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Willkommen im Klub, Großbritannien!

Reimers kleine Zahlenkunde

nick3.jpgHerzlich willkommen im Energie-Wende-Klub, liebe Großbriten! Freut mich, dass Ihr nach Jahren des Irrglaubes auf den Weg des regenerativen Wachstums eingeschwungen seid.

Erinnern wir uns! Italien und Großbritannien versuchten über ein so genanntes Quotenmodell den Ausbau der Erneuerbaren Energie voran zu treiben. Das Quotensystem funktioniert so: In Großbritannien müssen die Stromversorger seit 2002 zu einem festgelegten Prozentsatz grünen Strom entweder selbst produzieren oder Zertifikate (Renewable Obligation Certificates, ROC) kaufen. Tun sie das nicht, müssen sie Strafe zahlen. Der staatlich geforderte Anteil an Ökostrom lag für 2004 bei 4,3 Prozent und sollte sich um jährlich 1 Prozentpunkt erhögen - bis er 2015 schließlich bei 15,4 Prozent liegt.

Tatsächlich wurde die Quote aber nie erreicht: Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion in Großbritannien beträgt derzeit 5,5 Prozent - das Modell ist sang und klanglos gescheitert. Weshalb der britische Minister für Energie und Klimaschutz Ed Miliband jetzt auch einlenkte: Ähnlich wie in Deutschland erhält in Großbritannien seit 1. April derjenige eine Umlage, der Strom aus Wind, Sonne, Wasser oder Biogas erzeugt. Bezahlt wird die Vergütung nicht nur bei der Einspeisung ins Netz, sondern auch dann, wenn der Strom von den Haushalten selbst verbraucht wird.

Malcolm Scott, Direktor der britischen Wirtschaftsförderung UK Trade & Investment in Deutschland, meinte: "Deutschland ist uns bei der Nutzung von erneuerbaren Energien weit voraus, auch dank der Einspeisevergütung, die hier schon lange gilt. Wir hoffen, dass diese Form der Förderung bei uns die gleichen positiven Effekte hat." Nach einer Beispielrechnung könnte ein durchschnittlicher Haushalt Britanniens durch die Installation einer Solaranlage mit einer Kapazität von 2,5 Kilowatt-peak rund 1.000 Euro im Jahr erhalten. Unternehmen und Gemeinden können ebenfalls von der Vergütung profitieren, wenn sie entsprechende Anlagen installieren.

Britische Verhältnisse - paradisische Verhältnisse: Im Stamm-Land der EEG-Umlage gibt es wegen der geografischen Lage zwar mehr Sonnenenergie. Aber leider eben auch eine schwarz-gelbe Koalition. Die plant, zum Sommer die Solarförderung um 25 Prozent gegenüber dem Jahr 2009 zu kappen. Hierzulande war es bis zu diesem Plan bereits nahezu unmöglich, 1.000 Euro für eine 2,5 Kilowatt-peak-Anlage jählich einzuspielen - die Fördersätze sind zu gering. Künftig sollen es nicht einmal mehr jählich 750 Euro für so eine - immerhin 10.000 € teure Anlage - sein.

Viva Britannia! Aber dafür gibt es ja nun Gottseidank den Binnenmarkt Europa: Klimaretter, tut euch zusammen! Baut Solarkraftwerke in Großbritannien. Dem Klima ist egal, wo es gerettet wird. Eurem Geldbeutel aber nicht! Wenn schwarz-gelb Eure Euros nicht wollen, dann schafft sie auf die Insel! Ihr könnt auch dort Steuern zahlen. Und habt so die Gewissheit, dass sich eure Investitionen schon nach zehn, elf Jahren abbbezahlt haben. In Deutschland wird man künftig ja erst ab 15, 16 Jahren den Punkt erreichen, wo das solare Investment erstmals ein schmales Plus abwirft!

Übrigens: Der Verbandes der Elektrizitätswirtschaft - heute abgekürzt BDEW - hatte vor fünf Jahren ein "Integrationskonzept Erneuerbare Energien" zur Rettung der Welt vorgestellt. Mit diesem Konzept sollte die nun in Großbritannien eingeführte Umlageförderung in Deutschland abgeschafft werden - zu Gunsten eines Quotenmodells a la Großbritannien. Die Lobbyisten haben damals mächtig viel Geschrei gemacht, weil ja sonst die Politik überhaupt nichts vernünftiges tut, um die Erneuerbaren Energien voran zu bringen.

Am 1. April stellten die Briten auf EEG-Förderung um. Am 1. April feierte das deutsche EEG seinen 10. Geburtstag - trotz aller Angriffe der fossilen Stromlobby. Wissen Sie, was die via Pressemeldung dazu meint? O-Ton: "Zusammen mit moderner konventioneller Erzeugung sind die Erneuerbaren ein starker Wirtschaftsfaktor und Konjunkturmotor für den Standort Deutschland geworden."

Kein Wort mehr vom Stalin-Orgel-Dauer-Lobbyisten-Beschuss durch den Verband der Elektrizitätswirtschaft. Muss ja auch nicht. Die Union hat schon verstanden.

Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins wir-klimaretter.de

 

 

 

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