Wow! Vier Millionen für ein Gutachten
Reimers kleine Zahlenkunde
Es gibt Lügen, Verbrechen und Statistiken. Mit diesem Spruch quittierte in der DDR das Volk den Versuch der SED, mit Planzahl-Statistiken die Regale in der Kaufhalle vollzuschwindeln. Auf die Mächtigen des Heute übertragen, muss der Spruch so lauten: Es gibt Lügen, Verbrechen und Gutachten. Das Energiegutachten, das am Freitag an die Bundesregierung übergeben werden soll, ist ein gutes Beispiel, die heutige Form von Volksverdummung zu illustrieren.
Im Prinzip ist dieses Vorgehen richtig: Die Politik lässt sich von der Wissenschaft die Fakten herleiten und die Entwicklungspfade durchrechnen, um eine seriöse Grundlage für ihre Entscheidung zu haben. Das Prinzip ist aber Opfer der Arroganz der Macht geworden: Nicht nur, dass die Regierung den Gutachtern "Rahmenbedingungen" vorgegeben hat - also ganz klar festgelegt hat, was nicht im Gutachten stehen darf. Die Regierung hat auch Gutachter beauftragt, die ohnehin parteiisch sind. So wird das Ergebnis des Gutachtens sein: Atomkraft weiter laufen zu lassen, ist sinnvoll fürs Gemeinwohl und die Volkswirtschaft. An etwas anderem haben die "Wissenschaftler" gar kein Interesse. Schließlich wird das Energiewissenschaftliche Institut der Universität Köln von den Atomkonzernen RWE und Eon bezahlt - mit vier Millionen Euro. RWE und Eon stellen im Verwaltungsrat des Institutes jeweils einen der sieben Mitglieder.
Bei jeder Currywurst-Bude dieser Republik überprüfen die Behörden, wo und wie das Frittenfett entsorgt wird. Die Atomkraftwerke aber dürfen seit 44 Jahren Müll produzieren, ohne dass es wenigstens eine Idee gibt, wie dieser jemals entsorgt werden kann. Aber nun hat ja die Politik "Wissenschaftler" beauftragt, die in einem Gutachten prüfen sollen, ob Gorleben vielleicht nicht doch als Endlager taugt. Einer der Gutachter war mal Atomchef bei Vattenfall: Bruno Thomauske. Sie ahnen, was im Gutachten stehen wird?
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