20 Milliarden und ein "Scheißleck"
Reimers kleine Zahlenkunde
Jetzt ist er also richtig böse geworden, der US-Präsident. "Stopft endlich das Scheißleck", soll Barack Obama seine Mitarbeiter im Weißen Haus angefahren sein. Als ob die daran Schuld sind, dass noch niemand den Daumen auf das Leck hält.
Aber nicht nur seine Mitarbeiter ist der Präsident angegangen. BP-Chef Tony Hayward musste zum Rapport antreten. Und 20 Milliarden Dollar hinblättern. 20 Milliarden Dollar! Mal eben so. Das ist in etwa die Summe, die die Bundesregierung mit ihren Sparpaketen in den nächsten zwei Jahren einzusparen versucht. 20 Milliarden! Wo eigentlich hat Hayward die hergeholt? Und: Wie eigentlich berechnet man die Schäden an der Umwelt? Sind 20 Milliarden Dollar angemessen? Muss BP mehr zahlen, wenn das Öl demnächst per Golfstrom nach Großbritannien schwimmt? Ist der Konzern jetzt pleite?
20 Milliarden sind tatsächlich auf für BP ein ganzer Batzen: ein Viertel seines aktuellen Börsenwertes. Übersetzt heißt das, für 80 Milliarden Dollar könnte man sich BP derzeit an der Börse kaufen - zumindest theoretisch. Andererseits hat BP im ertsten Quartal dieses Jahres seinen Gewinn um satte 134,6 Prozent gesteigert: auf 6,1 Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro). Geht das so weiter, verdient der Konzern als deutlich mehr als 20 Milliarden Dollar.
Außerdem hat der Chef angekündigt, die Dividende für die Aktionäre zusammen zu streichen. Zunächst soll das nur für die ersten drei Quartale dieses Jahres gelten, pro Quartal spart BP so 2,4 Milliarden Dollar. Die armen Aktionäre.
Und jetzt kommts! Nach bekannt werden dieser Pläne schoß die BP-Aktie an der Londoner Börse um satte 7 Prozent in die Höhe. Und kennt seitdem nur einen Weg: nach oben.
Das lehrt uns zweierlei: Erstens hatten die Aktionäre offenbar befürchtet, dass sie wesentlich mehr für das Desaster zahlen müssen. Und zweitens: was sind schon 20 Milliarden. Mit BP kann man viel, viel mehr Geld verdienen, als diesen popeligen Betrag. Und so lange das so ist, muss die Energiewende leider noch warten.
Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins wir-klimaretter.de
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