
Bei der SPD dagegen ist das Verhältnis andersrum: Immerhin 45,3 Prozent aller SPD-Parlamentarier glauben, sie als Entscheidungsträger des Staates, könnten die Gesellschaft voran bringen. Nur 29,3 Prozent der Genossen denken, dass der einzelne Bürger in dieser Verantwortung steht. Die anderen Parteien liegen zwischen diesen beiden Enden.
Wenn die FDP so überwiegend mehrheitlich glaubt, nichts in den Parlamenten bewirken zu können, erhebt sich die Frage: Wieso schicken wir sie dann immer noch dahin?
Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info.
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