Der Wähler zahlt den Deal
Reimers kleine Zahlenkunde
Das darf man sich ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen: Die Regierung beauftragt ein von den Atomkonzernen RWE und Eon finanziertes und mitverwaltetes Institut. Dieses berechnet die wirtschaftlichen Auswirkungen der geplanten Laufzeitverlängerung deutscher AKWs. Und siehe da: Die Effekte fallen geringer aus als von der Regierung angenommen.
Wie üblich in der Wissenschaft, muss sich das Gutachten nun selbst der wissenschaftlichen Begutachtung unterziehen. Ergebnis: Das Modell, mit dem uns die Gutachter die Zukunft berechnet haben, ist offenkundig fehlerhaft. Zieht man die Fehler ab, fällt der volkswirtschaftliche Nutzen von länger laufenden Atomkraftwerken noch geringer aus.
Aber was heißt überhaupt volkswirtschaftlicher Nutzen? Für die Gutachter liegt er in einem sinkenden Großhandelspreis für Strom. Laufen die Reaktoren länger, könnte der – so das Gutachten – von derzeit knapp sieben Cent je Kilowattstunde auf zwei Cent im Jahr 2050 fallen. Nutznießer wäre die Großindustrie, nicht aber der Mittelstand oder gar der Verbraucher – wegen der komplizierten Strompreisbildung und des Ausbaus der erneuerbaren Energien. Es bleibt wie so oft dabei: Der Wähler zahlt den Deal.
Allerdings – und das zeigt den Wahnwitz dieses Gutachtens – müssten eigentlich RWE und Vattenfall als Erste auf die Barrikaden gehen. Beide Konzerne investieren gerade Milliarden in neue Kohlekraftwerke, die sich nur rechnen, wenn der Großhandelspreis steigt statt fällt.
Und was macht die Politik? Sie begründet zehn bis 15 Jahre länger laufende Atomkraftwerke mit einem Gutachten, das weder zehn noch 15 Jahre längere Laufzeiten berechnet hat, dafür aber fehlerhaft ist. Was Union und Liberale antreibt, ist pure Ideologie.
Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.infoDie Schlagzeilen um 02 Uhr
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